Wahl am 5. März: Kandidaten im Porträt

Oberbürgermeisterkandidatin Eva Koch: Keine Angst vor Baustellen

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Gern in ihrem Stadtteil unterwegs: Eva Koch, OB-Kandidatin der Kasseler Grünen, vor den Kinderhort-, Kita- und Schulgebäuden in Jungfernkopf. Sie freut sich, dass auch hier bald ein Ganztagsschulangebot eingerichtet werden soll.

Kassel. Mit Baustellen kennt sich die Bauingenieurin aus. Als Selbstständige ist es Eva Koch gewöhnt, Entscheidungen zu treffen. Sie will für Kassel Verantwortung übernehmen.

Unter den sechs Bewerbern für die Wahl am 5. März ist Eva Koch die einzige Frau. Schonung erwarte sie deshalb nicht. Geschont werden wolle sie auch nicht. Doch lebe Kommunalpolitik von Kompromissbereitschaft. Darum trete sie für einen anderen Politikstil ein. „Ich stehe für Kooperation statt Konfrontation.“

Dass sie eine Frau ist, spielte auch bei der Entscheidung eine Rolle, sich zu bewerben. Als sich abgezeichnet habe, dass bei der Wahl nur Plakate männlicher Kandidaten hängen würden, habe ihr das den letzten Impuls für die eigene Kandidatur gegeben. „Was wäre damit auch für ein Bild vermittelt worden, vor allem jungen Frauen?“ fragt Koch. Und meint: „Nur Männer als Kandidaten – das passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

Nun klebt auch ihr Konterfei im Stadtgebiet. Zwar war Eva Koch schon Grünen-Spitzenkandidatin zur Kommunalwahl 2016. Die OB-Kandidatur sei aber noch etwas anderes. Die Direktwahl sei eine Personenwahl. Hier könne sie mit Themen punkten, die mit ihrer Person und Lebenserfahrung verbunden seien. Ein gutes Beispiel dafür sei die von vielen postulierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie wisse, wovon gesprochen werde. Mit ihrer Tochter habe sie das von der Unter-Dreijährigen-Betreuung bis zur weiterführenden Schule durch. Ein weiteres Beispiel seien Unternehmensgründungen. Sie habe sich 1997 selbstständig gemacht, sei damit bis heute sehr zufrieden. Es müsse Angebote für die vielfältigen Lebensentwürfe der Menschen geben, um Zeit für die Familie zu haben und sich im Beruf engagieren zu können.

Wenig Kontroverses

Die Finanzen stimmen. Die wirtschaftliche Lage ist gut, die Stadt im Aufwind: Da mangele es im OB-Wahlkampf an kontroversen Themen. Deshalb erlaubt sich die 54-Jährige in diesen Tagen mehr Konfrontation, als man vor ihr gewöhnt ist, auch gegenüber ihren Mitbewerbern. Koch: „Wer Geselle wählt, wählt die Große Koalition mit Verkehrsdezernent Kalb. Wer Rot-Grün will, der muss mich wählen.“

Für eine neue Mehrheit in Kassel müsse sich die SPD endlich sortieren. Punktuell könne man auch mit der Linken zusammenarbeiten, etwa bei der KVG-Liniennetzreform. Die Kandidatin, die kein Auto hat, sich bei Bedarf eines leiht (Car-Sharing) und am liebsten Fahrrad fährt, hat sich bisher als einziger OB-Bewerber für die umstrittenen Pläne für Busse und Bahnen ausgesprochen. Für sie ist die KVG-Reform eine der Baustellen, die es abzuarbeiten gilt. „Das Ding muss jetzt durch.“

Wahlziel der Kandidatin: mehr als Grünen-Kandidat Dr. Andreas Jürgens bei der OB-Wahl 2011 (15 Prozent). Besser noch: mehr als das Grünen-Ergebnis bei der Kommunalwahl 2016 (18 Prozent).

Zur Person

Eva Koch (54) stammt aus dem rheinlandpfälzischen Nastätten. Nach dem Abitur in St. Goarshausen am Rhein studierte sie Bauingenieurwesen in Darmstadt. Der Liebe wegen zog sie 1988 nach Nordhessen – zunächst nach Homberg, 1991 dann nach Kassel. Seit 2011 gehört Eva Koch der Grünen-Rathausfraktion in der Stadtverordnetenversammlung an. Zur Kommunalwahl 2016 trat sie als Spitzenkandidatin an. 

Die Bauingenieurin war zunächst als Angestellte beschäftigt und ist seit inzwischen 20 Jahren selbstständig. Eva Koch ist Sachverständige und Fachplanerin für energetisches Bauen und Sanieren. Die 54-Jährige wohnt mit ihrer Tochter und zwei Katzen in Jungfernkopf. Die leidenschaftliche Radfahrerin liebt es, in ihrer Freizeit im Garten zu werkeln.

Lesen Sie dazu die Porträts der anderen Kandidaten

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