Heute beginnt die Fastenzeit der Muslime

So läuft der Ramadan in Corona-Zeiten

Die Mevlana Moschee in Oberzwehren
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Die Mevlana Moschee in Oberzwehren bleibt wegen der Coronakrise dieses Jahr auch an Ramadan geschlossen.

Versammlungsverbote, Kontaktsperren, keine Familienbesuche: Die Coronakrise hat viele Folgen für das religiöse Leben. Das traf schon das jüdische Pessachfest und Ostern – ab heute auch den Ramadan.

Für die Coronakrise gilt: „Jeder entscheidet selbst, ob er sich gesundheitlich zum Fasten in der Lage fühlt“, sagt Eryilmaz mit Blick darauf, dass Menschen ab 65 Jahren zur Corona-Risikogruppe zählen. „Im Zweifel soll das der Betroffene mit seinem Arzt abklären, denn die Gesundheit geht vor“, fügt er hinzu. Vieles, das in der Gemeinschaft geschieht, werde dieses Jahr nicht in der traditionellen Form stattfinden. „Die Moschee zum Beispiel wird dieses Jahr als sozialer Treffpunkt geschlossen sein“, sagt Eryilmaz. Dafür wolle die Türkisch Islamische Gemeinde im Internet auf ihrer Facebook-Seite und auf ihrem Youtube-Kanal Angebote schaffen. Eryilmaz sagt: „Unter anderem wird man die Koranrezitation online verfolgen können.“

Der Sinn von Ramadan sei es, die Situation der Ärmsten besser zu verstehen und Wege zu suchen, um deren Leid zu lindern und solidarisch zu sein, so Eryilmaz. „Es ist auch ein spirituelles Training und die Möglichkeit, eine neue innere Haltung zu zeigen.“

Für Muslime sei der Ramadan eine Chance. „Während der Fastenzeit gewöhnen wir uns um, verringern zum Beispiel das Rauchen oder hören komplett damit auf. Wir räumen uns innerlich auf, ordnen uns neu. Wir denken über unser Konsumverhalten nach, lernen Dinge wieder wertzuschätzen, die ohne das Fasten als selbstverständlich betrachtet werden“, sagt Eryilmaz. Ausnahmen gelten für Kleinkinder, Kranke und Reisende. „Sobald die Kranken genesen sind und die Reisenden zu Hause ankommen, holen sie entweder im Ramadan oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt das Fasten nach.“ Vor dem ersten Fastentag bereiten sich Muslime gedanklich auf Ramadan vor. „Wir distanzieren uns von allem, was bis dahin möglich und erlaubt war“, sagt Eryilmaz. An den Fastentagen gibt es vor Sonnenaufgang meist ein leichtes Frühstück. „Es ist ratsam, wählerisch zu sein. Alles, was zum Beispiel zuckerhaltig ist, kann bis Sonnenuntergang zu einer Belastung werden“, sagt Eryilmaz. Am Tag gingen die Muslime meist ihrer Arbeit nach, beteten fünf Mal. „Jeden Abend wird während des Teravih-Gebets eine bestimmte Anzahl an Koranversen rezitiert. Die Letzte in der 27. Nacht. Diese heißt Lailat al-Qadr (Nacht der Bestimmung). Sie ist ein besonderer Feiertag“, so Eryilmaz.

Abends steht das Fastenbrechen mit der Familie an. „Dies soll aber nicht zur Verschwendung und übermäßigem Verzehr führen, sondern im Gegenteil ein Bewusstsein schaffen“, so Eryilmaz. Das Wichtigste sei das Fitr am Ende des Ramadans. „Es ist eine Sozialabgabe an Bedürftige, die mindestens den Tagesbedarf einer Person deckt. Sie kann direkt an Bedürftige gegeben oder an eine Institution überwiesen werden, die es an Bedürftige weitergibt.“

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