Der Verein Soziale Hilfe registriert immer mehr junge Frauen, die keine Wohnung haben

Obdachlos mit vielen Schwierigkeiten

Katarina Haye-Siebert

Kassel. Es leben immer mehr Frauen in Kassel, die kein Dach über dem Kopf haben. Diese Tendenz beobachten die Mitarbeiter des Vereins Soziale Hilfe seit mehr als einem Jahr. 2009 gab es bei dem Verein 27 Anfragen von Frauen nach einer Aufnahme in einer Unterbringung.

Im Jahr 2011 stieg die Zahl auf 41 an und hält sich seitdem auf hohem Niveau. Als Grund vermutet Sozialarbeiterin Katarina Haye-Siebert: „Kleine, bezahlbare Wohnungen sind in Kassel inzwischen Mangelware.“ Für eine bestimmte Klientel seien sie regelrecht unerreichbar.

Für obdachlose Frauen hält der Verein deshalb ein spezielles Angebot vor: Die Einrichtung „4 Wände - Wohnen für Frauen“ ist ein stationäres Wohnangebot für insgesamt sechs Frauen, die seit mindestens zwei Monaten ohne festen Wohnsitz sind, in ungesicherten Wohnverhältnissen leben, aus der Haft entlassen wurden oder aus einer Therapieeinrichtung kommen. Anders als männliche Obdachlose lebten die wenigsten dieser Frauen vorher auf der Straße. „Es handelt sich um Frauen mit vielen Schwierigkeiten“, sagt Haye-Siebert. „Oft kommen sie aus gewaltgeprägten Milieus und haben psychische und andere gesundheitliche Probleme.“ Viele dieser oft sehr jungen Frauen seien schon damit überfordert, Leistungen zum Lebensunterhalt zu beantragen. Sie haben Schulden und sind häufig nicht krankenversichert, sagt Haye-Siebert.

Schwangere und Mütter

Zudem haben sich in jüngster Zeit viele Schwangere und junge Mütter um Aufnahme beworben. Sämtliche Plätze sind seit Langem belegt. „Es befinden sich vier Frauen auf der Warteliste“, sagt Anja Schreiter, die betreuende Sozialarbeiterin. Die im Rahmen der Einrichtung „4 Wände“ angebotenen Leistungen umfassen das gesamte Hilfspaket: „Alle Maßnahmen, die notwendig sind, um Schwierigkeiten abzuwenden, zu beseitigen, zu mildern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten“, sagt Haye-Siebert. Zudem gehe es bei jungen Volljährigen um Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung. Dies geschehe durch Beratung und persönliche Betreuung, Hilfen zur Ausbildung, bei der Suche oder Sicherung eines Arbeitsplatzes sowie bei der Suche oder Erhaltung einer Wohnung.

Diese Hilfen finanziert in der Regel der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Bei jüngeren Frauen unter 21 Jahren ist das Jugendamt zuständig.

Ulrike Moritz, Geschäftsführerin der Sozialen Hilfe, plädiert angesichts dieser Entwicklung dafür, Kontingente für die Schwächeren vorzuhalten: „Es gibt eine Konkurrenz durch leistungsstärkere und sozial beliebtere Bewerberinnen. Die haben auf dem Wohnungsmarkt die besseren Karten. Wohnungslose Frauen sind da eindeutig benachteiligt.“ (chr)

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