In Kassel gibt es klare Regeln

Fotografieren in Bädern: Familienfotos sind erlaubt

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Das ist erlaubt: Christoph Gibson fotografiert im Kinderbecken des Auebads nur seine eigenen Töchter Mia und Greta.

Kassel. Spanner gibt es schon seit Ewigkeiten. Ihre Methoden werden aber offenbar immer raffinierter. Am 3. April dieses Jahres legte ein 38-jähriger Mann aus Kassel eine Minikamera in seinen Schuh. Der Mann stand in einer Umkleidekabine des Hallenbads Süd in Oberzwehren, als er den Schuh in die Nachbarkabine schob.

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch wollte er auf diese Weise eine Frau beim Umziehen aufnehmen.

Die Frau bemerkte allerdings den fremden Schuh, kletterte hoch und entdeckte den Spanner nebenan. Dieser habe noch versucht, stiften zu gehen, er wurde aber erwischt, sagt Jungnitsch. Jetzt muss er sich wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen verantworten.

Ebenso ein 35-jähriger Mann aus Zierenberg, der am 1. Mai im Aqua-Park in Baunatal durch ein Guckloch in einer Kabine mit seinem Handy eine Frau fotografieren wollte. Allerdings habe er vergessen, das Auslösegeräusch und den Blitz an seinem Handy auszustellen. Auch dieser Spanner flog auf.

Dass solche Handlungen verboten sind, sollte eigentlich jedem Schwimmbadbesucher bewusst sein. Doch es ist auch verboten, fremde Badegäste, die sich auf der Wiese sonnen oder ins Becken springen, zu fotografieren. Die Gäste der Kasseler Bäder werden von den Mitarbeitern deshalb regelmäßig darauf hingewiesen, wenn die mit ihrem Handy im Bad fotografieren. „Wir haben ja nichts dagegen, wenn Familien und Jugendliche sich selbst bei uns im Bad fotografieren“, sagt Jens Herbst, Bäderchef der Städtischen Werke.

Man habe ja auch keine Handhabe, den Gästen das Smartphone oder das Tablet am Eingang abzunehmen, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Viele wollten ja auch damit nur telefonieren oder lesen.

In der Kurhessen-Therme herrscht hingegen ein generelles Handy-Verbot, sagt Geschäftsführer Michael Dunkel. Mit einem Tablet habe er noch nie einen Gast im Saunabereich gesehen. „Unsere Gäste kommen ja, um sich zu erholen und um abzuschalten“, sagt Dunkel. Da seien Handys ohnehin fehl am Platz. Mittlerweile drücke man im Gastronomiebereich ein Auge zu. Dort werde akzeptiert, dass Badegäste telefonieren.

Hintergrund

Regelung im Strafgesetzbuch

§ 201a Strafgesetzbuch: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen.

(1) Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2)  Ebenso wird bestraft, wer eine durch eine Tat nach Absatz 1 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.

(3)  Wer eine befugt hergestellte Bildaufnahme von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, wissentlich unbefugt einem Dritten zugänglich macht und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(4)  Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden. (use)

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