Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) im Interview zur Kommunalpolitik der nächsten Jahre

OB Hilgen: „Wir brauchen das Lange Feld“

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Kassel. Bertram Hilgen bleibt für weitere sechs Jahre Oberbürgermeister in Kassel. Im Interview stand der Sozialdemokrat Rede und Antwort zur Kommunalpolitik der kommenden Jahre.

Herr Hilgen, was liegt bei Ihnen nach der gewonnenen Wahl an?

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Bertram Hilgen: Jetzt atme ich erst mal durch. Dann mache ich zwei Wochen Urlaub, mit dem Rucksack geht es zum Bergwandern in die Alpen. Da bekommt man den Kopf frei.

Und wenn der Kopf wieder frei ist - was ist Ihnen dann besonders wichtig?

Hilgen: Dann will ich die wirtschaftlich positive Entwicklung unserer Stadt verstärken. Mein Ziel sind 200 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen pro Jahr. Dazu brauchen wir das Lange Feld, weil es fast keine Gewerbeflächen mehr in der Stadt gibt. Außerdem müssen wir weiter in Bildung und Innovationen investieren - zum Beispiel in eine noch bessere Kita-Betreuung und in den neuen Wissenschafts-Park an der Uni Kassel, wo Wirtschaft und Wissenschaft zusammenkommen.

2010 flossen über 160 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Was wollen Sie mit den angestrebten Mehreinnahmen machen?

Hilgen: Arbeitslosen sowie Menschen, die Leistungen zum Lebensunterhalt erhalten, und besonders den Kindern die Teilhabe am Leben in unserer Stadt ermöglichen. Das Ziel ist aber auch, die Arbeitslosigkeit in Kassel weiter zu verringern. Wir wollen, dass die Quote einstellig wird.

Werden Sie als Oberbürgermeister auch weiter Kulturdezernent bleiben?

Hilgen: Ja. Und ich werde richtig Dampf machen beim Brüder-Grimm-Museum und auch beim Stadtmuseum. Zur documenta nächstes Jahr will ich dafür sorgen, dass 800 000 Besucher ein gutes Bild von Kassel mitnehmen. Kultur ist wichtig für eine attraktive Stadt - auch, um qualifizierte Arbeitskräfte nach Kassel zu holen.

Wird es in der künftigen Stadtverordnetenversammlung leichter oder schwieriger, Politik zu machen?

Hilgen: Da sehe ich keine qualitative Veränderung.

Die SPD hat allein keine Mehrheit. Setzen Sie weiter auf die Grünen oder auf wechselnde Mehrheiten?

Hilgen: Wir haben bisher mit den Grünen gut zusammengearbeitet, deshalb sprechen wir zuerst mit den Grünen.

Streben Sie eine feste Koalition mit den Grünen an?

Hilgen: Ich finde die bisherige lose Zusammenarbeit besser, weil jeder Partner eine größere Chance zur Profilbildung hat. In einer Koalition kann man nur zusammen abstimmen.

Die Grünen lehnen ein Gewerbegebiet Langes Feld ab. Die SPD hält es für unverzichtbar. Wie soll da eine Kooperation funktionieren?

Hilgen: Von den Grünen höre ich Skepsis, aber keine generelle Ablehnung. Das gibt mir ein Stück Hoffnung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Partei eine Vereinbarung unterzeichnet, in der steht: Es gibt kein Gewerbegebiet Langes Feld.

Wie soll es mit dem Salzmann-Gelände weitergehen?

Hilgen: Wir schauen, ob wir mit städtischen Büros das Projekt flottkriegen, damit das Industriedenkmal nicht weiter verfällt. Dabei liegt uns auch der Stadtteil Bettenhausen besonders am Herzen. Aber ein Verwaltungsstandort Salzmann muss vernünftig sein und sich rechnen.

Und die Eissporthalle?

Hilgen: Wenn es bei Salzmann klappt, werde ich Herrn Rossing an sein Versprechen erinnern, mit eigenem Geld und ohne öffentliche Zuwendungen die Eissporthalle umzubauen. Aber es wird kein Koppelgeschäft geben, wir bauen Büros bei Salzmann nicht um jeden Preis, sondern nur dann, wenn es sich für die Stadt lohnt.

Von Uli Hagemeier und Jörg Steinbach

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