Zwei Systeme

NVV testet Abbiegeassisten in Linienbussen: Technik soll Radler schützen

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Gefahr gebannt: Diese Radfahrerin im toten Winkel könnte der Busfahrer beim Abbiegen leicht übersehen. Neue technische Hilfsmittel sollen die Unfallgefahr bannen.

Die Linienbusse auf den Straßen in Kassel und Umgebung sollen sicherer werden. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) testet ab sofort Fahrzeuge mit technischen Abbiegeassistenten.

Die können zum Beispiel Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel erkennen und den Fahrer warnen. Zehn Busse der Hessischen Landesbahn (HLB) Hessenbus, die auf regionalen Linien in Kassel und dem Landkreis Kassel unterwegs sind, wurden für den Testlauf technisch nachgerüstet. Man erkennt sie unter anderem an den beiden kleine Kameras am hinteren Ende des Fahrzeugs.

Wenn sich die Technik bewährt, sollen bei künftigen Ausschreibungen für Buslinien Assistenzsysteme vorgeschrieben werden. „Im Moment testen wir zwei verschiedene Systeme“, sagt Projektleiter Olaf Rohde vom NVV. Auf Linien im Landkreis Waldeck/Frankenberg sind weitere zehn Busse mit der Ausstattung eines anderen Anbieters unterwegs. Wer sich im Endeffekt durchsetzen wird, soll nach Abschluss der ein- bis zweijährigen Testphase entschieden werden. Der NVV hätte damit bundesweit eine Vorreiterrolle inne. Bisher werden solche Systeme zwar von modernen Lkw und Reisebussen bereits genutzt, im Linienverkehr sind sie allerdings noch nicht verbreitet.

Beide Systemanbieter versprechen ein deutliches Plus an Sicherheit. Der NVV verweist auf Zahlen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und die Unfallforscher der Versicherer. Demnach könnten 60 Prozent der schweren Unfälle durch elektronische Abbiegeassistenten verhindert werden. Fachleute setzen sich dafür ein, dass der Gesetzgeber entsprechende Vorgaben macht.

Testlauf: Gestern präsentierte der NVV die ersten Busse mit Abbiegeassistenten.

Darauf will der NVV nicht warten. „Die Technik kann Leben retten und ist jetzt so ausgereift, dass wir in Zukunft darauf setzen werden“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Rausch. Vorher wolle man unter realen Bedingungen im Linienverkehr Erfahrungen sammeln, um die richtige Entscheidung für das richtige System treffen zu können.

Für den Test kommen zwei unterschiedliche Arten von Assistenten zum Einsatz, die jeweils mit Kameras arbeiten. Sie liefern Informationen aus dem sonst für den Fahrer nicht sichtbaren toten Winkel, warnen bei zu geringem Abstand vor einer Kollision und verhüten so Unfälle. Die Systeme können nachträglich installiert werden. Für den Testbetrieb investiert der NVV 40 000 Euro.

Von Thomas Siemon

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