OB-Kandidat Bernd W. Häfner tritt für die Freien Wähler an

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Bernd W. Häfner vor der Salzmann-Fabrik in Bettenhausen: Für ihn ist das Scheitern sämtlicher Pläne für die Zukunft des hochrangigen Industriedenkmals auch ein Symbol der gescheiterten Chefsachen-Politik des amtierenden Kasseler Oberbürgermeisters.

Kassel. „Wir haben die Nase voll! Sie auch?“, steht auf den Päckchen mit den Papiertaschentüchern, die Bernd W. Häfner in diesen Tagen verteilt. Die Freien Wähler haben die Nase voll von der Politik der etablierten Parteien.

„Wir haben hier in Kassel schon jede denkbare Koalition erlebt“, sagt Häfner. Immer wieder zeige sich: „Parteipolitische Ideologie verhindert in der Kommunalpolitik die richtigen Entscheidungen.“

Der OB-Kandidat weiß, wovon er redet. Mehr als 30 Jahre war er für die CDU in der Kommunalpolitik aktiv, war stellvertretender Vorsitzender der Rathaus-Fraktion und hat oft genug die eigene, von der Parteilinie abweichende Meinung herunterschlucken müssen. Als er im CDU-internen Streit zwischen Dr. Jürgen Gehb und Christoph Holler selbst gemaßregelt wurde, war Schluss mit christdemokratisch. Häfner trat 2005 aus der CDU aus und künftig in der Gemeinschaft der Freien Wähler auf. 2006 wurde er erneut in die Kasseler Stadtverordnetenversammlung gewählt.

„Es ist so schade“, sagt Häfner beim Anblick der Salzmann-Fabrik in Bettenhausen. Dort hätte ein großartiges Stadtteil-Einkaufszentrum entstehen können, ist er überzeugt. Oder endlich eine Multifunktionshalle. Salzmann und ebenso die Arena sind für ihn „ein schönes Beispiel, wie Herr Hilgen in dieser Stadt regiert und was bei seiner Chefsachen-Politik herauskommt“.

Weil die Kaufleute in der Innenstadt Hilgens Wahl zum Kasseler Oberbürgermeister unterstützt hätten, würden die Stadtteile im Vergleich zur City immer mehr ins Hintertreffen geraten. Das gelte auch für die seit Jahren blockierte Erweiterung des dez-Einkaufszentrums in Niederzwehren: „Ein weiteres Beispiel, wie diese Stadt Chancen verschläft.“ Für die Innenstadt gebe es in der Stadtverwaltung eine City-Managerin, „aber keinen, der in den Stadtteilen etwas bewegt“.

Für die Salzmann-Fabrik gebe es bessere Alternativen als die Umwandlung in „ein Beamtensilo“, sagt Häfner. In Zusammenarbeit mit der GWG dringend benötigte Wohnungen für Studenten nahe am Uni-Standort Nordstadt zu schaffen, böte sich an. Auch gemeinsam mit SMA ließe sich auf dem Gelände an der Sandershäuser Straße etwas bewegen.

An der Sache orientierte Entscheidungen in der Kommunalpolitik sind sein Ziel. Beispiel für eine schlechte Entscheidung ist für ihn das neue Fahrradverleihsystem, das rot-grüner Ideologie geschuldet sei. „Das wird uns über Jahre richtig Geld kosten“, ahnt Häfner. Dabei hätten 87 Prozent aller Haushalte ein Fahrrad. Und die meisten Touristen kämen mit dem Auto nach Kassel. „Wer also soll die Leihräder nutzen?“, fragt Häfner. Im Hinblick auf den öffentlichen Nahverkehr sei es künftig wichtig, dass KVG und NVV „nicht bauen, was bezuschusst wird, sondern was wir brauchen“.

Zur Person:

Bernd W. Häfner (60) ist in Potsdam geboren. 1956 flüchtete die Familie aus der DDR nach Stadtallendorf und später nach Marburg. Häfner absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte anschließend Betriebswirtschaft an der Uni Kassel. Danach war der Diplom-Ökonom unter anderem Geschäftsführer der Kasseler CDU, Referent beim Bundesverband Junger Unternehmer in Bonn und Geschäftsführer des Deutschen Amateur Radio Clubs in Baunatal, von dem er sich 2005 im Streit trennte. Seither war er als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Inzwischen hat er sich zur Ruhe gesetzt, engagiert sich aber weiter als ehrenamtlicher Berater im Senior-Experten-Service. Er ist in zweiter Ehe verheiratet, hat keine Kinder und wohnt in Wolfs-anger. In Zierenberg hat er das Kunstprojekt Dorf-eigen-Art mitgegründet, das regelmäßig junge Kunst in alten Häusern zeigt. Sein weiteres großes Hobby ist das Reisen. (ach)

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