"Die Freunde werden fehlen"

Zwei Kasseler Schüler über ihr Abitur: Am liebsten eine 1 vor dem Komma

+
Glücksbringer für das Abi: Von Justus für Jona.

Kassel. Jona Gruber (17) und Patrick Lutzi (18) aus Baunatal machen gerade ihr Abitur. Wir haben uns mit den beiden über diesen besonderen Lebensabschnitt unterhalten.

Es gibt Menschen, die träumen noch Jahrzehnte nach ihrem Abitur von den Prüfungen. Ob es den rund 1450 Schülern auch so geht, die in diesen Tagen an den Gymnasien in der Stadt Kassel ihre schriftlichen Prüfungen schreiben, wird sich herausstellen. 

Wie es ist, mitten im Abitur zu stecken, darüber sprachen wir mit Jona Gruber (17) und Patrick Lutzi (18). Die beiden Schüler aus Baunatal machen gerade ihr Abitur an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Oberzwehren.

Welche Prüfungen haben Sie schon hinter sich und wie ist es gelaufen?

Jona Gruber:Ich habe bereits Chemie und Sport geschrieben. Chemie war in Ordnung, Sport lief ganz gut. Es ist allerdings immer schwierig, die Sport-Klausuren einzuschätzen.

Patrick Lutzi:Ich habe dieselben Fächer. Chemie lief nicht so optimal, weil nicht meine Themen drankamen. Mir liegt die mathematische Chemie, bei der mit Formeln zum Beispiel die Energie berechnet wird. Im Abi ging es aber darum, wie Moleküle aneinanderhängen. Unser Chemielehrer wird jetzt nicht sehr stolz auf uns sein, wie wir das ausdrücken.

Gruber: Unser Chemieabi war allerdings recht kurios. Nachdem die Aufgaben ausgeteilt worden waren, ging der Feueralarm los, der sich sehr schnell als Fehlalarm herausstellte. 15 Minuten heulten die Sirenen, wir mussten aber im Raum bleiben. Die verlorene Zeit wurde hinten angehangen.

Sie haben dieselben Prüfungsfächer, am Montag schreiben Sie beide noch die Abi-Prüfung in Deutsch. Liegt das daran, dass Sie beide beste Freunde sind?

Lutzi: Wir kennen uns seit der fünften Klasse. Es hat aber ein bisschen gedauert, bis wir beste Freunde wurden. Das war in der siebten Klasse. Wir haben schon ähnliche Interessen.

Gruber: Mit den gemeinsamen Kursen hat sich das so ergeben. Für Chemie haben wir sehr viel zusammengelernt.

Wie haben Sie sich auf das Abitur vorbereitet?

Lutzi:Vor dem Abitur lernt man schon ganz anders als vor Klausuren. Die Aufgaben sind deutlich komplexer, der Lernaufwand daher umfangreicher.

Glücksbringer für das Abi: Von Justus für Jona.

Gruber: In unserer Lerngruppe haben wir uns mit den Abivorschlägen der Jahre 2012 bis 2017 beschäftigt. Diese gibt es als Buch zu kaufen. Das ist eigentlich perfekt für die Vorbereitung.

Gibt es irgendwelche Rituale vor den Prüfungen?

Gruber: Rituale habe ich keine, aber mein Freund Justus (10), hat mir einen Glücksbringer aus Holz geschnitzt. Dabei handelt es sich um ein Trikot mit meiner Rückennummer und einem Foto von mir. Den Glücksbringer habe ich bei jeder Prüfung dabei.

Sie spielen Handball bei der A-Jugend der MT Melsungen. Da muss man ja ziemlich viel trainieren, eigentlich jeden Tag. Hat das Training unter dem Abitur gelitten?

Gruber: Nein. Ich habe das beides gut hinbekommen. Das Training habe ich nur ein Mal für das Abitur ausfallen lassen.

Lutzi: Ich spiele eigentlich Fußball. Da ich mir aber das Außenband gerissen habe, konnte ich jetzt nicht trainieren und hatte mehr Zeit, für das Abi zu lernen.

Aber Sie müssen doch auch noch eine praktische Prüfung für das Sportabi ablegen. Wie soll das mit einem gerissenen Band funktionieren?

Lutzi:Die Prüfung ist Ende April. Ich hoffe, dass ich bis dahin wieder Sport machen kann. Ich werde in Badminton und Leichtathletik geprüft.

Steuern Sie eine bestimmte Abinote an?

Lutzi: Eine 2,0 wäre gut, aber eine 1 vor dem Komma sieht besser aus.

Gruber:Wenn die Prüfungen einigermaßen laufen, müsste eine 1 vor dem Komma gelingen.

Sind Sie traurig, wenn Sie die Schule verlassen?

Lutzi: Ja, die Freunde werden fehlen. Wir waren ja auch oft Leidensgenossen. Zudem kann der Unterricht ja manchmal auch Spaß machen und mit manchen Lehrern versteht man sich auch ganz gut.

Gruber: Die Freunde und die vielen lustigen Gespräche werden mir fehlen. Wir lachen hier mehr, als dass wir weinen. Die Atmosphäre hier in der Schule ist schon cool.

Apropos Spaß – wie werden Sie feiern, wenn die Prüfungen vorbei sind?

Lutzi: Wir sind ja schon am Montag fertig, dann werden wir ein bisschen feiern. Der Klassiker ist, dass wir vor der Schule grillen und ein bisschen was trinken. Abends geht es dann nach Kassel in die Stadt.

Und wie sieht es mit dem Abistreich aus?

Gruber: Es wird nach den Prüfungen eine Mottowoche geben, bei der man jeden Tag anders zur Schule geht. Einen Tag gibt es da zum Beispiel einen Geschlechtertausch, an einem anderen Tag geht man mit Jogginghose und Adiletten zur Schule.

Gibt es nach dem Abitur eine Belohnung?

Gruber: Ich werde vielleicht mit meiner Freundin in die USA reisen.

Lutzi: Ich reise mit dem Rucksack und Freunden erst quer durch Europa und danach geht es mit der Fußballmannschaft nach Mallorca.

Das hört sich nach sehr viel Spaß an. Gibt es schon Pläne für die Zeit danach?

Lutzi: Ich werde zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einem Fußballverein in Edermünde machen. Danach möchte ich studieren.

Gruber: Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf das Abi. Und danach werde ich mich damit intensiver auseinandersetzen. Ein Studium kommt sicher auch in Frage.

Patrick Lutzi (18) wurde in Kassel geboren und ist in Baunatal aufgewachsen. Nach dem Besuch der Grundschule in Baunatal wechselte er zur Lichtenberg-Schule in Oberzwehren. Er spielt Fußball und besucht gern Sportveranstaltungen. 

Jona Gruber (17) wurde in Kassel geboren und lebt ebenfalls in Baunatal. Nach der Grundschule wechselte er zur Lichtenberg-Schule. Gruber spielt Handball bei der A-Jugend der MT Melsungen. Zudem spielt er Klavier und Posaune, wenn die Zeit es zulässt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.