Taubenschlag in Oberzwehren

Ärger über Tauben an Bahnbrücke: Jetzt bekommen sie eine neue Heimat

Sie haben es auch nicht leicht: Stadttauben (hier auf einem Boot an der Fulda) wurden einst so gezüchtet, dass sie viele Eier legen. Heute beschweren sich Menschen in Großstädten über die vielen Tauben.
+
Sie haben es auch nicht leicht: Stadttauben (hier auf einem Boot an der Fulda) wurden einst so gezüchtet, dass sie viele Eier legen. Heute beschweren sich Menschen in Großstädten über die vielen Tauben.

Tauben sind für viele Menschen ein Ärgernis – etwa an der Haltestelle Keilsbergstraße in Oberzwehren. Hier sollen die Tiere jetzt ein neues Zuhause bekommen.

Kassel – Bianca Thormann kennt viele Vorurteile über Stadttauben. Sie seien die Ratten der Lüfte, heißt es oft. „Dabei verbreiten sie nicht mehr Krankheiten als andere Tiere auch“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kasseler Stadttaubenhilfe. Trotzdem sind Tauben für viele Menschen ein Ärgernis – etwa an der Haltestelle Keilsbergstraße in Oberzwehren.

Unter der Bahnbrücke nisten viele der Vögel. Zuletzt gab es Beschwerden über verendete Tiere. Thormann und ihre Mitstreiterinnen haben dafür eine Lösung: Sie schlugen dem Ortsbeirat vor, einen alten Bauwagen zu kaufen und ihn zum Taubenschlag umzubauen. Das hat das Stadtteilgremium nun einstimmig beschlossen.

Tierfreunde in Kassel engagieren sich für Tauben

In Kassel und vielen anderen Großstädten engagieren sich Tierfreunde wie Thormann für bessere Lebensbedingungen für Tauben. Davon profitieren auch die Menschen, wie Thormann sagt. Anders als Wildtauben sind Stadttauben verwilderte Haustiere. Sie verbreiteten sich, als nach dem Zweiten Weltkrieg viele ihre Zucht aufgaben. „Die Tiere sind bis heute darauf gezüchtet, so viele Eier wie möglich zu legen und die Nähe des Menschen zu suchen“, sagt Jekaterina Kulagina von der Stadttaubenhilfe.

Ehrenamtliche wie sie betreuen Taubenschläge, kümmern sich um Futter sowie Wasser und tauschen die Eier der Tiere gegen Gipseier aus. So wird die Population in Grenzen gehalten. „80 Prozent des Tages halten sich die Tauben in ihren Schlägen auf und sind nicht mehr groß auf der Straße zu sehen“, sagt Thormann.

Tauben in Kassel: Eier werden durch Gipseier ersetzt

Ihre Erfahrungen werden von der Stadt bestätigt. Unter dem Dach des Rathauses gibt es einen Taubenschlag, der Platz für 180 Tiere bietet. Auch hier werden die Eier regelmäßig durch Gipseier ersetzt.

Der Taubenschlag hat sich bewährt, wie ein Sprecher sagt: „Die Vögel halten sich etwa 16 Stunden am Tag innerhalb des Taubenschlags auf. Die umliegenden Gebäude werden weniger mit Kot verdreckt, Belästigungen durch umherfliegende Tauben werden vermieden.“ Im Haushalt stellt die Stadt darum Geld für die Einrichtung eines weiteren Taubenschlags zur Verfügung – sowohl für die Anschaffung wie für die Betreuung. Insgesamt sind es laut Thormann 8000 Euro.

Mit dem HNA-Newsletter Kassel nichts mehr aus der Region verpassen

Taubenschlag in Oberzwehren einrichten: Weniger Dreck unter Bahnbrücke

Der Oberzwehrener Ortsbeirat hat nun beantragt, den Taubenschlag an der Haltestelle Keilsbergstraße einzurichten – in Form eines Bauwagens, der vergleichsweise günstig und einfach umzubauen ist.

Dann soll es unter der Bahnbrücke auch weniger Dreck geben. Allerdings müssen dann auch die Menschen mitspielen. Kulagina hat im Umfeld von anderen Taubenschlägen festgestellt: „Der einzige Dreck, den ich da in der Nähe sehe, ist der von Menschen.“ (Matthias Lohr)

Tauben sorgen auf dem Balkon bei einigen Menschen für Unmut. Mit ein paar Tricks sind sie aber leicht und schonend loszuwerden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.