Parteien sind unzufrieden

Standort des Obelisken: Vorstoß der Stadt Kassel sorgt für Ärger

Kassel. Der Obelisk in Kassel sorgt weiter für Ärger. Dabei rückt die Frage nach dem Standort immer mehr in den Mittelpunkt, nachdem sich am Donnerstag die Dezernenten der Stadt mit Oberbürgermeister Christian Geselle an der Spitze positioniert haben.

Sie sehen die Zukunft des documenta-Kunstwerks von Olu Oguibe auf dem Holländischen Platz – und nicht am jetzigen Standort Königsplatz.

Das stößt auf Kritik. Jörg Sperling, der Vorsitzende des documenta-Forums, sagte: „Der Obelisk gehört auf den Königsplatz und muss da bleiben.“ Sollte der Wille der Dezernenten umgesetzt werden, käme dies einem Abschieben des Kunstwerks gleich.

Das Thema bekommt vor allem auch politisch immer mehr Brisanz. Das zeigt sich insbesondere beim Blick auf die Grünen. Dieter Beig, der Vorsitzende der Rathausfraktion, erklärte gestern: „Wir Grüne sind verärgert über den Alleingang des Magistrats, einen neuen Standort für den Obelisken bestimmen zu wollen.“ Beig spricht dabei auch von mangelhafter Diskussionskultur.

Dabei trifft die Kritik auch die Parteimitglieder, die im hauptamtlichen Magistrat sitzen: Jugenddezernentin Anne Janz und Stadtbaurat Christof Nolda, der in der Pressemitteilung von Donnerstag die Position der Dezernenten mit städtebaulichen und stadtgestalterischen Aspekten begründete.

Das Vorgehen der Stadt wirft aber auch Fragen über das Innenleben des hauptamtlichen Magistrats auf, nachdem sich Kulturdezernentin Susanne Völker im Interview mit unserer Zeitung wesentlich zurückhaltender geäußert hatte als das gesamte Gremium in seiner Pressemitteilung. Jörg Sperling vom documenta-Forum glaubt daher, Völker werde „an der kurzen Leine gehalten“.

Künstler Olu Oguibe hat sich indes noch nicht öffentlich geäußert. Es liegt nun an ihm, den sich aus einer Spendenaktion resultierenden Kaufpreis von 126 152,27 Euro und den neuen Standort am Holländischen Platz für sein Kunstwerk zu akzeptieren. 

SPD ist für anderen Standort

Für die SPD stehe seit Längerem fest, dass bei einem Ankauf ein neuer Standort gefunden werden müsse, betont Fraktionschef Dr. Günther Schnell. Man erwarte vom Magistrat und vor allem von Stadtbaurat Nolda genaue Informationen über mögliche Standorte. Für den Holländischen Platz spräche das Ansinnen der SPD, die Universität näher an die Innenstadt zu rücken und das Quartier städtebaulich aufzuwerten.

Verärgert über den „Alleingang des Magistrats“ zeigen sich die Grünen. Zur Standortfrage äußert sich Fraktionschef Dieter Beig nicht. Er sagt lediglich: „Wir Grünen sprechen uns für den Verbleib des Obelisken in Kassel aus und hoffen, dass trotz dieser Vorgehensweise eine Lösung mit dem Künstler gefunden wird.“

"Situation ziemlich verfahren"

„Grundsätzlich ist die Situation ziemlich verfahren“, sagt CDU-Fraktionschef Dr. Michael von Rüden. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Bürger in die Entscheidung über den Obelisken einzubeziehen sind.“ Die CDU spreche sich weiter für ein Vertreterbegehren und einen Bürgerentscheid aus. Bei Abwägung zwischen dem Standort Königsplatz und Holländischer Platz würde man Letzteren vorziehen. Der Magistratsvorschlag sei aber wieder ohne Einbindung der Bürger erfolgt, kritisierte von Rüden.

„Für mich steht der Standort genauso wenig fest wie für die Kulturdezernentin“, sagt der fraktionslose Koalitionär Andreas Ernst. Fraglich sei, ob der Künstler überhaupt zum genannten Preis verkaufe und ob er zustimme, dass sein Kunstwerk den Standort wechselt. „Bei Fall Zwei würde ich den Ankauf nicht befürworten“, sagt Ernst. Solange die Gespräche keinen Abschluss gefunden hätten, bleibe nur der Blick in die Glaskugel. „Erst Fakten schaffen, dann handeln“, fordert Ernst.

„Nicht in Hinterzimmern“

Nach Ansicht des FDP-Kreisvorsitzenden Matthias Nölke sollte eine endgültige Entscheidung über den Obelisken auf möglichst breiter Basis in den Gremien oder direkt mit Bürgerbeteiligung und „nicht in irgendwelchen Hinterzimmern im Rathaus“ getroffen werden. Grundsätzlich könne man sich viele Standorte vorstellen – etwa am Brüder-Grimm-Platz, zwischen Staatstheater und documenta-Halle oder am Halit-Platz.

„Das Scheitern der Spendenaktion war ein deutliches Nein gegen den Obelisken, doch die Stadt versucht dies als ein Nein gegenüber dem Standort Königsplatz umzudeuten“, meint die AfD. Der Holländische Platz sei ein Ablenkungsmanöver. Die Bürger sollten über den Verbleib des Obelisken in Form eines Bürgerbegehrens das letzte Wort haben dürfen.

Das sagen die Menschen in Kassel zum Standort Hopla

Julia Sambur (30), Studentin, Kassel

„Der Obelisk sieht generell ziemlich langweilig aus. Er ist so grau und trist. Außerdem gibt es sowas Ähnliches in vielen anderen Städten auch.“

Guido Brinkmann (52) AOK, Edermünde

„Die Nachricht auf dem Obelisken war für die Allgemeinheit gedacht. Die wird am Königsplatz eher erreicht. Am Hopla gibt es vor allem Studenten.“

Malte Wiegand (26) Student, Kassel

„Der Obelisk macht optisch schon etwas her. Aber ich denke, hier in dieses universitäre Umfeld am Hopla passt er nicht.

Isabel Wilke (69) Biologin, Kassel

„Was soll das bringen, den Obelisken auf einen anderen Platz zu stellen? Das sind doch alles unnötige Kosten. Das Geld kann man anders investieren"

André Kühlert (24) Student, Paderborn

„Ich finde, der Obelisk steht am Königsplatz im Weg. Ein besserer Standort muss gefunden werden. Aber ob der Hopla der Richtige ist?“

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