Wahl am 5. März: Kandidaten im Porträt

Oberbürgermeisterkandidat Christian Geselle: „Nicht Hilgens Kronprinz“

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Rückzugsort: Christian Geselle im Wohnzimmer seines Einfamilienhauses. Die Schalke-Tasse wollte er beim Fototermin auf dem Frühstückstisch stehen lassen. Er stehe zu seinem Verein, aber sei als Lokalpatriot genauso Anhänger von KSV und Huskies.

Kassel. Für die SPD geht Christian Geselle ins Rennen bei der OB-Wahl am 5. März. Beim Duplo-Spielen mit seiner fünfjährigen Tochter kam ihm die Idee für seinen Wahlkampf.

Der 40-jährige SPD-Oberbürgermeisterkandidat war von seinem Nachwuchs gefragt worden, was er machen wolle, wenn er Oberbürgermeister von Kassel werde. „Den Menschen für ein gutes Zuhause sorgen“, habe er geantwortet. So entstand sein Wahlkampfspruch „Einer aus Kassel – für das beste Zuhause in Kassel“.

Dass sein Werben um Stimmen trotz guter Chancen kein Kinderspiel werden würde, das wusste er von Anfang an. „Ich habe aktuell 14-Stunden-Arbeitstage. Ich führe ein Dezernat und mache Wahlkampf. Wenn man beides ernst nimmt, muss man diesen Einsatz bringen“, sagt der gebürtige Kasseler. Für seine Familie, zu der neben der Tochter eine Frau und ein Sohn gehören, bleibe derzeit leider nicht so viel Zeit, wie ihm lieb wäre. „Aber ich trage nicht nur Verantwortung für eine Familie, sondern auch für eine Stadt mit 200 000 Einwohnern.“

Geselle ist mit der Sozialdemokratie aufgewachsen. Mit seinem Großvater ist er als Kind durch Niederzwehren gezogen und hat Infoblätter für die Partei verteilt.

Als Polizist auf Streife

Bevor er 2015 hauptberuflich als Kämmerer in die Stadtverwaltung wechselte, war er als Jurist für das Land Hessen tätig. Davor war er zehn Jahre als Polizist in Frankfurt mit den Nöten und Abgründen der Menschen konfrontiert. Diesen direkten Kontakt zu den Menschen wolle er auch halten, wenn er Oberbürgermeister ist. Bei seinen Haustürbesuchen im Wahlkampf stelle er fest, dass vor allem das Thema Sicherheit viele Kasseler bewege. „Da will ich nichts aus ideologischen Gründen unter den Teppich kehren.“

Als Polizist habe er sich ein „dickes Fell“ zugelegt, das er auch in seiner neuen Rolle im Rathaus brauchen könne. Gegenwind und Kritik müsse er in dieser Position aushalten können. Auch als Schalke-Fan ist er Widerspruch gewohnt. „Ich stehe zu meinem Verein, bin aber genauso KSV-Mitglied und Huskies-Fan.“ Die Familie sei ein wichtiger Rückzugsort. „Da werde ich geerdet.“

Auf seiner politischen Agenda stehen viele Dinge: Den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt weiter fördern, die Kita-Plätze ausbauen und bezahlbaren Wohnraum schaffen sind nur einige Ziele. Auf die Frage, wie er dies mit den aktuell unklaren Mehrheitsverhältnissen in der Stadtverordnetenversammlung schaffen wolle, gibt er sich optimistisch. „Wenn der Wahlkampf vorbei ist, wird eine konstruktive Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen einfacher.“ Geselle präferiert eine Ampel-Koalition oder die große Koalition. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er aus, auch mit der Linken sieht er keine Schnittmengen.

Über sein Verhältnis zu Amtsinhaber Bertram Hilgen sagt er: „Wir schätzen uns, aber ich bin nicht Hilgens Kronprinz. Ich bin ein anderer Mensch und habe meinen eigenen Stil.“

Wahlziel des Kandidaten: „Ich möchte Oberbürgermeister von Kassel werden. Zu Prozenten äußere ich mich nicht.“

Zur Person

Christian Geselle (40) ist gebürtiger Kasseler und wuchs in Niederzwehren auf. Nach dem Besuch des Kasseler Wilhelmsgymnasiums wurde er Polizeibeamter. Von 1995 bis 2005 war in Frankfurt bei der Polizei im Einsatz. Parallel dazu begann er ein Jura-Studium in Göttingen. Bis zur Wahl zum Kämmerer der Stadt Kassel im Mai 2015 war als Jurist beim Land Hessen beschäftigt. Geselle lebt mit seiner Ehefrau, Sohn und Tochter in Niederzwehren. In seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio, zum Joggen oder spielt mit den Stavo-Kickern Fußball.

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