Betreiber verkaufte ungenießbare Lebensmittel

Geldstrafe für Gammel-Koteletts in einem Kasseler Imbiss

Kassel. Die Schnitzel rochen muffig, und die Kammkoteletts strömten gar einen fauligen Gestank aus, als Lebensmittelkontrolleure dem Imbiss des Angeklagten in Oberzwehren einen Besuch abstatteten. Sie waren nicht etwa zu einer Routinekontrolle gekommen, sondern auf eine Anzeige von erbosten Kunden hin.

Die hatten, nachdem sie sich an dem Imbiss mit Essen zum Mitnehmen eingedeckt hatten, über Durchfall, Fieber und Erbrechen geklagt. Der Betreiber wurde am Freitag vom Kasseler Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dem 51-Jährigen scheint sein Imbiss inzwischen selbst zum Halse herauszuhängen: „Ich kann es nicht mehr hören!“, sagte er vor Gericht. Als Teilzeitangestellter bei der Post habe er den Laden nebenbei betrieben, seine Kinder und seine Frau hätten geholfen. Doch reich geworden sei die Familie damit nicht: „Ich hatte mehr Kosten als Einnahmen, die Schulden wurden immer mehr.“

Für Richter Klaus Döll passte alles zusammen: Vergammelte Lebensmittel seien „kein Zeichen dafür, dass es besonders gut läuft“. Der Angeklagte hat den Imbiss inzwischen geschlossen. Er räumte auch alles ein, schob aber seinen „Mitarbeitern“, auf die er sich verlassen habe, einen Teil der Schuld in die Schuhe.

Die Lebensmittelkontrolleure hatten sich nach der Anzeige im Jahre 2012, wie zwei Zeugen vor Gericht berichteten, vor Ort umgeschaut. Im Imbiss selbst seien „gravierende Mängel“ festgestellt worden: Die Kühltheke sei an einigen Stellen verschimmelt, die Sauberkeit insgesamt äußerst mangelhaft gewesen. Die Kontrolleure nahmen Proben mit: Hackfleisch, Lammkoteletts, panierte Schnitzel, Fett aus der Fritteuse. Das Material wurde in den eigenen Labors unter die Lupe genommen. Beim Hackfleisch stellte sich heraus, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen und es nicht mehr genießbar war. Schnitzel, Koteletts und Frittierfett rochen nicht nur äußerst unappetitlich, sie waren längst nicht mehr genießbar. Erreger für die Beschwerden, die die erbosten Kunden in ihrer Anzeige beschrieben hatten, fanden sich aber nicht.

Es war nicht das erste Mal, dass der Imbissbetreiber mit buchstäblich unsauberen Methoden auffiel. Bereits im Jahre 2009 hatte er wegen eines ähnlichen Vorfalls einen Strafbefehl kassiert. So glimpflich wie damals kam er diesmal nicht davon. Das Gericht verurteilte ihn am Freitag zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 15 Euro, also insgesamt 2250 Euro. Richter Döll betonte, dass sich das Urteil auf die Dinge gründet, die bei der Kontrolle festgestellt wurden, nicht auf die Angaben der Kunden. Aber das Verhalten des Angeklagten sei nicht mehr nur als Fahrlässigkeit, sondern als Vorsatz einzustufen. „Es hätte“, gab Döll zu bedenken, „viel schlimmer ausgehen können, deshalb können Sie sich über die Geldstrafe freuen.“ (pas)

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