So präsentieren sich die Bewerber im Netz

OB-Wahl in Kassel: Die Facebook-Seiten der Kandidaten im Check

Die sechs Kandidaten: Christian Geselle (SPD, oben von links) Dominique Kalb (CDU) und Eva Koch (Grüne) sowie unten von links: Murat Cakir (Linke), Bernd Hoppe (Freie Wähler) und Matthias Spindler (Die Partei).

Kassel. Der OB-Wahlkampf spielt sich auch im Internet ab. Wir haben uns angeschaut, wie sich die sechs Kandidaten auf ihren Facebook-Seiten präsentieren.

Facebook ist längst nicht mehr nur dafür da, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, sondern ist zu einem der mächtigsten Online-Beeinflusser geworden. Wer sich heute bekannt machen will, kommt um das soziale Netzwerk nicht herum. Hier ist die ideale Plattform, um sich selbst zu vermarkten, bekannt zu machen und Sympathien zu gewinnen. So auch bei den Oberbürgermeister-Kandidaten in Kassel. Oder so sollte es zumindest sein.

HNA-Mitarbeiter und Kassel-Live-Reporter Joséphine Hein (23) und Jan Wendt (28) haben sich, nachdem sie sich die Websites der Kandidaten angeschaut haben, die Facebook-Auftritte vorgenommen. Wie regelmäßig gibt es neue Posts? Wie ist das Verhältnis von privaten und politischen Inhalten? Und werden die Facebook-gerecht (kurz und verlockend) dargestellt? An diesen Fragen haben sich die beiden Tester orientiert.

Kritischer Blick auf die Präsentation der OB-Kandidaten im Netz: Joséphine Hein und Jan Wendt schauten sich deren Facebook-Seiten an.

Bei den Kasseler Kandidaten gibt es sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Facebook. Während der eine Kandidaten private Fotos postet, gibt es auf der nächsten Seite nur Wahlkampfinhalte. Und auch die Frequenz der Posts variiert von täglich (Dominique Kalb) bis zu gelegentlich (Christian Geselle) stark.

Bis auf Eva Koch von den Grünen haben alle OB-Anwärter eine offizielle Facebook-Seite zur Wahl. Eva Koch hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat ihr privates Facebook-Profil für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und postet hier zusätzlich ihren Wahlkampf. Das ist ganz okay, aber sie schöpft damit längst nicht die Möglichkeiten des Mediums aus.

In Deutschland nutzen rund 28 Millionen Menschen Facebeook. Guckt man sich die Likes (Gefällt mir-Angaben) der Kandidaten an, sieht man, dass der Kasseler Wahlkampf nicht auf Facebook geführt wird. 3627 Nutzer haben insgesamt eine der sechs Kandidaten Seiten geliked. An der Spitze liegt Geselle mit 2246 Likes. 

Daumen hoch:

Christian Geselle (SPD): Bunt und persönlich

Abwechslungsreich und sympathisch erfährt man Politisches und Privates. Der Facebook-immanente Voyeurismus wird bedient (Foto vom Opa, privater Weihnachtsbaum). Kommunikativ tritt Geselle mit einer Menge Menschen und Institutionen in Kontakt, auch solchen, die Jüngeren etwas sagen, wie die Clubs und Kneipen. Im Schnitt gibt es nur alle paar Tage einen Post. Das ist zu wenig. Likes: 2246 (Stand: Sonntag)

Dominique Kalb (CDU): Fokus auf Inhalte

Hier wird gezielt professioneller Wahlkamf betrieben: Wahlkampfsprüche mit Kalbs politischen Zielen, Parteikollegen und eigens für den Facebook-Auftritt gedrehte Videos. Er ist jeden Tag auf Facebook aktiv. Das ist angemessen. Manko: Hier fehlt Abwechslung. Die Wahlposter informieren zwar, sind aber eintönig. Er könnte mehr aus seinem Privatleben verraten, um Distanz zu Wählern abzubauen. Likes: 318 (Stand: Sonntag)

Mittelmäßig:

Eva Koch (Grüne): Wenig Inhalte

Die Kandidatin der Grünen nutzt als einzige ihr privates Profil für den Wahlkampf. Das funktioniert zwar, ist aber ungewöhnlich und wirkt unprofessionell. So entsteht vermeintlich mehr Nähe zum Wähler, denn der erhält Einblicke in ihre persönlichen Gefällt-mir-Angaben. Bevorzugtes Motiv sind Fotos vom Wahlkampf und Infoständen. Inhalte kommen aber zu kurz. Insgesamt fehlt ein roter Faden. Keine Likes, da private Seite.

Murat Cakir (Linke): Viel Partei, wenig Person

Murat Cakir ist regelmäßig auf Facebook aktiv. Der Kandidat verschickt auch mal drei bis vier Posts täglich. Die Themen sind politisch vielfältig und werden mediengerecht mit vielen Links und Videos präsentiert. Die Parteipolitik steht aber ganz klar im Fokus. Mit Privatem hält er sich bedeckt. Das fehlt und macht seine Posts etwas einseitig. Dadurch werden Chancen, Sympathie zu sammeln, vergeben. Likes: 599 (Stand: Sonntag).

Matthias Spindler (Die Partei): Gags ohne Resonaz

Der junge Satire-Politiker ist auf Facebook aktiv. Seine Gags präsentiert er kurz und knackig mit Fotos. So gewinnt er Aufmerksamkeit. Über ihn als Privatperson erfährt man nichts. Spindler ist ein Spaßpolitiker. Naturgemäß gibt es keine vertiefenden Inhalte. Sein Schwerpunkt liegt auf Frotzeleien an anderen Politikern. Mit Begriffen wie „Grünfaschismus“ vergreift er sich aber deutlich im Ton. Likes: 347 (Stand: Sonntag)

Daumen runter:

Bernd Hoppe (Freie Wähler): An Facebook vorbei

Alle paar Tage gibt es einen Post. Größtenteils sind das Blogeinträge mit Verlinkung zu seiner eigenen Website. Auf kurze Erläuterung, worum es in dem geteilten Beitrag geht, verzichtet der Politiker. Genauso wie auf viele Bilder. Unter Infos findet man nur seinen Namen und seine Website. Am meisten enttäuscht, dass Hoppe wenig über seine konkrete politische Arbeit berichtet. Ein schwacher Auftritt. Likes: 117 (Stand: Sonntag)

Das Fazit unserer Autoren:

Das Fazit von Joséphine Hein: Die Umsetzung ist langweilig

Mit Facebook kann man gut und bequem junge Wähler erreichen (auch wenn das Medium schon längst von der Elterngeneration übernommen worden ist). Im Gegensatz zu Websites folgt Facebook einem festen Muster aus Text und Medien. Bequemer geht es nicht. Inhalte sollen leicht verdaulich und in sympathischer Weise regelmäßig verbreitet werden. Dabei besteht hier die Chance, mit der eigenen Person zu punkten. An den Nutzerzahlen in Kassel sieht man jedoch, dass noch nicht besonders viele potenzielle Wähler erreicht werden. Das soziale Netzwerk wird von den OB-Kandidaten zwar bedient, aber die Erträge sind mau. Das liegt zum Großteil sicherlich auch daran, dass die Umsetzung oft langweilig ist. Joséphine Hein.

Das Fazit von Jan Wendt: Drei Sätze und ein Link

Ein Bild, drei Sätze und eine Verlinkung: So bauen die meisten Berufspolitiker Facebook-Posts auf. Sie haben verstanden, dass soziale Medien einem Zweck dienen: Aufmerksamkeit erhaschen. Um Vertiefung geht es nicht. Das kommt später. In Kassel ist das nicht überall angekommen. Das Internet nicht gleich Internet ist, und eigene Websites nicht dem Auftritt bei Facebook gleichen sollten, hat nicht jeder verstanden: siehe Dr. Bernd Hoppe. Junge Wähler erreicht man nicht, indem man nur Links der eigenen Website bei Facebook postet. Das wirkt lieblos und unkreativ - und das merken die Jugendlichen schnell. Spaß an Politik und deren Vermittlung sieht anders aus. Und Posts sind ein wichtiges Mittel, um jungen Wählern den Politikalltag näherzubringen.

Alles rund um die OB-Wahl gibt es hier.

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