OB-Kandidat Andreas Jürgens (Grüne) setzt auf Job-Motor Ökologie

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Dr. Andreas Jürgens auf der Karl-Branner-Brücke: Im Hintergrund ist die neue Bebauung der Unterneustadt zu sehen.

Kassel. Brücken zu bauen - im übertragenen Sinne - sei seine Stärke. „Ich lasse andere ausreden und bin ein überzeugter Team-Spieler“, sagt Dr. Andreas Jürgens über sich. Die Menschen mit ihren Argumenten ernst nehmen, gegebenenfalls die eigene Position überdenken, zusammenführen.

Das sei sein Führungsstil. „Ich bin kein Vertreter der Basta-Politik.“ Der 54-jährige promovierte Richter und Grünen-Landtagsabgeordnete kandidiert als einer von sechs Oberbürgermeisterkandidaten und sagt selbstbewusst: „Ich bin das gewisse Kontrastprogramm zu den anderen.“

Um einen Ort zu benennen, der symbolisch für sein politisches Selbstverständnis stehen könnte, muss Jürgens nicht lange nachdenken. Auf der Karl-Branner-Brücke soll der Termin stattfinden: Das Einen von Gegensätzlichem, das Bild der Verbindung, gefalle ihm: Hier die neue Unterneustadt, dort der alte Renthof, die lebendige Innenstadt. Ost und West. Die Brücke stehe außerdem für eine Stadt der kurzen Wege. „Wenn es nach den Grünen geht, soll auf Wesertor-Seite eine weitere Fußgängerbrücke entstehen.“ Das Leben am Fluss müsse gefördert werden.

Überhaupt hat Jürgens für Kassel große Pläne. Mit grünen Ideen will er schwarze Zahlen schreiben. Er spricht von den Job-Maschinen Umweltschutz, Kongresse und Kuren. Der Trend der boomenden Bereiche wie Umwelttechnologie, Gesundheits- und Kreativwirtschaft mache deutlich, wohin die Reise gehen muss. „Wir benötigen noch mehr Energieeffizienz in der Stadt“, sagt Jürgens. Dringlich sei die Sanierung des Altbaubestands. Für die lokale Wirtschaft im Bereich Forschung, industrielle Produktion und Handwerk rechnet er sich dadurch Schwung aus. Jürgens’ Lieblingsthema: umweltfreundliche Verkehrsmittel. Die müssten konkurrenzfähig gemacht werden, etwa indem mehr Radwege gebaut werden. Nicht umsonst ist Jürgens, der an der Glasknochenkrankheit erkrankt ist und im Rollstuhl sitzt, auf seinem Wahlplakat mit einer ins Bild ragenden Tram abgebildet.

Familienfreundlich

Beim Ausbau des Langen Felds zum Gewerbegebiet sei er „skeptisch“, sagt er. Besser sollte man über einen interkommunalen Gewerbeflächen-Pool nachdenken. Da könnten Standorte eruiert werden und trotzdem alle beteiligten Kommunen von der Gewerbesteuer profitieren. „Ich bin für eine Regionalreform“, sagt Jürgens: „Doppelte Ämter machen keinen Sinn.“

Überhaupt blickt Jürgens auf die Attraktivität Kassels als Standort- und Wirtschaftsfaktor. „Die Menschen müssten sagen: Hier möchte ich leben.“

Jürgens findet Kassel „großartig“ und ist häufig in der Stadt unterwegs. Er sei ein geselliger Mensch, der gerne lacht und - wenn er sich nicht der Politik widmet - ausgeht, für Freunde kocht, Doppelkopf spielt und Kinos besucht, kurzum: das Leben genießt. Auf die Frage, woraus er Kraft schöpft, antwortet er: „Ich mache so gut wie nichts, was mir nicht auch großen Spaß macht.“

Zur Person:

Andreas Jürgens ist 1956 mit einem Zwillingsbruder in Salzgitter geboren. Er engagierte sich schon früh politisch: zunächst für Behindertenorganisationen. Um ein Haar wäre er 1994 in den Bundestag gewählt worden, als er als Parteiloser für die Grünen in Nordrhein-Westfalen kandidierte. Später trat er den Grünen bei. Seit 1999 ist er im Vorstand der Kasseler Grünen, u. a. als Vorsitzender, seit 2003 Abgeordneter im Landtag. Jürgens, der in Marburg studiert hat, ist promovierter Jurist und alleinstehend. Von 1986 bis 2003 war er Richter am Amtsgericht Kassel. Von 2005 bis 2006 und seit 2008 ist Jürgens Kasseler Stadtverordneter. Neben seinen vielen Funktionen ist er Sprecher des „Forums behinderter Juristinnen und Juristen“, Vorstandsmitglied und Mitgründer der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher. (chr)

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