Barbara Bogdon kämpfte auch für das Hallenbad Süd

Vorreiterin für Frauen: Oberzwehrens Ortsvorsteherin hört auf

Kennt Oberzwehren wie kaum eine andere: Mit dem Rückzug der SPD-Ortsvorsteherin Barbara Bogdon endet im fünftgrößten Kasseler Stadtteil eine Ära.
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Kennt Oberzwehren wie kaum eine andere: Mit dem Rückzug der SPD-Ortsvorsteherin Barbara Bogdon endet im fünftgrößten Kasseler Stadtteil eine Ära. (Archivbild)

Fast ein Vierteljahrhundert war Barbara Bogdon in der Kasseler Kommunalpolitik aktiv. Nun zieht sich die SPD-Politikerin zurück. In Oberzwehren endet damit eine Ära.

Kassel – Als Mädchen hätte Barbara Bogdon gern auf dem Fußballplatz und nicht nur daneben gestanden. Jedes Wochenende ging sie mit ihrem Vater auf den Sportplatz des TSV Oberzwehren. „Aber als Mädchen durfte ich nie mitspielen, sondern nur zuschauen“, sagt die Ortsvorsteherin von Oberzwehren.

Dafür war sie in der Kommunalpolitik mittendrin statt nur dabei. Seit 1997 gehört die Sozialdemokratin dem Ortsbeirat ihres Stadtteils an. Ein Jahrzehnt war sie Stadtverordnete (2006 bis 2016). Nun ist nach fast einem Vierteljahrhundert Schluss.

Wegen anhaltender Rückenproblemen hat sich die Finanzbeamtin nicht mehr für die Kommunalwahl aufstellen lassen. Dabei fühlt sie sich noch nicht alt. Am 1. März wird Bogdon 65. Aber die Gesundheit lässt ihr keine Wahl. Ihren Job im Finanzamt musste sie bereits vor eineinhalb Jahren aufgeben. Im nach Einwohnern fünftgrößten Kasseler Stadtteil endet damit eine Ära.

Stadtverordnetenvorsteher Volker Zeidler lobt seine Parteikollegin: „Sie war keine Lautsprecherin, aber eine hervorragende Stimme ihres Stadtteils, die die Probleme angegangen ist.“ Ein Problem vor 24 Jahren war, dass es wenige Frauen wie Bogdon gab. In die SPD eingetreten war sie schon 1973 – wegen ihres Großvaters, der ebenfalls Stadtverordneter war, besonders aber wegen Willy Brandt. Mit 41 Jahren sagte sie sich: „Man kann nicht immer nur mähren, sondern muss auch was tun.“ Vor allem als Frau.

Damals gab es mit ihr nur zwei weibliche Mitglieder im Ortsbeirat. In der nun zu Ende gehenden Wahlperiode waren es immerhin drei.

Bogdon ist stolz darauf, dass die meisten Entscheidungen im Ortsbeirat unter ihrer Führung einstimmig gefallen sind, wie sie sagt. Das heißt jedoch nicht, dass es keine unterschiedlichen Meinungen gab. In ihrer Zeit als Stadtverordnete hat sie gelernt, wie wichtig Kompromisse sind: „In den Fraktionssitzungen gab es zu manchen Themen zehn unterschiedliche Meinungen. Das war total lehrreich für mich.“

Aber es war auch nicht immer einfach. Als in den südlichen Stadtteilen vehement über den Bau des Gewerbegebiets im Langen Feld diskutiert wurde, war Bogdon im Zwiespalt. In ihrer Stadtverordnetenfraktion waren alle dafür, im Ortsbeirat alle dagegen. Erst nach langen Diskussionen fand im Stadtteilgremium ein Umdenken statt – auch wegen des Einsatzes von Bogdon, die heute sagt: „Das war eine harte Zeit.“

Hitzige Diskussionen gab es in ihrer Zeit als Stadtverordnete ebenfalls über die Schwimmbäder. Nicht wenige fürchteten damals, dass das Hallenbad Süd geschlossen werden könnte. Als sportpolitische Sprecherin ihrer Fraktion setzte sich Bogdon in der Bäderkommission jedoch mit aller Kraft für ihr Schwimmbad ein. Es wurde dann als erstes umgebaut und ist heute ein kleines Schmuckstück.

Gerade ist die Mutter eines Sohnes zum ersten Mal Oma geworden. Sie wird jetzt mehr Zeit für ihre Familie haben und die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen, die sie seit Jahren anfeuert.

Aber auch in ihrem Stadtteil wird sie weiter aktiv sein. In der Arbeitsgemeinschaft Oberzwehrener Vereine und Verbände hat sie unter anderem den Weihnachtsmarkt organisiert. Nun sagt sie: „Ich mache erst mal ein Jahr Pause, aber dann irgendwo weiter. Hier gibt es immer was zu tun.“

Frauen wie Bogdon sind weiterhin gefragt. Von den neun SPD-Kandidaten für den nächsten Ortsbeirat ist nur eine weiblich. (Matthias Lohr)

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