Kasselwasser will gegen Wassermangel in der Dönche vorgehen

Erhaltenswertes Naturschutzgebiet: Zur Dönche gehört der Dönchebach, der in den vergangenen Jahren immer mehr unter Wassermangel litt. Archivfoto: Fischer

Kassel. Vergangenes Jahr gab es Alarm für die Dönche. Laut einem Gutachten drohen die Feuchtbiotope des 204 Hektar großen Naturschutzgebiets auszutrocknen.

Einen ersten Schritt, diesen Prozess aufzuhalten, wird die Stadt jetzt nächstes Frühjahr unternehmen. Ein neues Verteilungssystem für die Zuflüsse des Dönchebachs und des Nordshäuser Mühlgrabens oberhalb des Blütenwegs im Stadtteil Brasselsberg soll dafür sorgen, dass mehr Wasser als bisher in die Dönche strömt. Im Regelfall sollen Dönchebach und Mühlgraben nun jeweils die Hälfte des Wassers erhalten.

Oberhalb des Waldparkplatzes in Höhe Blütenweg sorgt ein Sandfang dafür, dass die vom Wasser mitgeführten Sedimente sich absetzen können. An diesem Sandfang werde man aus Wasserbausteinen ein Verteilsystem mit Schlitzen für den Durchfluss errichten sowie einen Überlauf, der bei Starkregen überschüssiges Wasser zusätzlich in Richtung Dönchebach leitet, teilte Tobias Rottmann von Kasselwasser während einer Sitzung des Eingabeausschusses im Kasseler Rathaus mit. Im Gegenzug werde das weiter unterhalb gelegene bisherige Trennbauwerk abgerissen. Laut Rottmann leitete dieses Bauwerk nur bei starken Regenfällen Wasser Richtung Dönchebach, der übrige Teil ging Richtung Mühlbach und Heisebach. Außerdem sollen in diesem Bereich Wasserröhren beseitigt werden, um einen naturnahen Zustand herzustellen. Die Kosten der ganzen Maßnahme werden auf 35 000 bis 40 000 Euro beziffert.

Kritik von Naturschützern

Bereits im Frühjahr hatte das Bündnis Dönche eine Petition zur Renaturierung des Dönchebachs bei der Stadtverordnetenversammlung eingereicht. Die jetzt gefundene Lösung reicht den Naturschützern nicht. Sie sei auch zu teuer. Jochen Wulfhorst vom „Zentrum für Biologische Vielfalt im Kasseler Becken und Umgebung“ erneuerte im Ausschuss die Forderung nach einer Sprengung des bisherigen Trennbauwerks, damit das Wasser sich selbst seinen Weg sucht. „Wir wollen eine kostengünstige Renaturierung“, sagte er. Sein Vorschlag sei für nur 1500 bis 2000 Euro umsetzbar. Solche Sprengungen seien erprobt.

Es dürften keine Privatinteressen von Brasselsberger Anwohnern bedient werden, die mehr Wasser für den Mühlgraben beanspruchten, um ungehindert ihre Fisch- und Schwimmteiche betreiben zu können.

Der Eingabeausschuss lehnte diese Forderungen jedoch - bei einer Gegenstimme der Linken - ab. Der Plan der Stadt sei „eine Möglichkeit, die man probieren sollte“, meinte Karl Schöberl von den Grünen. Bei Bedarf könne man die Verteilung später korrigieren. Eine Sprengung auf dem früheren Bergbau-Areal sei viel zu gefährlich, erklärte Heinz Gunter Drubel (FDP).

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