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Nur noch Reste von Kasseler Franchise-Kette „Paco‘s Tacos“

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Von: Axel Schwarz

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Derzeit noch vier Partner: Das Mannheimer Franchise-Lokal von Paco’s Tacos.
Derzeit noch vier Partner: Das Mannheimer Franchise-Lokal von Paco’s Tacos. © Privat

Von großen Wachstumsplänen des Kasseler Gastro-Konzepts Paco’s Tacos ist nicht mehr viel übrig: Von den wenigen verbliebenen Partnern streiten sich mehrere mit den Franchisegebern.

Kassel – Von großen Plänen, das Kasseler Gastro-Konzept „Paco’s Tacos“ zum bundesweiten Franchise-Erfolg zu machen, ist nicht mehr viel übrig. Anfang 2021 sprachen die Betreiber von 17 mexikanischen Restaurants, die bis Ende jenes Jahres am Start sein sollten. Doch einige Neueröffnungen waren schnell wieder Geschichte, andere gar nicht erst zustande gekommen. Aktuell gibt es bundesweit gerade noch vier Franchisenehmer – von denen wenigstens die Hälfte mit der Kasseler Paco’s Tacos GmbH juristisch im Clinch liegt.

Auf einen kürzlichen HNA-Bericht zur Lage des Unternehmens haben die selbstständigen Betreiber der Lokale in Jena und Mannheim reagiert und Vorwürfe in Bezug auf ihren Franchisegeber geäußert. Dieser, so heißt es, würde sich seit einem halben Jahr praktisch nicht mehr um seine Partner kümmern.

„Es gibt absolut keine Beratungsleistung, null Marketing, auch kein Warenwirtschaftssystem“, zählt Christian Klimpel (Jena) beispielhaft auf und weist beim Stichwort Markenpflege darauf hin, dass seit ein paar Tagen auch die Website von Paco’s Tacos nicht mehr erreichbar ist.

Erreichbar als Ansprechpartner sei in Kassel schon länger niemand mehr. Klimpel und die Mannheimer Franchisenehmerin Sandra Martens sagen, sie wüssten durch persönliche Kontakte, dass eine Reihe von Mitarbeitern der Zentrale wegen ausstehender Gehälter gekündigt habe. Ihrer Einschätzung nach soll der Franchisegeber finanziell wenig handlungsfähig sein.

Von den Partnerlokalen Jena und Mannheim fließt ihm seit Sommer jedenfalls deutlich weniger Geld zu. „Wegen Nichtleistung“, so Klimpel, hätten die Betreiber seit Sommer bis auf Weiteres ihre monatlichen Franchise-Gebührenzahlungen auf knapp ein Drittel der vereinbarten Abgabequote vom Umsatz vermindert. Allein das stehe bisher im Zentrum aller Auseinandersetzungen: „Es ging aber noch nie um die Lösung unserer Probleme“, sagt Klimpel.

„Null Einsicht“ beklagt auch seine Mannheimer Kollegin Martens. Sie sagt, dass ihre Restaurantgeschäfte durchaus gut laufen würden. Allein die fehlende Betreuung durch das Mutterunternehmen Paco’s Tacos GmbH sei ein Problem.

Um ein Statement gebeten, zeigt sich einer der beiden Geschäftsführer auskunftsbereit. Pascal „Paco“ Mock, der Gründer des mexikanischen Gastro-Konzepts, will von der Idee einer Restaurantkette nichts mehr wissen. Er sei „traurig und enttäuscht über das Verhalten der Franchisenehmer“, deren Vorwürfen er widerspricht.

„Dass wir unsere Leistungen nicht erbracht hätten, ist kompletter Schwachsinn – wir haben alles gegeben“, sagt Mock, zählt aus seiner Sicht Beispiele dafür auf und legt nahe, dass hinter der Vorgehensweise der Lizenznehmer eine Strategie stehen würde: „Die schulden uns seit Monaten tausende Euro.“ Wenn die eingefordert würden, „dann heißt es auf einmal: Wir sind unzufrieden.“

Auch das mit den Kündigungen sei „so nicht richtig“, sagt Mock: „Wir haben unser Team verkleinert, weil wir uns entschieden haben, keine neuen Restaurants mehr zu eröffnen und die Leute also nicht mehr brauchten.“

Er selbst sei in dem Unternehmen „nicht mehr der Ansprechpartner für Franchise und möchte das auch nicht mehr sein“, sagt Pascal Mock. Zwar sei ihm klar, dass er als Geschäftsführer der Paco’s Tacos GmbH „so einfach nicht aussteigen“ könne. Doch wie es dort weitergehe, da lege er kein Herzblut mehr hinein: „Ich denke, das wird wohl ein jahrelanger Rechtsstreit werden“, ihm sei das aber mittlerweile egal.

Er habe das Gefühl, in den Wachstumsbetrebungen zur Franchise-Kette seine „Seele verkauft“ zu haben, sagt der Paco’s-Tacos-Gründer. Jetzt betreibe er nur noch sein Restaurant am Kasseler Weinberg, mache Caterings und bastle an einem „Express-Box“-Imbisskonzept – all das aber unter persönlicher Firmierung.

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