Studentin schildert ihre Erlebnisse an der Haltestelle

Straßenbahn zog in Oberzwehren eingeklemmten Mann mit

Hier hat sich der Vorfall am Montag ereignet: Annemarie Ullmann an der Haltestelle Oberzwehren Mitte, wo der Arm eines Fahrgastes in der Bahntür eingeklemmt wurde.
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Hier hat sich der Vorfall am Montag ereignet: Annemarie Ullmann an der Haltestelle Oberzwehren Mitte, wo der Arm eines Fahrgastes in der Bahntür eingeklemmt wurde.

Annemarie Ullmann ist auch Tage nach ihrem Erlebnis in der Straßenbahn noch aufgewühlt: Die 33-jährige Kunststudentin aus Kassel hat erlebt, wie der Arm eines Mannes von der Tür einer Straßenbahn eingeklemmt wurde, die Bahn anschließend losfuhr und der Mann daneben herlaufen musste.

Es war am vergangenen Montag, als Ullmann mit einer Straßenbahn der Linie 5 unterwegs war. Sie saß ganz hinten an der letzten Tür der Bahn, die gegen 11.30 Uhr an der Haltestelle Oberzwehren Mitte hielt. Als die Bahn gerade wieder anfahren wollte, seien von hinten noch drei Personen angerannt gekommen. Ein Mann sei eingestiegen, ein weiterer habe es noch geschafft, seinen Arm samt Einkaufstasche zwischen die sich schließenden Türen zu halten. Begleitet von einem lauten Piepton habe sich die Tür geschlossen und den Arm eingeklemmt.

Der Eingeklemmte indes habe noch draußen an der Haltestelle gestanden. „Und im nächsten Moment fuhr der Fahrer los und der Mann musste neben der Bahn auf dem Bahnsteig herlaufen. Alle Fahrgäste haben laut geschrien, dass der Fahrer halten soll“, erzählt Ullmann.

Schließlich habe die Bahn am Ende des Bahnsteigs wieder angehalten und der Fahrer habe die Türen geöffnet. So habe sich der etwa 60 Jahre alte Mann mit der Tüte aus seiner lebensgefährlichen Lage befreien können.

„Der Fahrer stieg kurz aus und hat dort erst mal eine junge Frau mit Kinderwagen angepöbelt, die die Chance nutzen wollte, um ebenfalls noch einzusteigen. Die hat den Fahrer auf den eingeklemmten Mann hingewiesen und war offenbar so erschrocken, dass sie dann doch nicht eingestiegen ist“, sagt Ullmann.

Der Fahrer sei anschließend wieder in seine Kabine gestiegen und weitergefahren, ohne mit dem zwischenzeitlich eingeklemmten Fahrgast zu sprechen – oder sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Der Mann, der ausländische Wurzeln hat und schlecht Deutsch gesprochen habe, sei völlig fertig gewesen. Er sei in der Bahn dann noch mitgefahren.

Ullmann versteht das Verhalten des Fahrers nicht: „Natürlich darf man seinen Arm nicht in die Tür halten. Aber wenn der Fahrer die Situation trotz des Rückspiegels und der Pieptöne nicht bemerkt hat, muss er sich doch wenigstens anschließend nach dem Fahrgast erkundigen.“ Als sich die Studentin beim NVV-Servicetelefon beschwerte, wurde die Sache für sie noch schlimmer. „Der Mitarbeiter hat mir gesagt, der Fahrer habe sich richtig verhalten. Als ich das hörte, wollte ich mit ihm auch nicht weiter diskutieren“, sagt Ullmann.

Auf HNA-Anfrage teilt die KVG mit, dass der Fahrer glaubhaft versichert habe, dass er den eigentlichen Vorfall nicht bemerkt habe, so eine Sprecherin. Er sei durch andere Fahrgäste an der Haltestelle abgelenkt gewesen. Er habe sofort gehalten, als die Fahrgäste gerufen hätten. Weil er die Rufe aber nicht verstanden habe, sei er davon ausgegangen, diese bezögen sich auf eine Frau mit Kinderwagen an der Haltestelle. Deshalb habe er das Gespräch mit der Frau gesucht. Diese habe ihm von dem Fall mit dem Fahrgast erzählt.

Die Schilderungen seien aber nicht eindeutig gewesen. Erst an der Haltestelle Mattenberg habe besagter Fahrgast an seine Kabine geklopft und schimpfend gefragt, ob er ihn umbringen wollte. Nach KVG-Auskunft hatte die besagte Tür keinen Defekt. Dies sei geprüft worden. Es handele sich aber um ein älteres Tram-Modell. „Bei diesem Bahntyp kann bauartbedingt leider nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Tür schließt, wenn man zum Beispiel eine sehr schmale Hand in die sich schließende Tür hält“, so die Sprecherin. Damit dies nicht geschehe, ertöne beim Schließen der Warnton.

Der Mitarbeiter am NVV-Service-Telefon, bei dem sich Annemarie Ullmann über den Fall beschweren wollte, entschuldige sich für sein Verhalten, teilt eine Sprecherin mit. Er habe eine Ermahnung bekommen und werde nun nachgeschult. Der Mitarbeiter habe zudem geglaubt, Frau Ullmann habe selbst ihren Arm zwischen die Türen gesteckt und habe sie deshalb dahingehend belehren wollen, dass man dies nicht zu tun habe. Dies sei ein Missverständnis gewesen. „So sollen Fahrgäste nicht am Telefon behandelt werden“, so die Sprecherin. (Bastian Ludwig)

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