Muslimisches Gotteshaus kostete 3,5 Millionen Euro

Besucherandrang: Moschee am Mattenberg nach sechs Jahren Bauzeit eröffnet

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Eröffnung des muslimischen Gotteshauses: Die Moschee am Mattenberg war den ganzen Tag für Besucher geöffnet.

Oberzwehren. „Das ist schon beeindruckend“, sagte Rolf Becker aus Großenritte am Sonntagvormittag. Er war einer von mehreren hundert Besuchern, die anlässlich der Eröffnung der Moschee des türkisch-islamischen Kulturvereins an den Mattenberg nach Oberzwehren gekommen waren.

Hobby-Fotograf Becker hat den Bau der Moschee von Anfang an mit seiner Kamera begleitet. Sechs Jahre lang also. So lange hat es gedauert, bis der 3,5 Millionen Euro teure Bau (finanziert aus Spenden) fertig war. „Die haben hier ganz schön was auf die Beine gestellt“, sagte Becker.

Vor über zehn Jahren hat der Verein die Pläne für seine Moschee mit Minarett und Kuppel erstmals vorgestellt. Am Anfang gab es viel Widerstand am Mattenberg. „Ich habe den Kampf von Anfang an mitbekommen“, erzählte Eberhard Fedon, Ortsvorsteher von Oberzwehren Ufuk Ekici, dem türkischen Generalkonsul, der aus Frankfurt zu der feierlichen Eröffnung gekommen war. Fedon teilte ihm aber auch mit, dass sich das Verhältnis zwischen der muslimischen Gemeinde und der übrigen Bevölkerung im Stadtteil wesentlich verbessert habe. Das liege an der Offenheit des Vereins, der auch schon während der Bauzeit zu Festen in die Moschee eingeladen hat. „Diese Menschen wollen mit uns gemeinsam leben“, sagte Fedon.

Vertreter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) hielten neben Zeki Demir, Vorsitzender des Kulturvereins, Reden auf Türkisch. Für die deutschen Besucher wurden sie übersetzt.

Gesprächsrunde vor der Moschee: (von links) Ortsvorsteher Eberhard Fedon, Zeki Demir, Vorsitzender des Kulturvereins, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und der türkische Generalkonsul Ufuk Ekici. Ganz links steht Hans Eichel.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen beglückwünschte die Gemeinde für den architektonisch sehr ansprechenden und würdigen Ort, der in Oberzwehren entstanden sei. Hilgen hat bei der Debatte um die Moschee stets als Vermittler fungiert. Am wichtigsten sei es ihm gewesen, einen Prozess in Gang zu setzen, „um einerseits um Vertrauen zu werben und Dialoge in Gang zu setzen, die dem berechtigten Anliegen der muslimischen Bevölkerung gerecht werden, ohne andererseits die vorhandenen Ängste und Konflikte zu leugnen“, so der Oberbürgermeister. In diesem Zusammenhang dankte er auch den christlichen Kirchen vor Ort und dem Ortsbeirat, die den Prozess stets begleitet haben. Der Bau der Moschee sei auch ein Bekenntnis der türkischen Bevölkerung zu Kassel. „Wer ein Gotteshaus baut, der ist nicht auf der Durchreise.“ Imam Kadir Kinik aus Korbach hatte zu Beginn der Feier aus dem Koran zitiert, zudem wurden die türkische und deutsche Nationalhymne gespielt.

Fotos von der Eröffnungsfeier

Moschee am Mattenberg nach sechs Jahren Bauzeit eröffnet

Unter den Besuchern, die sich den über 440 Quadratmeter großen Gebetsraum anschauten, waren auch einige, die der Moschee anfangs sehr kritisch gegenübergestanden haben, sagte Fedon. Der Ortsvorsteher freute sich besonders über den Besuch dieser Oberzwehrener bei der Eröffnung.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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