Auf dem Königsplatz könnte Obelisk Ende September abgebaut werden

Obelisk in der Treppenstraße? Verbände machen sich für Umzug stark

Hier könnte er stehen: Die Fotomontage zeigt den Obelisken vor dem Haus der Sozialwirtschaft an der Treppenstraße 4 (links) in Höhe des Florentiner Platzes. 

Kassel. Die Diskussion um den Obelisken nimmt kein Ende. Wenige Wochen vor dem möglichen Abbau des documenta-Kunstwerks auf dem Königsplatz überraschen soziale Verbände mit einem Vorschlag. 

Das Haus der Sozialwirtschaft an der Treppenstraße 4 hat documenta-14-Künstler Olu Oguibe gebeten, einem Umzug des Obelisken an die Treppenstraße in Höhe des Florentiner Platzes zuzustimmen. Damit soll verhindert werden, dass der derzeit auf dem Königsplatz stehende Obelisk Ende September abgebaut werden muss.

Am 30. September läuft ein Sondernutzungsvertrag mit dem Künstler über die Aufstellung des Obelisken auf dem Königsplatz aus. Wenn Oguibe bis dahin weiter auf dem Standort seines „Monument for strangers and refugees“ in Kassels guter Stube beharrt, wäre das vermutlich das Ende des seit Monaten umstrittenen Kunstwerkes. Denn auf dem Königsplatz darf der Obelisk nach dem Willen der Kasseler Stadtverordnetenversammlung nicht stehen bleiben.

„Seit der Obelisk bei uns ist, ist er ein gleichermaßen wertschätzendes Element für die unzähligen engagierten Bürger und ankommenden Gäste. Das wollen wir unbedingt erhalten“, schreiben Rosa-Maria Hamacher, Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hessen, und Søren Link, Geschäftsführer des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG), in ihrem Brief an den Künstler.

„Es berührt uns, dass bis heute leider noch keine passende Lösung gefunden wurde“, steht in dem Brief. Während der documenta sei der Standort auf dem Königsplatz ein gut erreichbarer repräsentativer Platz gewesen. Für die Weiterentwicklung des Diskurses wäre der avisierte Platz an der Treppenstraße direkt vor dem Haus der Sozialwirtschaft „ein herausragendes Zeichen und würde den Blick stets auf die wesentlichen Elemente der Diskussion lenken.“

Unter dem Dach des Hauses der Sozialwirtschaft arbeiten und organisieren sich zahlreiche soziale Organisationen, Initiativen und Vereine. In Nordhessen werden rund 200 Einrichtungen mit weit mehr als 10 000 Mitarbeitern und mehr als 8000 Ehrenamtlichen vertreten. „Viele von ihnen engagieren sich tagtäglich, um den zu uns kommenden Menschen mit Gastfreundschaft und Respekt zu begegnen, um ihnen zu ermöglichen, sich eine Perspektive zu entwickeln“, heißt es in dem Schreiben.

Obelisk ist Symbol für Gastfreundschaft

„Auch wenn wir sicherlich nicht für jeden einzelnen Menschen in Kassel und der Region sprechen können, so verstehen wir uns doch als die Stimme der sozialen Gesellschaft in Kassel. Wir wissen, dass die allermeisten Kasseler ein vehementes Interesse daran haben, dass der Obelisk als ein Symbol für eine gastfreundschaftliche und weltoffener Stadt bleibt.“

Das Kunstwerk von Olu Oguibe würde stellvertretend für gelebte Gastfreundschaft stehen. „In diesem Sinne würde die soziale Stadtgesellschaft ihn als Ihr Geschenk für unser Bemühen erachten und schätzen.“ Mit diesen Gedanken bitten die beiden Geschäftsführer den Künstler, den Umzug des Obelisken an die Treppenstraße zu unterstützen.

Von Jörg Steinbach

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