Wahl am 5. März: Kandidaten im Porträt

Oberbürgermeisterkandidat Murat Cakir: Für ein sozialeres Kassel

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Entspannt im grünen Lieblingssessel: Murat Cakir, OB-Kandidat der Linken, in seinem Arbeitszimmer. Seine Frau dürfe den Raum nicht mehr betreten, sagt Cakir schmunzelnd. „Sie war einmal drin, und danach habe ich nichts mehr wiedergefunden.“

Kassel. Deutsch, Türkisch und Russisch: Erstmals bei einer OB-Wahl in Kassel präsentiert sich ein Kandidat mehrsprachig. Murat Cakir geht für die Die Linke ins Rennen.

Bewusst investiert Murat Cakir dabei so manchen Cent seines 5000 Euro starken Wahlkampfetats in Personengruppen, die ihn am 5. März gar nicht wählen dürfen. „Ich verstehe die mehrsprachigen Plakate und Flyer auch eher als symbolischen Akt und als ein Zeichen des Respekts“, sagt der OB-Kandidat der Kasseler Linken.

Der 56-jährige lebt mit Ehefrau Nesrin im Vorderen Westen. Neben ihrer Eigentumswohnung lebt seine Mutter. Im Haus gegenüber wohnen seine Schwiegereltern. „Kassel ist unsere Heimatstadt. Wir fühlen uns wohl hier.“

Doch nicht allen Menschen gehe es so gut wie ihnen. Viele seien an den Rand gedrängt. Ihn treibe soziale Gerechtigkeit an. Alle Bewohner der Stadt sollten am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben. „Ich will für alle Stadtteile möglichst gleiche Bedingungen.“ Auch „gute“ Stadtteile sollten ihre soziale Durchmischung behalten. „Das macht doch den Vorderen Westen aus“, ist der Stiftungsgeschäftsführer überzeugt.

In der Türkei geboren, besitzt Cakir seit 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft. Hier in seinem Wohnzimmer strahlt er eine heimelige Zufriedenheit aus. Doch schlägt der Kandidat, der sich als Marxisten und Internationalisten bezeichnet, rasch systemkritischere Töne an. Er spricht von Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Und von einer anderen Gesellschaft, die ihm vorschwebe. Die Menschen müssten mitgenommen, nicht weiter abgehängt werden. „Man darf nicht immer nur danach schielen, schwarze Zahlen zu schreiben.“

Kontakte nutzen

Cakir tritt bei dieser OB-Wahl erstmals für ein öffentliches Amt an. Er wolle die politische Erfahrung und seine Lebenserfahrung weitergeben, sehe sich in der Rolle eines Brückenbauers. Als Oberbürgermeister möchte er Vertrauensperson für alle Bürger sein und seine vielfältigen Kontakte nutzen – zu sozialen Bewegungen, aber auch zu Sozialdemokraten. „Es gibt in Kassel eine Mehrheit für eine sozialere Politik. Mit mir hätten SPD und Grüne jemanden, der sich für eine soziale Politik einsetzen will und auch eine Mehrheit herstellen kann.“

Sein Wahlkampf habe da bereits Wirkung gezeigt, glaubt Cakir. Seine Forderungen – etwa nach bezahlbarem Wohnraum – hätten einige Mitbewerber übernommen. Und sein Versprechen stehe, dass er als neuer OB jenen Teil des Gehalts, der sein derzeitiges Entgelt (rund 3500 Euro netto) übersteigt, für soziale Zwecke spenden wird.

Gerade noch kämpferisch, gibt sich Cakir gleich wieder entspannt. Nach schwerer Operation lebe und denke er seit 2008 anders als zuvor. „Politik ist wichtig, aber nicht alles im Leben.“ Auch nach einer heftigen Auseinandersetzung müsse man noch ein Bier zusammen trinken können. Das tut Cakir tatsächlich gern. Zu einem guten Essen ist ihm aber Wein oder Raki lieber.

Wahlziel des Kandidaten: zehn Prozent plus x.

Zur Person

Murat Cakirwurde am 21. Juni 1960 im türkischen Istanbul geboren. 1970 kam er nach Deutschland, hat seit 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt seit inzwischen 46 Jahren in Kassel. Der 56-jährige Dolmetscher und Übersetzer ist Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg Stiftung Hessen (Frankfurt) tätig. 

Er war zwölf Jahre im Ausländerbeirat Kassel, Vorsitzender der Ausländerbeiräte Hessen, Bundesvorsitzender der Förderation der Immigrantenvereine GDF und Mitglied in der Versammlung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR). Der Oberbürgermeister-Kandidat der Kasseler Linken ist mit Friseurmeisterin Nesrin Cakir verheiratet. Sie wohnen im Vorderen Westen. Cakir schreibt, liest und kocht gern und ist Fan des FC Bosporus Kassel.

Lesen Sie dazu die Porträts der anderen Kandidaten

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