Wahl am 5. März: Kandidaten im Porträt

Oberbürgermeisterkandidat Matthias Spindler: Die Freiheit nimmt er sich

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Auf der Treppe vor dem Kasseler Rathaus: Satire-Kandidat Matthias Spindler (Die Partei) geht fest davon aus, dass er hier ab Sommer im Oberbürgermeister-Chefsessel sitzen wird. 

Kassel. Aus den Slogan seiner Mitbewerber hat Satire-Kandidat Matthias Spindler seinen Wahlkampfspruch formuliert: Mit dem Motto "Aus Liebe zu Hause" tritt er für "Die Partei" an.

Aus „Kassel – das beste Zuhause (Christian Geselle/SPD)“ und „Aus Liebe zu Kassel (Dominique Kalb/CDU)“ hat der 25-Jährige zu „Aus Liebe zu Hause!“ gemacht. Er präsentiert sich dazu mit Bierflasche und Fernbedienung lässig auf dem Sofa liegend.

Der selbst ernannte „Turbopolitiker“ tritt als Oberbürgermeister-Kandidat für die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen (Die Partei) an. Gern greift er Forderungen der Konkurrenz auf. Die von Kalb vorgeschlagene „Brötchentaste“ zum kostenfreien Kurzparken wird bei dem Satiriker zur Kaffee- und Kuchentaste plus Extra-Schlagsahne-Taste. Statt Alkoholverbotszonen will er Alkoholgebotszonen, in denen sich Kassels Innenstadt „schönsaufen“ lässt. Den SPD-Bewerber ruft er zum Wettkampf um das bessere Wortspiel auf. Dem „Gesellige Feiertage“ von Geselle setzt Spindler den „Guten Rutsch auf Spindlers Piste“ entgegen.

Matthias Spindler nimmt sich die Freiheit. Man kann über den Sonderfall dieser Oberbürgermeisterwahl den Kopf schütteln. Aber ihm ist mit Kriterien wie Ernsthaftigkeit und Seriosität, die sonst für Kandidaten gelten, wenig beizukommen. Spindler versteht seine Bewerbung als Satire-Akt. So sollte man ihn auch eher als Künstler und weniger als Politiker begreifen.

Hanebüchene Forderungen

Spindlers Forderungen sind hanebüchen: Er will zum Beispiel Tempo 130 auf dem Innenstadtring, öffentliche Waschbär-Kämpfe, ICE-Züge in der Königsstraße und tägliches Zissel-Feiern. Im Streit um die Karl-Branner-Brücke plädiert er für die Umbenennung in „Martin-Sonneborn-Brücke“. Sonneborn ist Chef von Die Partei, Ex-Chef des Satire-Magazins Titanic und EU-Abgeordneter. Vor allem ist er Spindlers politisches Vorbild.

In den Diskussionsrunden zur OB-Wahl habe er sich gut geschlagen. In der Universität freuten sich seine Kommilitonen bereits, dass sie den neuen Oberbürgermeister kennen und mit Posten bedacht würden, sagt Spindler.

Er halte seine Wahlversprechen schon vor der Wahl und lade für 4. März zu der ersten Kasseler Racoon-Fight-Night ein. Nein, da würden keine echten Waschbären gegeneinander antreten. Schauspieler würden nur so tun als ob, verrät Spindler. Eigentlich will der Kandidat nur spielen.

Wahlziel des Kandidaten: 100 Prozent plus x.

Zur Person

Matthias Spindler(25) wurde im bayerischen Augsburg geboren und wuchs dort auch auf. Im Jahr 2011 kam er zum Studium für Stadtplanung an die Universität Kassel und ist inzwischen im elften Semester. Der 25-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender von Die Partei in Kassel. 

Die Kandidatur zur Oberbürgermeisterwahl ist seine erste für ein politisches Amt. Die 142 benötigten Unterschriften für die Bewerbung bekam er nach eigenen Angaben ohne Probleme zusammen. Matthias Spindler wohnt im Stadtteil Bettenhausen und organisiert Veranstaltungen im Raum für urbane Experimente (RuE), also in Kasseler Unterführungen. 

Lesen Sie dazu die Porträts der anderen Kandidaten

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