In Syrien ist Käse so wichtig wie in Deutschland Brot

Arabischer Käse aus Kassel: Kunden kommen sogar aus Belgien

Kam 2015 nach Deutschland: Heute verkauft der Syrer Hassan Baroudi in seiner Käserei in Oberzwehren arabische Spezialitäten.
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Kam 2015 nach Deutschland: Heute verkauft der Syrer Hassan Baroudi in seiner Käserei in Oberzwehren arabische Spezialitäten.

Der Syrer Hassan Baroudi hat sich mit seiner Käserei in Kassel einen Traum verwirklicht. In einer ehemaligen Metzgerei in Oberzwehren stellt er sieben Sorten arabischen Käse her.

Kassel – Manchen Kunden von Hassan Baroudi ist kein Weg zu weit, um an seinen Käse zu kommen. Sogar aus Belgien reisen manche in den Kasseler Stadtteil Oberzwehren, wo der Syrer und seine Frau Bouchra Alsamoudi die Käserei Baroudi betreiben.

Viele seiner ebenfalls in Europa lebenden Landsleute können auch nicht genug bekommen von dem arabischen Käse. Laut Alsamoudi ist es nichts Ungewöhnliches, wenn eine sechsköpfige syrische Familie bis zu zehn Kilo Käse die Woche isst: „Käse ist in Syrien, Jordanien, Libanon und Palästina so wichtig wie Brot in Deutschland.“

Insofern war es keine schlechte Idee, vor einem Jahr in der Mitte von Deutschland eine arabische Käserei zu eröffnen. Der Weg dahin war jedoch viel weiter als der von Belgien nach Kassel. 2015 war Baroudi von Jordanien aus über Umwege nach Deutschland gekommen. In das Nachbarland Syriens war bereits sein Vater vor dem Krieg geflohen.

In Deutschland lebte der studierte Agraringenieur zunächst in Bad Segeberg und Hamburg. Wegen seiner Brüder, die bereits in Kassel wohnten, kam er nach Nordhessen. Da seine Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wird, hätte der 31-Jährige noch einmal studieren müssen. Doch statt noch einmal an die Uni zu gehen, verwirklichte er seinen Traum von der Käserei.

Mit seiner Frau, die ebenfalls in Jordanien lebte und 2016 nach Deutschland kam, und Unterstützung durch die Agentur für Arbeit erstellte er einen Business-Plan. Mit der ehemaligen Metzgerei Waßmuth in der Altenbaunaer Straße in Oberzwehren fand er eine passende Immobilie mit Kühlraum.

Dort verarbeitet Baroudi mit einem Angestellten nun jede Woche bis zu 3000 Liter Kuhmilch. Seine Frau macht gerade das Abitur an der Abendschule, kümmert sich mit ihren Eltern um die beiden kleinen Kinder und arbeitet im Laden.

Sieben Sorten hat die Käserei Baroudi im Angebot – von dem kochkäseartigen Musannara, der aus pasteurisierter Milch hergestellt wird, bis zu Mshallaleh, der wie eine Art salziger Mozzarella schmeckt. Anders als deutscher Käse reifen die arabischen Spezialitäten innerhalb eines Tages. Sie sind leichter und haben weniger Fett. Gegessen wird der Käse je nach Variante gegrillt, zu Brot, mit Wassermelone und anderen Früchten oder sogar Marmelade.

Im Internet findet man bereits Artikel, die beschreiben, wie Baroudi und andere Migranten aus dem arabischen Raum für noch mehr Käsevielfalt hierzulande sorgen. Bouchra Alsamoudi tut alles, damit die Käserei auch außerhalb der syrischen Community noch bekannter wird. Die 22-Jährige gestaltet nicht nur die Auftritte bei Facebook und Instagram, sondern selbst bei Tiktok. Derzeit hofft das Ehepaar auf eine EU-Zulassung, die das Regierungspräsidium ausstellen muss, damit der Käse auch jenseits einer 100-Kilometer-Grenze verkauft werden darf.

Auch solche Regeln sind es, wegen denen Hassan Baroudi sagt: „In Deutschland sind alle sehr nett, aber es ist auch sehr kompliziert.“ Er kann noch nicht so gut Deutsch. Dafür hat er aber schon eine deutsche Spezialität schätzen gelernt: Er mag Grüne Soße. (Matthias Lohr)

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