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Nur wenig los in den Testzentren: Neue Corona-Verordnung für Bezahl-Tests erntet starke Kritik

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Von: Anna-Laura Weyh

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Kostenlose Schnelltests gibt es seit Donnerstag nicht mehr für alle Bürger.
Kostenlose Schnelltests gibt es seit Donnerstag nicht mehr für alle Bürger. © anna weyh

Die neue Corona-Testverordnung, nach der Schnelltests für die meisten Menschen nicht mehr kostenlos sind, sorgt auch in Kassel für starke Kritik.

Kassel – „Die meisten Leute gehen wieder, wenn sie hören, was sie bezahlen müssen“, sagt Michelle Koch vom Testzentrum an der Wilhelmsstraße. Dort haben sich viele Menschen täglich testen lassen. „Einfach um sicherzugehen und ihr Umfeld zu schützen“, sagt die Mitarbeiterin. Doch 9,50 Euro wollen die meisten dafür nicht zahlen.

Denn Anspruch auf die kostenlosen Tests haben seit Donnerstag nur noch Personen, die sich nach einer Corona-Infektion freitesten wollen, Besucher von Pflegeheimen und Krankenhäusern, Haushaltsangehörige von Infizierten, Schwangere im ersten Trimester und Kinder bis fünf Jahre. Außerdem können sich Bewohner von Sammelunterkünften, Menschen mit Behinderung sowie deren Pflegende und Personen, die sich nicht impfen lassen können weiter kostenlose Tests beziehen.

Und auch die Tests mit drei Euro Selbstbeteiligung der Bürger gelten nur für Menschen mit Vorerkrankungen sowie deren Kontaktpersonen,  für Personen, die Menschen über 60 Jahre besuchen möchten,  Besucher von Veranstaltungen in Innenräumen und Personen, deren Corona-Warn-App reagiert hat.

Alle anderen, die keinen der oben genannten Testgründe haben, zahlen den Schnelltest komplett selbst. „Damit hat der Bund nun die Menschen ausgeschlossen, die am meisten in die Testzentren gekommen sind“, kritisiert Dennis Witt, Inhaber der Palmen-Apotheke und Betreiber des Testzentrums im Filmpalast. Bei steigenden Inzidenzen nun diese Einschränkungen anzuordnen, könne er nicht nachvollziehen. Schon nach nur zwei Tagen mit der neuen Corona-Testverordnung haben sich bei ihm deutlich weniger Leute testen lassen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bezeichnet die neue Testverordnung als „das nächste Kapitel aus dem Tollhaus Gesundheitspolitik“. Ein Sprecher sagt: „Es wirkt so, als wäre Mitte der Woche jemandem im Ministerium aufgefallen, dass die Testverordnung am 30. Juni ausläuft und man ja eine neue braucht.“ Die KVH bezeichnet die Regelungen als völlig praxisfern und nicht umsetzbar. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen können die Verantwortung dafür, dass die Abrechnungen korrekt sind, nicht mehr übernehmen“, so der Sprecher.

In einem gemeinsamen Schreiben mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung teilten sie dem Bund mit, dass sie sich außerstande sehen, erbrachte Bürgertestungen nach der neuen Corona-Testverordnung abzurechnen und die Vergütung auszuzahlen. Es wiederhole sich das, was schon in den letzten Monaten immer wieder beklagt wurde. „Statt mit Struktur Ordnung in die Bekämpfung der Pandemie zu bringen, ist das Bundesministerium für Gesundheit sogar die Institution, die kontinuierlich für Chaos und Verunsicherung sorgt“, so der KVH-Sprecher.

Dieses Chaos kritisiert auch Testzentrumsinhaber Dennis Witt. „Manche Testgründe lassen sich nicht nachweisen“, sagt er. „Wir müssen den Leuten einfach glauben“, bestätigt auch Michelle Koch vom Testzentrum an der Wilhelmsstraße. Dort habe sich die Anzahl der Testpersonen in den vergangenen zwei Tagen bereits halbiert. Die Betreiber der Testzentren in Kassel wissen nicht, was sie bei der Abrechnung letztendlich alles vorlegen müssen.

Wie es für sie weitergeht, steht noch offen. Witt sagt: „Das Team ist super eingespielt, ich möchte die Leute nicht verlieren.“ In ein bis zwei Wochen wolle er die Lage neu beurteilen.

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