OB-Kandidat Kai Boeddinghaus kandidiert für die Linken

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Kann den Bus auch fahren: Kai Boeddinghaus tritt für die Linken als OB-Kandidat an. Als Mitgründer des alternativen Reiseanbieters Wilde 13 hat er den Busführerschein gemacht. 

Kassel. Kai Boeddinghaus (51), Kandidat der Linken für die Oberbürgermeister-Direktwahl, hat sich hinter das Steuer eines blauen Linienbusses gesetzt. Für ihn ist das ein Symbol dafür, dass öffentliches Eigentum gestärkt werden muss.

Dass Unternehmen wie die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) oder auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG anders sein sollten als private. Dem Allgemeinwohl verpflichtet, mit vernünftigen Arbeitsbedingungen und entsprechenden Löhnen. Außerdem will er deutlich machen, dass die Forderung nach einem Sozialticket nach wie vor aktuell ist. Mobilität bedeute Teilhabe am gesellschaftlichen Leben statt Ausgrenzung.

Der Bus steht aber auch für die Privatperson Kai Boeddinghaus. Er hat seit vielen Jahren einen Busführerschein. Vor Kurzem hat er einen von vier Bussen von Kassel nach Dresden zur Demo gegen den dortigen Aufmarsch der Rechtsradikalen gesteuert. Aufgewachsen ist Boeddinghaus zusammen mit vier Geschwistern in Düsseldorf. Der Vater war Pfarrer, die Mutter ist schon sehr früh gestorben. Boeddinghaus hat nach dem Abitur einige Semester Theologie und Soziologie studiert. Mit seiner damaligen Freundin, die an der GhK studierte, ging er nach Kassel. Politisch engagierte er sich in Bürgerinitiativen. Er kandidiert zwar für die Linken, ist aber kein Parteimitglied.

Als Taxifahrer unterwegs

Einen Berufsabschluss hat er nie gemacht, dafür fast alle Führerscheine, die man sich vorstellen kann. Boeddinghaus war Gabelstaplerfahrer bei Mercedes und arbeitete mehrere Jahre als Taxifahrer. „In der Nachtschicht lernt man die Menschen und auch die Stadt kennen“, sagt er. Die Wartezeiten am Taxistand vom Brückenhof habe er verflucht, aber auch viel mitbekommen. Auch bei Touren mit dem Lkw nach Italien verdiente er sich Geld. Als junger Vater gründete er die Eltern-Kind-Reise GmbH und baute später ein eigenes Reisebüro an der Friedrich-Ebert-Straße auf. Boeddinghaus war eine treibende Kraft für den Kindergarten Rasselbande, den benachbarten Hort und die Freie Schule auf der Marbachshöhe.

Schon damals ging er keinem Konflikt mit der Verwaltung und keiner noch so zeitintensiven Diskussion aus dem Weg. Das hat sich nicht geändert. Ganz im Gegenteil. In der Politik verbeißt er sich regelrecht in Themen. Der Streit um die Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger gipfelte in Anzeigen gegen den zuständigen Dezernenten und den Amtsleiter.

Auch mit der Industrie- und Handelskammer hat er sich angelegt. Aus dem Protest gegen die Zwangsmitgliedschaft ist mittlerweile ein Hauptberuf geworden. Kai Boeddinghaus ist Geschäftsführer des Unternehmerverbandes gegen den Kammerzwang.

Zur Person:

Kai Boeddinghaus (51) wurde in Wesel am Niederrhein geboren und ist in Düsseldorf aufgewachsen. Er hat vier Geschwister, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Abitur studierte er einige Semester Theologie und Soziologie.

Er hat als Taxi-, Bus-, Lkw- und Gabelstaplerfahrer gearbeitet. Einen Berufsabschluss hat er nicht. Kai Boeddinghaus war einer der Gründer des alternativen Reiseveranstalters Wilde 13 und hat viele Jahre Eltern-Kind-Reisen organisiert und betreut. Das von ihm aufgebaute Reisebüro an der Friedrich-Ebert-Straße hat er vor zwei Jahren abgegeben. Seitdem ist er Geschäftsführer des Unternehmerverbandes gegen den Kammerzwang mit Sitz in Kassel. Nach mehreren Jahren auf der Marbachshöhe lebt er heute mit seiner Familie im Vorderen Westen. Für die Kasseler Linke sitzt Boeddinghaus in der Stadtverordnetenversammlung. Er trinkt gern italienischen Kaffee, aber keinen Alkohol. (tos)

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