Oberbürgermeister-Kandidat Olaf Petersen setzt auf Bürgerbeteiligung

Wirbt für mehr Mitbestimmung: Olaf Petersen, OB-Kandidat der Piratenpartei, will, dass bei Großprojekten wie hier am Königsplatz die Zustimmung der Bürger eingeholt wird. Foto: Herzog

Kassel. In den Händen hält er eine Fotokopie vom alten Henschelhaus. Da, wo noch vor einem Jahr das markante Gebäude mit der dem Rokoko-Stil nachempfundenen Fassade stand, ist heute eine riesige Baustelle. Der Abriss ärgert Olaf Petersen noch immer: „Hier fehlt ein Stück Kassel“, sagt der 45-Jährige.

„Und niemand hat sich vorher die Mühe gemacht, mit den Leuten darüber zu reden.“ Bei Großprojekten müsse die Zustimmung der Bürger eingeholt werden. Mitreden. Mitbestimmen. Mit diesem Thema wappnet sich Petersen im Rennen um den Stuhl des Oberbürgermeisters, entsandt von der Piratenpartei, der er 2010 beigetreten ist.

Wenn am 27. März der neue Rathauschef gewählt wird, geht Petersen erst zum dritten Mal an die Wahlurne. Das bekennt er freimütig: „Zum ersten Mal habe ich gewählt, als ich es durfte, beim zweiten Mal mich selbst.“ 2009 war Petersen als parteiloser Bewerber zur Bundestagswahl angetreten. Dass er nur magere 0,5 Prozent erreichte, ließ ihn nicht resignieren. Er sei damals auf die Piraten gestoßen, auf „ideenreiche, motivierte junge Leute“. Der Name mag ältere Menschen abschrecken, räumt der Mann mit der blank polierten Glatze und dem steten Lächeln ein. „Aber inzwischen sind wir salonfähig - eine Partei für alle.“

Petersen kann weder Erfahrungen im Politikbetrieb noch in der Verwaltung vorweisen. Als Nachteil sieht er dies nicht: „Ich habe einen neutralen Blick und bin nicht im Filz verfangen.“ Ein Vorreiter für die Kleinen will er sein, die Nichtwähler ansprechen. „Wenn ich die mobilisieren kann, habe ich Chancen auf die Stichwahl“, sagt er selbstbewusst.

Als Oberbürgermeister will der gebürtige Melsunger, der heute in Harleshausen lebt, die Ortsbeiräte stärken. Er ist gegen die Gewerbeansiedlung auf dem Langen Feld. „Die Zukunft liegt in überregionalen Gewerbegebieten.“ Und auch das neue Auebad braucht es seiner Ansicht nach nicht: „Das können wir uns nicht leisten.“ Entschuldung sei wichtiger, als in neue Projekte zu investieren. Das gelte auch für eine Multifunktionshalle. Im Bereich Bildung und Betreuung sei öffentliches Geld hingegen nicht „rausgeworfen“. Vor allem Familien will der zweifache Vater stärken: „Wir brauchen mehr Festanstellungen, um Abwanderung zu verhindern.“

Olaf Petersen arbeitet in diesen Tagen fast rund um die Uhr. Vier, fünf Stunden Schlaf müssen reichen. Nur für seinen Sohn zwackt er Zeit ab - und für seine Partnerin, mit der er jüngst zwischen Berufsalltag und Wahlkampfterminen die Verlobungsringe tauschte. Der Politik widmet sich der 45-Jährige nach einem meist langen Arbeitstag bei Hermes Logistik in Waldau, wo er als Teamleiter arbeitet. Hin und wieder steigt er aber auch selbst hinters Steuer des Lieferwagens: „Ich bin der einzige Politiker, der noch was bringt“, scherzt Petersen. Nach dem 27. März will er beweisen, dass das nicht nur ein Paket sein muss.

Zur Person:

Olaf Petersen ist 1965 in Melsungen geboren. Seit 14 Jahren lebt er in Kassel. Nach der mittleren Reife hat er eine Ausbildung zum Dreher gemacht und sich mit der Berufszugangverordnung für den Güterkraftverkehr weiterqualifiziert. Als Selbstständiger arbeitete er im Speditionsgewerbe. Seit einigen Jahren ist er beim Paketdienst Hermes in Kassel-Waldau beschäftigt. Dort arbeitet er als Teamleiter. Petersen ist geschieden, frisch verlobt und hat zwei Kinder: Eine 21-jährige Tochter und einen 9-jährigen Sohn.

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