Neue Elektro-Fahrzeuge im Einsatz

Unterwegs mit der Post: Auf ihn warten vor Weihnachten alle gerne

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Vorbereitungen am Morgen: Jörg Wagenknecht belädt eines der neuen Elektro-Fahrzeuge, mit denen die Deutsche Post die Pakete und Briefe ausliefert.

Kassel. Jörg Wagenknecht ist Postbote in Kassel. Besonders zu Weihnachten ist das ein stressiger Job. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet.

Einige Klischees stimmen halt doch. „Ja, ich wurde schon vom Hund gebissen“, sagt Jörg Wagenknecht und lacht. Der 51-Jährige ist Postbote in Kassel – und hat in 35 Jahren einiges erlebt. 

Wir begleiteten ihn bei seiner Tour durch Ober- und Niederzwehren, bei der er bis zu 1200 Briefe und 100 Pakete verteilt. In der Weihnachtszeit sind es mehr als doppelt so viele Pakete, die Wagenknecht ausliefern muss. Gerade im Dezember steigt der Stresspegel. Die über 800 Haushalte, die Wagenknecht beliefert, wollen schließlich rechtzeitig ihre Geschenke erhalten. „Montags sind die auszutragenen Pakete noch vergleichsweise überschaubar, aber ab Dienstag sind die Laderäume unserer neuen Wagen bis zum Rand gefüllt“, sagt er. Im Zustellzentrum der Post in der Korbacher Straße, in dem die Briefsendungen für Ober- und Niederzwehren organisiert werden, beginnt die Arbeit daher schon vor sechs Uhr.

Trotz des Weihnachtsstresses geht Wagenknecht auch im Dezember in seinem Beruf voll auf. Vor 35 Jahren hat der Lohfeldener genau eine Bewerbung verschickt – an die Post. Er wurde genommen und arbeitete seitdem leidenschaftlich als Zusteller. „Die Leute kennen mich schon, und ich kenne die Leute“, sagt Wagenknecht, während er auf seiner Tour immer wieder vorbeifahrenden Autofahrern winkt. „Sie alle beliefere ich.“

Postbote ist Kontaktperson

Für manche sei der Postbote auch eine von wenigen Kontaktpersonen, die sie in ihrem Leben noch haben. „Die Anonymisierung und die Vereinsamung in den Städten nehmen leider immer mehr zu. Gerade ältere Menschen freuen sich auf mich, auch wenn ich nur ein Werbeblättchen einwerfe“, erzählt er. Für ein kurzes Gespräch habe er immer Zeit. Gerade in der Adventszeit wird Wagenknecht dafür von seinen Kunden besonders geschätzt.

Manchmal gibt es aber auch kleinere Probleme. „Viele Kunden sind zwar zu Hause, hören aber die Klingel nicht“, sagt Wagenknecht. Beim Kochen, Duschen oder Staubsaugen gehe die Klingel oftmals unter. „Lustig wird es, wenn mir die Leute beim Kochen am Fenster winken, nachdem ich geklingelt habe und mir keiner geöffnet hat“, sagt er und lacht.

Der 51-Jährige nimmt viele Dinge mit Humor. In seiner Karriere hat er schon einige kuriose Pakete ausliefern müssen. „Als wir zwei Paletten Blumenerde in ein Hochhaus tragen mussten, wurde uns schon mulmig. Glücklicherweise konnten wir sie in einer Garage abstellen“, erzählt Wagenknecht. Die Leute würden immer wieder interessante Dinge bestellen. „Es gibt auch Leute, die Regentonnen über die Post versenden lassen.“

Genau wegen dieser kuriosen Momente, wegen der Gespräche und wegen der Menschen steht Wagenknecht täglich vor dem Morgengrauen auf und bringt die vielen Briefe und Pakete zu den Leuten.

Viel Platz im Elektro-Fahrzeug

Seitenansicht: Der Laderaum lässt sich auch seitlich öffnen.

Seit Kurzem sind die Zusteller der Post mit neuen Elektro-Fahrzeugen unterwegs. „Der Wagen fährt sich wie ein normales Auto“, beschreibt Jörg Wagenknecht das Fahrgefühl des so genannten Street-Scooters, der auch in Kassel zum Einsatz kommt.

Alles im Blick: Auf einem Monitor sieht der Fahrer, was um seinen Wagen passiert.

 „Er schont durch seinen Elektro-Antrieb nicht nur die Umwelt, sondern ist auch kaum zu hören“, erklärt Wagenknecht. In den kommenden Monaten sollen die Fahrzeuge aber lauter gemacht werden. „Das ist vom Gesetzgeber so vorgesehen und dient ja auch zur Sicherheit. Leute, die nicht so gut sehen können, müssen uns schließlich rechtzeitig hören.“ Mit größerem Geräuschpegel würden die Fahrzeuge aber immer noch vergleichsweise leise über die Straßen fahren. Die Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern, die der Wagen mit Automatischer Schaltung erreicht, ist er noch nicht gefahren. „Das geht in der Stadt natürlich nicht.“ 

Für Sicherheit sorgen Kameras, die am Wagen montiert sind. Auf einem Monitor im Fahrerhaus hat Wagenknecht nicht nur den Bereich hinter dem Heck im Blick. Auch an den Seiten befinden sich Kameras. Wagenknecht schwärmt auch von der automatischen Heizung, die im Winter ab einer einstellbaren Uhrzeit einsetzt und so die Scheiben bereits vor Arbeitsbeginn von Eis befreit. 

Laut Betriebsleiter Hermann Wiederhold kostet einer der Wagen, den die Post selbst entwickelt und baut, um die 30.000 Euro. „In diesem Jahr konnten 2000 Fahrzeuge den Betrieb aufnehmen“, erklärt Wiederhold. In den kommenden Jahren sei geplant, die alten Wagen komplett durch die Elektro-Fahrzeuge zu ersetzen. „Das ist Teil des so genannten ‘Go-Green’-Programmes. Damit wollen wir eine CO2-freie Zustellung sicherstellen“, erklärt Wiederhold. 

Die Wagen werden über Nacht an Ladestationen bei den Zustellstützpunkten aufgeladen, ehe die Arbeit mit den Fahrzeugen beginnen kann. „Die Street-Scooter erleichtern meine Arbeit sehr“, meint Wagenknecht.

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