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Raum für Macher: Georg-August-Zinn-Schule hat einen „Maker-Space“

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Von: Christina Hein

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Schülerin Zeynep Tasdemir (15) und Lehrer Sait Toprakoglu, Leitet Digitalisierung an der der Georg-August-Zinn-Schule, am 3D-Drucker.
Am 3-D-Drucker im Maker-Space: Schülerin Zeynep Tasdemir (15) und Lehrer Sait Toprakoglu, Leitet Digitalisierung an der der Georg-August-Zinn-Schule. © Christina Hein

Im „Maker-Space“ können sich Schülerinnen und Schüler der Georg-August-Zinn-Schule, einer Gesamtschule in Kassel-Oberzwehren, digital ausprobieren und Kompetenzen entwickeln.

Kassel. Über einen „Maker-Space“ wie es ihn an der Georg-August-Zinn-Schule gibt, verfügt in dieser Form keine andere Schule in Kassel. Einen solchen mit elektronischen und digitalen Medien ausgestatteten Ort für freies Forschen und Entwickeln kreativer Produkte findet man sonst – größer dimensioniert – an Universitäten oder in Wirtschaftsunternehmen.

Die Schülerinnen Nerijana Bagdanaviciute (links) und Karolina Dvarvytyte arbeiten mit der Bluescreen-Technik.
Videos: Nerijana Bagdanaviciute (links) und Karolina Dvarvytyte arbeiten mit der Bluescreen-Technik. © Georg-August-Zinn-Schule

Zwei Räume an der GAZ sind voll ausgestattet mit technischem Equipment vom Feinsten: Computer, Beamer, Kameras, diverse Aufnahmegeräte und insgesamt sechs 3-D-Drucker stehen zur Verfügung. Auf dem Flur – wie es sich für eine Denkfabrik im Digitalzeitalter gehört – ein Kickerspiel.

Doch das ist verwaist. Die Schülerinnen und Schüler, die hier, begleitet von Mathelehrer David Reyes, leise und konzentriert in verschiedene Beschäftigungen vertieft sind, wollen lieber an ihren Projekten arbeiten. Sie haben das Wahlpflichtfach Tablet gewählt (früher hätte man „Informatik“ gesagt) und der „Maker-Space“ ist für sie nicht nur Lernort, sondern ein Eldorado zum Ausprobieren.

Beispielsweise ist Joel Heide (15) in „flipaclip“, eine neue App für Animationen, vertieft. Er testet – „auf Empfehlung meiner Kunstlehrerin“, wie er souverän erklärt, – deren Funktionen. Ob sie geeignet ist, auf den Tablets der Schule installiert zu werden, werde er feststellen.

Saleh Alhalabi (links) und Kristijan Venn erarbeiten Tutorials.
Fit am Computer: Saleh Alhalabi (links) und Kristijan Venn erarbeiten Tutorials für Mitschüler und Lehrer. © Hein, Christina

Klassenkameradin Zeynep Tasdemir (15) hat diese Woche die Aufgabe, die 45 I-Pad-Leihgeräte der GAZ für den Unterricht zu warten und zu pflegen. „Die wechselnde Wartung gehört für die Jugendlichen zum Pflichtprogramm“, sagt Sait Toprakoglu, der Leiter „Digitalisierung“ an der GAZ. Darüber hinaus gebe es keine Vorgaben, könnten ganz unterschiedliche Projekte angegangen werden.

So sind beispielsweise von Schülern gemachte Video-Tutorials entstanden, in denen erklärt wird, wie die Medien im Maker-Space funktionieren. Saleh Alhalabi und Kristijan Venn (beide 15) erklären etwa Schritt für Schritt für Schüler und Lehrer, wie der Beamer angewendet wird. Die Jugendlichen erschaffen Minecraft-Welten von Computerspielen ebenso wie sie CAD-Anwendungen für den 3-D-Drucker nutzen. Auch die digitale Schnitzeljagd zur Begrüßung der neuen Fünftklässler haben sie am Computer erstellt.

Jede Altersstufe findet ihre Erfolgserlebnisse, auch die Jüngsten, wenn sie sich am 3-D-Drucker ausprobieren und Einkaufschips oder Türstopper anfertigen. Entscheidend sei das kreative Potenzial der Schüler, denen im Maker-Space die Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt werden, so Toprakoglu. Nicht umsonst heißt Maker-Space übersetzt „Raum für Macher“. Was hier spielerisch passiert seien Vorstufen für qualifizierte Berufe.

Dieser praxisorientierte Ansatz in Hinblick auf eine Berufswahl ist Schulleiter Dominik Becker wichtig. Kooperationen mit Unternehmen seien deshalb erwünscht. Für Zeynep jedenfalls steht fest: „So was wie Programmieren kann ich mir beruflich gut vorstellen.“ Dass man dafür kein Mathe-As sein muss, habe sie überrascht.

Verzahnt mit Unterrichtsinhalten soll im Maker-Space alles zusammenlaufen. „Ziel ist es, dass der Ort allen, Schülern und Lehrern, frei zur Verfügung steht“, sagt Dominik Becker. „Wir wollten mit der Einrichtung unseres Maker-Spaces nicht warten, bis der geplante Neubau steht“, sagt Toprakoglu. Als das Tagesheim frei geworden war, habe man dort alle technischen und digitalen Geräte, die in der Schule in Schubladen schlummerten, zusammengetragen, so Becker. Mit eigenen Mitteln, etwa aus dem Europaschul-Budget, habe man gezielt weitere Technik eingekauft und beispielsweise die zwei 3-D-Drucker um vier weitere aufgestockt.

Der Maker-Space sei auch ein Baustein auf dem Weg zur Pädagogisch Selbstständigen Schule, so Dominik Becker. Der Antrag stehe kurz bevor. Ist es dann soweit, würde die GAZ auch mehr Freiheiten in der Verteilung von Unterrichtsstunden bekommen und könnte eine pädagogische Betreuung des Maker-Spaces auch außerhalb des Unterrichts sicherstellen. (Christina Hein)

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