Straßenbahn-Experte

Ob in echt oder Miniatur: Straßenbahnen sind seine Leidenschaft

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Ulrich Fröhberg aus Hofgeismar ist Straßenbahn-Fan und hat dem Stadtmuseum Kassel zwei Modelle geliehen.

Kassel. 1963 entdeckte Ulrich Fröhberg aus Hofgeismar seine große Leidenschaft, der er bis heute treu geblieben ist. Einige Stücke seiner Sammlung sind nun im Stadtmuseum zu sehen.

Straßenbahnen faszinieren den pensionierten Lehrer heute wie damals. Dem Stadtmuseum Kassel hat er für die aktuelle Sonderausstellung „Dein Stadtmuseum“ zwei selbstgebaute Bahn-Modelle sowie ein Diorama geliehen.

Der heute 67-Jährige wuchs in der Kasseler Opernstraße auf und besuchte die Albert-Schweitzer-Schule. Den Schulweg über die Friedrich-Ebert-Straße genoss er immer ganz besonders, denn dort konnte er die Trams aus nächster Nähe beobachten.

Die verschiedenen Wagentypen und -formen hatten es ihm angetan. Fröhberg kratzte regelmäßig die Reste seines Taschengeldes zusammen, um sich neue Filme für seine kleine Kamera zu kaufen. „Und dann habe ich fotografiert, was das Zeug hält“, erzählt er heute mit der Begeisterung eines Jungen. Heute hat er mehr als 8000 Bilder Kasseler Straßenbahnen. 

Große Züge und Dampfloks interessierten ihn weniger, die Bahnen im Straßenverkehr zu sehen war und ist bis heute seine Passion. Die Leidenschaft ging bald über die Ländergrenzen hinaus. Seine Großeltern lebten in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Das große, 13 Linien umfassende Netz beeindruckte ihn. 

Historische Aufnahme: Zu sehen ist ein Wagen vom Typ 221 der Linie E am Ständeplatz im Jahr 1977.

Als 16-Jähriger schrieb er Straßenbahn-Betriebe weltweit an: Indien, Japan, Australien, Ungarn und England, um nur einige Länder zu nennen. „Fast immer kam etwas zurück“, sagt er mit aufgeregter Stimme. Unvorstellbar aus heutiger Sicht. Aus Kalkutta bekam er Fahrkarten, aus Tokio und London Fahrpläne und Fotos.

Straßenbahnen sind für ihn alles andere als Museumsware: „Die Straßenbahn erlebt in den letzten 20 Jahren eine Renaissance. In ganz Europa gibt es hochmoderne Betriebe. Außerdem ist sie im Stadtverkehr viel ökologischer als Busse und bietet mehr Fahrkomfort“, erklärt er. 

Eine Straßenszene im Jahr 1958: Das Haus Nr. 16 in der Friedenstraße steht heute noch.

Ältere Bahnen seien immer noch interessanter, schränkt Fröhberg ein. „Heute sehen sie ja fast alle gleich aus.“ Deswegen hat er angefangen alte Bahnen aus Kassel nachzubauen. Bis auf die Radsätze fertigt er alles in Handarbeit. Sechs bis acht Wochen sitzt er an einem Modell: „Es ist viel Fummelei, aber es sieht ja auch gut aus.“

Im Stadtmuseum steht außerdem ein Diorama, was Fröhberg selbst gebaut hat. Dahinter steckt sogar eine romantische Geschichte: Das Modell bildet das Wohnhaus seiner Lebensgefährtin im Jahr 1958 in der Friedensstraße ab. Aus der Tür kommt ein kleines Mädchen: Es ist seine Lebensgefährtin Brigitte Kirschnick-Galuschka am Tag ihrer Einschulung im Jahr 1958. Zu ihrem 63. Geburtstag fertigte Fröhberg 2014 – natürlich in Handarbeit – das Modell der Straßenszene an.

Weiterführende Links:

Sonderausstellung im Stadtmuseum

Online-Archiv: Straßenbahnen in Kassel

RegioWiki: Straßenbahn in Kassel

RegioWiki: Kasseler Stadtmuseum

Buch:

Ulrich Fröhberg: Die Kasseler Straßenbahn, Sutton Verlag, 2013, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-95400-186-6.

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