Bauaufsicht verhängte schon im Mai Nutzungsverbot

Illegal bewohntes Haus in Oberzwehren: „Reif für die Abrissbirne“

Kassel. Für den Oberzwehrener Ortsvorsteher Eberhard Fedon (SPD) ist das Haus an der Oberzwehrener Straße 6, aus dem am Mittwoch zwangsweise 51 Menschen geholt wurden, ein Dauerthema. „Für mich gehört an dieses Haus die Abrissbirne.“

Für den Oberzwehrener Ortsvorsteher Eberhard Fedon (SPD) ist die Oberzwehrener Straße 6 so etwas wie ein Dauerthema. Immer wieder haben sich Bürger aus dem Kasseler Stadtteil in den vergangenen Jahren bei ihrem Ortsvorsteher über die Verhältnisse in und an dem Haus beklagt.

„Für mich gehört an dieses Haus die Abrissbirne“, sagt Fedon ohne Umschweife. Seit Jahren werde das marode Gebäude ständig weiterverkauft. Den jetzigen Eigentümer kennt Fedon nicht. Dass die Polizei am Mittwoch nun 51 Bulgaren und Rumänen aus dem einsturzgefährdeten Haus holte, habe aber auch ihn überrascht.

Offenbar habe sich die „Unterkunft“ in deren Kreisen herumgesprochen. Grund dafür ist nach Einschätzung von Fedon, dass ein früherer Eigentümer des Hauses dort südosteuropäische Schrotthändler habe „hausen lassen“. Wie Menschen in dem völlig heruntergekommenen Haus wohnen könnten, sei ihm schon damals ein Rätsel gewesen, sagt Fedon. Seines Wissen stehe das Haus seit vorigem Herbst leer.

Aktualisiert um 15.10 Uhr

Spätestens seit damals kennen auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und mehrere Amtsleiter das Anwesen. Fedon präsentierte es ihnen als Sorgenkind bei einem Rundgang durch den Stadtteil. Rathaussprecherin Petra Bohnenkamp bestätigte, dass sich die städtische Bauaufsicht schon seit Längerem mit der Oberzwehrener Straße 6 befassen müsse. Zuletzt sei es gesperrt und gesichert worden, nachdem eine Nutzungsuntersagung ergangen sei.

Aber bereits im Mai 2014 sei ein Nutzungsverbot in einer nicht anfechtbaren Verfügung ausgesprochen worden. Gründe dafür seien eine „nicht nachgewiesene Standsicherheit“ durch diverse bauliche Mängel und eine fragliche Statik. Schon damals sei der Eigentümer der Verfügung nicht nachgekommen. Deshalb seien Zwangsgelder festgesetzt und vollstreckt worden, sagte Bohnenkamp.

Hausräumung: Polizei holt 51 Menschen aus baufälligem Gebäude

Schon im April 2014 habe die Stadt eine ordnungsrechtliche Verfügung gegen den Grundstückseigentümer zur Rattenbekämpfung erlassen, die auch befolgt worden sei. „Es gab danach keine weiteren Beschwerden“, sagte Bohnenkamp. Das waren aber nicht die ersten Vorfälle. Nach Beschwerden von Anwohnern seien schon in den Jahren 2004, 2005, 2007, 2008, 2009 und 2010 Verfügungen ergangen, die immer auch befolgt worden seien. Weil sich aktuell Teile aus der Fassade lösen, seien der Eingangsbereich sowie der Gehweg vor dem Haus abgesperrt worden, sagte Bohnenkamp. „Der Eigentümer wurde aufgefordert, die herabfallenden Teile zu fixieren beziehungsweise so zu sichern, dass keine Personen zu Schaden kommen.“

So geht es den Evakuierten

So geht es den Evakuierten Unterkunft wird für Flüchtlinge gebraucht Vorerst halten sich die 51 Bulgaren und Rumänen, die die Polizei am Mittwoch aus dem einsturzgefährdeten Haus geholt hatte, in der städtischen Flüchtlingsunterkunft Park Schönfeld auf. Doch schon in der kommenden Woche erwarte die Stadt eine neue Zuweisung an Flüchtlingen, die untergebracht werden müssten, sagte Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. „Die Stadt kümmert sich um die Personen, die in Kassel gemeldet sind.“ Von den 39 Erwachsenen seien das zwei. Für alle weiteren sei eine Übergangslösung über das Wochenende gefunden worden. Bohnenkamp sagte, dass es sich um EU-Bürger handele, die Freizügigkeit genießen, und nicht um Flüchtlinge. (clm)

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