"Unsere Haltestellen sollen schöner werden"

Plakataktion an NVV-Haltestelle: Zwei Studenten wollen den Nahverkehr sexy machen

+
Entwarfen heimlich Werbung für den NVV: Die Produktdesign-Studenten Jannes Lüdtke (links) und Abdalla Mohamed mit ihren Plakaten am Weinberg.

Ihre Plakatkampagne sorgte für Aufsehen: Unbekannte hatten NVV-Werbung an der Kasseler Haltestelle am Weinberg kopiert. Dahinter stecken zwei Studenten, die den Nahverkehr cooler machen wollen.

Als Jannes Lüdtke und Abdalla Mohamed im Juli illegal Plakate aufhängten, wollten sie nicht, dass ihr Name deswegen in der Zeitung steht. 

Die Produktdesign-Studenten hatten eine Werbekampagne des Nordhessischen Verkehrs-Verbunds (NVV) kopiert und an der Haltestelle am Weinberg drei Entwürfe angebracht. Auf ihren Postern stand nicht mehr wie auf den Originalen „Mensch, fahr fair!“, sondern „Mensch, fahr grün!“

NVV ist interessiert an den Ideen der Design-Experten

Statt der Roten Karte gab es dafür nun jedoch Lob. Etwas verspätet entdeckte NVV-Geschäftsführer Steffen Müller die anonyme Werbung. Seine Mitarbeiter ließ er bei Facebook den „neuen Stern am Kasseler Kunsthimmel“ suchen. Daraufhin meldeten sich Lüdtke und Mohamed. Demnächst soll es ein Treffen geben. Der NVV will wissen, welche Ideen die jungen Design-Experten für das Verkehrsunternehmen haben.

Eine ganze Menge. Voriges Semester belegten die Studenten an der Kunsthochschule ein Seminar bei Prof. Martin Schmitz zum Thema: „Unsere Haltestellen sollen schöner werden.“ Lüdtke und Mohamed kritisieren nicht nur die Taktung, lange Wartezeiten und überfüllte Trams, sondern auch die Haltestellen, zum Beispiel Sitze, die durch ihr Gitter ein Profil am Po hinterlassen. Alles sehr unsexy halt.

Nahverkehr muss wie eine Mercedes-S-Klasse sein - finden die Jung-Designer

„Man muss den öffentlichen Nahverkehr wie die Mercedes-S-Klasse gestalten. Dann hat man Lust darauf“, sagt der 24 Jahre alte Mohamed. Mit ihren Kommilitonen befragten die beiden NVV-Kunden. Anschließend stellten sie anlässlich des Ausstellungsrundgangs der Kunsthochschule ein Dosentelefon an die sehr laute Haltestelle am Weinberg, damit man sich unterhalten kann.

Dazu gab es ein Kästchen mit blauen Ohrstöpseln, falls man irgendwann zu sehr genervt ist vom Autolärm auf der Frankfurter Straße. Auf ihre Plakate schrieben sie, dass sie mit einem „verbesserten Warteerlebnis“ für „weniger Auto- und mehr Tramverkehr“ sorgen wollen.

Für viele ist Tramfahren nicht attraktiv genug

Sehr lustig war das alles, aber bald auch wieder verschwunden – bis auf ein Plakat, das im Oktober vom NVV-Chef entdeckt wurde. Seinen Mitarbeitern werden Lüdtke und Mohamed nun erläutern, wie das Tramfahren so cool werden kann wie die S-Klasse von Mercedes. „In den Straßenbahnen sieht man fast nur Schüler und Studenten sowie Arme und Rentner. Es fehlen eine ganze Generation und die komplette Mittelschicht“, hat Lüdtke festgestellt.

Der 29-Jährige stammt aus der Nähe von Hamburg. Mohamed ist in Frankfurt aufgewachsen. In der Main-Metropole lernten sich beide kennen. Nun studieren sie in Kassel im siebten Semester, sind privat ein Paar und auch beruflich. Auf ihrer gemeinsamen Webseite amjl.de präsentieren sie Möbeldesign und Lichtinstellationen.

Zuletzt postete der angesagte US-Blog Design Milk bei Instagram ein Foto eines AMJL-Regals mit Beistelltisch, das sich in jedem New Yorker Loft gut machen würde. Es gab mehr als 6000 Likes. In dem Fall waren die Kasseler sehr froh, dass ihre Namen genannt wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.