Kassels "Waldstadt"

Große Pläne für Brückenhof: In Oberzwehren sollen bis zu 350 neue Wohnungen entstehen

+
So könnte es aussehen: Wo bisher am Pardeck am Dönchebach fast nur Grün zu sehen ist (links), könnte einmal ein modernes Hochhaus stehen. So sieht es ein erster Entwurf der Stadt vor, über den nun diskutiert werden soll.

In der Brückenhofsiedlung im Kasseler Stadtteil Oberzwehren könnten in den nächsten zehn Jahren bis zu 350 neue Wohnungen entstehen. 

Kassel – Das sehen entsprechende Pläne der Stadt vor, die im Ortsbeirat vorgestellt wurden. Das Projekt könnte die Wohnungssituation in Kassel entschärfen, denn „bis 2030 werden 11 000 Wohnungen fehlen“, wie Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sagt. Zugleich gibt es kaum noch Flächen innerhalb der Stadt, auf denen man bauen kann.

Darum hat das Rathaus bei Städtebauarchitekt Hans Helmut Nolte und Landschaftsplaner Erik Hanf eine erste Planung in Auftrag gegeben. „Wir wollen gucken, ob das überhaupt geht oder das Stadtviertel überlasten würde“, sagt Nolda.

Die ersten Reaktionen der Ortsbeiratsmitglieder waren durchweg positiv. Und auch bei der Wohnungsgesellschaft GWH, die in der 5650 Einwohner zählenden Siedlung bereits jetzt fast 1500 Wohnungen vermietet und das Ganze umsetzen könnte, war man angetan.

Charakter der Brückenhof-Siedlung soll erhalten bleiben

Laut Jens Herzbruch vom Stadtplanungsamt „hat die Siedlung einen eigenen Charakter“. Der soll erhalten bleiben und behutsam ergänzt werden. So könnten zum Beispiel auf Parkhäusern neue Häuser entstehen, um möglichst wenig zusätzliche Fläche zu versiegeln. Zudem sind Neubauten vorgesehen, die zwar moderner aussehen als die seit 1967 errichteten Plattenbauten, sich aber trotzdem in die bestehende Architektur einfügen.

Die Wohnungen, so die Planer, sollen bezahlbar sein. Befürchtungen, die Erweiterung könnte für das Quartier zu viel sein, teilt GWH-Geschäftsführer Christian Wedler nicht: „Es geht nur um homöopathische Ergänzungen. Wir werden das Ganze unterstützen.“ Laut Herzbruch könnten die Erweiterungen in acht bis zwölf Jahren Realität werden.

Brückenhof gilt als „Kassels Waldstadt“

Die Brückenhofsiedlung entstand ab 1967 zwischen Alt-Oberzwehren und Nordshausen. Damals fehlte es in der Stadt an günstigem Wohnraum. Lange Zeit hatte das Quartier keinen guten Ruf. Die Kriminalitätsrate war hoch. Das hat sich längst gewandelt – unter anderem durch das Jugendzentrum Brückenhof und das dazugehörige Sportcamp. Von den heute 5650 Bewohnern haben 76 Prozent einen Migrationshintergrund. Die meisten von ihnen sind Russlanddeutsche, dazu kommen vor allem Afghanen und Eritreer. Die GWH wirbt für ihre Wohnungen in der einstigen Betonsiedlung unter dem Titel „Kassels Waldstadt“.

Hier befindet sich die Brückenhof-Siedlung 

Die Erweiterung der Siedlung Brückenhof könnte mehrere Probleme lösen

In den zwei Jahrzehnten, in denen sich der Kasseler Architekt und Landschaftsplaner Erik Hanf nun schon mit dem Brückenhof beschäftigt, hat sich viel verändert in dem Oberzwehrener Quartier: „Vor 20 Jahren gab es 13 Prozent Leerstand. Damals haben wir uns gefragt, ob wir einige der Wohnmaschinen wegnehmen müssen.“

Heute ist die Siedlung so beliebt, dass Wohnungen fehlen. Darum hat Hanf mit dem Städtebauarchitekten Hans-Helmut Nolte im Auftrag der Stadt einen ersten Entwurf erarbeitet, wo neue Häuser im Brückenhof entstehen könnten. Verdichtung sagen die Stadtplaner dazu. Es wird nicht auf der grünen Wiese gebaut, sondern dort, wo schon Leben ist.

Für die stellvertretende Ortsvorsteherin Birgit Hengesbach-Knoop sind solche Planungen „überfällig“. Das Quartier habe sich gewandelt, sagte sie im Ortsbeirat, wo Hanf das Projekt mit Stadtbaurat Christof Nolda und Stadtplaner Jens Herzbruch vorstellte.

Das einstige Problemviertel sei für viele „längst zu einer neuen Heimat geworden“, hat Hengesbach-Knoop festgestellt. Eltern, die nach dem Auszug der Kinder etwas Kleineres suchen, müssten heute aber oft wegziehen, weil kleinere Wohnungen für ein bis zwei Personen fehlten.

Eben dieses Problem könnte eine Erweiterung lösen. Zugleich würden so Wohnungen für neue Familien frei, wenn alteingesessene Bewohner etwas Kleineres finden.

Auf Kritik stießen im Ortsbeirat lediglich zwei Hochhäuser an der Heinrich-Plett-Straße, die als Tor zum Brückenhof gedacht sind, aber für viele zu massiv wirkten. Trotzdem urteilt Planer Herzbruch: „Die Reaktionen sind Rückenwind für uns."

In der HNA-Reihe über die großen Neubauprojekte der 1960er Jahre in Kassel klären wir, wie die Brückenhof-Siedlung in Oberzwehren eigentlich entstanden ist? 

Über die Entwicklungsideen informiert die Stadt auch am Freitag, 13. September, von 15 bis 18 Uhr auf dem Brückenhoffest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.