Privatleute kaufen Immobilie der GWH – Wohnungsbaugesellschaft weist Vorwürfe zurück

Langjährige GWH-Mieterin aus Kassel ist verärgert über den Verkauf ihrer Wohnung

Schämt sich für ihre Situation: Petra Fischer-Grunert wohnt seit 32 Jahren in der GWH-Wohnung.
+
Schämt sich für ihre Situation: Petra Fischer-Grunert wohnt seit 32 Jahren in der GWH-Wohnung.

Eine langjährige Mieterin der GWH kann nicht verstehen, warum das Wohnungsunternehmen ihre Wohnung einfach verkauft. Die GWH weist alle Vorwürfe zurück

Kassel - 32 Jahre lang war Petra Fischer-Grunert Mieterin bei der Wohnungsgesellschaft GWH. Die 71-jährige Rentnerin lebt mit ihrer körperbehinderten Tochter in einem Mehrfamilienhaus in der Unteren Bornwiesenstraße in Oberzwehren. Als die GWH ihr 2020 ankündigte, ihre Wohnung verkaufen zu wollen, sei sie aus allen Wolken gefallen. Sie könne nicht verstehen, warum die GWH günstigen Wohnraum mit langjährigen Mietverhältnissen an Private verkaufe .

Schon vor vielen Jahren habe die GWH damit begonnen, in ihrem Mietshaus einzelne Wohnungen zu veräußern. „Am Anfang wurde das nur gemacht, wenn gerade ohnehin ein Mieterwechsel anstand“, sagt Fischer-Grunert. Inzwischen würden auch vermietete Wohnungen den Eigentümer wechseln.

Nachdem die Rentnerin über den geplanten Verkauf informiert war, hatte sie zunächst Gelegenheit, ihr gesetzliches Vorkaufsrecht zu nutzen. „Ich sollte für die Wohnung 74 000 Euro zahlen. Aber wo soll ich in meinem Alter noch einen Kredit bekommen“, fragt sie. Ihre Tochter, mit der sie sich die 74-Quadratmeter-Wohnung teilt, ist arbeitslos.

Das Kasseler Ehepaar, das die Wohnung kaufte, kann Mutter und Tochter aber nicht wegen Eigenbedarfs kündigen. Auch Luxussanierungen sind nicht zulässig. Dafür sorgt eine von der GWH aufgesetzte Vereinbarung, die Käufer und Mieterin unterzeichnet haben. Nach Auskunft des Mieterbundes bietet diese einen guten Schutz für Mieter.

Dennoch macht sich Fischer-Grunert Sorgen, dass die neuen Eigentümer die gesetzlich zulässigen Mieterhöhungen voll ausschöpfen könnten. Aktuell zahlt sie knapp 600 Euro für die Wohnung.

Aus Sicht von Christian Wedler, Geschäftsführer der GWH-Bauprojekte, geht die GWH verantwortungsvoll mit den Interessen ihrer Mieter um. Dies zeige die auch in diesem Fall abgeschlossene Vereinbarung zwischen Käufer und Mieter. Zudem könne jeder Mieter – insbesondere langjährige Mieter – einem Verkauf widersprechen. Dazu sei die GWH zwar nicht verpflichtet, aber gerade bei langjährigen Mietern werde dies berücksichtigt.

„Dass ich den Verkauf einfach ablehnen kann, hat man mir nie gesagt. Sonst hätte ich es getan“, sagt die Rentnerin. Sie habe sich im Vorfeld des Verkaufs bei der GWH beschwert. Dabei sei sie lediglich auf das Vorkaufsrecht verwiesen worden. Schriftlich zeige die GWH den betroffenen Mietern diese Möglichkeit nicht auf, so Wedler. Aber im persönlichen Gespräch werde dies getan. Den Verkauf begründet er damit, dass die GWH für eine soziale Durchmischung in den Wohnvierteln sorgen wolle. Dies geschehe durch private Kleininvestoren. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.