Wahl am 5. März: Kandidaten im Porträt

Oberbürgermeisterkandidat Bernd Hoppe: Politik ohne Parteibuch

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Im Stadtteil Harleshausen wohnt er, in Kirchditmold arbeitet er: OB-Kandidat Dr. Bernd Hoppe (Freie Wähler) vor der Evangelischen Kirche in Kirchditmold. In der Nähe befindet sich seine Rechtsanwaltskanzlei.

Kassel. Ob in der Politik oder vor Gericht: „Ich verhandele gern“, sagt Dr. Bernd Hoppe. Er könne das auch relativ gut, meint der 56-Jährige. Am 5. März will er Oberbürgermeister werden.

Als Rechtsanwalt sind Erb-, Bau- und Mietrecht seine Spezialgebiete. Als Vorsitzender einer kleineren Stadtverordnetenfraktion und Freien Wählergemeinschaft hat er sich darauf spezialisiert, mit immer neuen Initiativen auf sich aufmerksam zu machen.

Hoppe ist der Oberbürgermeister-Kandidat, der eigentlich gar keinen Wahlkampf braucht. Er sorgt auch so für Schlagzeilen, wenn er Unterschriften gegen die Trams in der Königsstraße sammelt oder Rot-Grün mal wieder mit den drei Sitzen der Freien Wähler und Piraten eine neue Mehrheit in Aussicht stellt.

Zur OB-Wahl rückt Kandidat Hoppe die Forderung nach einer Politik ohne Parteibuch in den Mittelpunkt. Der Stillstand durch die Blockade der Parteien müsse dringend überwunden werden. Er trete an, damit sich etwas ändere in Kassel. Ein neuer OB müsse die Kräfte bündeln und die Entscheidungen zu KVG-Liniennetzreform, Parkgebühren oder Schulsanierungen herbeiführen, betont er.

Ohne (SPD-)Parteibuch gehe es ihm besser, sagt Hoppe. Seit 2016 steht er der Fraktion und der Freien Wählergemeinschaft vor, die sich nicht als Partei verstehe. Er fühle sich dort gut aufgehoben. Man entscheide in der Sache, nicht nach Fraktionszwang. Hoppe kritisiert die Stadtvillen, den Kassel Airport und die Versiegelung des Langen Feldes für das neue Gewerbegebiet. Er fordert, dass die Stadt selbst bezahlbaren Wohnraum schafft sowie die Straßenbahnstrecke nach Rothenditmold/Harleshausen und die Herkulesbahn gebaut werden.

Nicht über die Köpfe hinweg

Hoppe will eine stärkere un direktere Bürgerbeteiligung. Wichtige Entscheidungen – etwa zur Bewerbung Kassels als europäische Kulturhauptstadt 2025 – dürften nicht mehr über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen werden. Der 56-Jährige trägt stets roten Schlips, weißes Hemd und schwarzen Anzug. In die politische Farbenlehre lässt er sich schwer einordnen. „Ich bin ein bürgerlicher Kandidat“, sagt er zur Frage, wo er sich selbst in Kassels Politik-Landschaft und unter den OB-Kandidaten sieht.

Zur Kommunalwahl 2016 forderte der Spitzenkandidat der Freien Wähler kostenfreie Kindergartenplätze. Zur OB-Wahl 2017 wartet er mit der Forderung nach einem kostenfreien ÖPNV-Angebot für alle in Kassel auf. Zur Umsetzung schlägt er ein Modellprojekt mit dem Land Hessen vor.

Jüngst hatte Hoppe mit seinen Offerten an SPD und Grüne, zum Beispiel für den Haushalt, die KVG-Reform und die Wiederwahl von Stadtbaurat Nolda zu einer Mehrheit zu verhelfen, keinen Erfolg. Ihm hängt seine sozialdemokratische Vergangenheit nach. Die SPD will mit ihm nicht. Nicht einmal verhandeln. Doch Hoppe wäre nicht Hoppe, wenn ihm da nicht bald schon etwas Neues einfallen würde.

Wahlziel des Kandidaten: zunächst einmal in die Stichwahl kommen.

Zur Person

Bernd Hoppe (56) wurde 1960 in Kassel geboren und machte Abitur an der Heinrich-Schütz-Schule. Nach einer Banklehre studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Hamburg, Göttingen und Gießen und promovierte mit einer Doktorarbeit über Kabinette in der Weimarer Republik. Seit 1997 ist er als Rechtsanwalt tätig. Er ist Lehrbeauftragter an der Hessischen Verwaltungsfachhochschule und der Uni Kassel. Seit 2001 ist Hoppe Stadtverordneter, zunächst in der SPD-Fraktion, und war von 2005 bis 2009 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks. 

Seit 2016 ist er Vorsitzender der Freien Wähler in Kassel und Chef der Fraktion Freie Wähler und Piraten. Hoppe führt eine Kanzlei in Kirchditmold und wohnt in Harleshausen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder. In der Freizeit tanzt er gern mit seiner Frau.

Lesen Sie dazu die Porträts der anderen Kandidaten

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