Rollstuhlgerecht umgebaut

Wohnen in der ehemaligen KVG-Trafostation

Hell und großzügig: Katja und Manfred John in ihrem Wohn- und Esszimmerbereich. Wo heute Tisch und Stühle stehen, standen einst die Transformatoren für die Straßenbahn. Fotos: Schachtschneider

Oberzwehren. Ihr Haus hat für Familie John eine besondere Bedeutung. Die um- und ausgebaute ehemalige Straßenbahn-Trafostation ist für sie der Rückgewinn der Selbstständigkeit.

In dem Haus im Ortskern von Oberzwehren fühlen sie sich nicht nur wohl. Das Haus lässt sie auch ihren oft nicht einfachen Alltag meistern.

Seit einem schweren Motorradunfall im September 2009 sitzt Manfred John wegen einer Querschnittslähmung im Rollstuhl. In der früheren Mietwohnung habe er nur Probleme gehabt, berichtet der 51-Jährige ehemalige Vertriebsleiter. Türen zu eng, viele Stufen, zu wenig Platz. So sei der Wunsch entstanden, ein eigenes Heim zu erwerben und nach den eigenen Bedürfnissen auszubauen.

„Ich war gleich hin und weg“

Mit ihm sind alle drei Ebenen erreichbar: der in die Trafostation eingebaute Hublift.

Dass ihre Wahl ausgerechnet auf diesen KVG-Zweckbau fiel, sei Zufall gewesen. Die Immobilie, die damals von einer freikirchlichen Gemeinde genutzt wurde, stand zum Verkauf. Nicht wirklich begeistert davon, habe man sie sich wenigstens ansehen wollen. Doch schon nach der ersten Besichtigung war klar, dass es dieses Haus sein sollte. Die zentrale und doch ruhige Lage, die Möglichkeiten der Umgestaltung, die Art-Deco-Architektur („quadratisch, praktisch, gut“). „Ich war gleich hin und weg“, sagt Katja John rückblickend.

Mit dem Erwerb stand das Paar vor einer großen Baustelle. Bewältigt habe man diese mit einem guten Architekten und den fleißigen Händen von Freunden und Bekannten, betonen die Bauherrn. 2011 wurde entkernt, Anfang 2012 der Umbau begonnen.

Im Juni 2013, als die untere der drei Ebenen fertig war, zogen die Johns in ihr rollstuhlgerechtes Heim ein. Wo früher Transformatoren standen, ist nun das helle und großzügige Wohnzimmer mit Kaminofen, Esstisch, angeschlossener Küche und großer Fensterfront. Auf der Rampe davor wurden einst die Trafos zur Wartung herausgefahren.

Alt und modern im Wechsel

Noch mit Treppe: So sah die Oberzwehrener Trafostation aus, als die Johns sie 2011 übernahmen. Fotos aus den Zeiten der KVG-Nutzung gibt es nach Angaben der Hauseigentümer leider nicht mehr. Foto: privat

Altes und Modernes im interessanten Wechselspiel: „Das Wesentliche des Gebäudes ist so belassen worden, wie es war“, erklärt die 50-jährige ehemalige Marketingleiterin. Außenmauern, Dacheindeckung, Dachstuhl, Decken und Türen blieben. Wände wurden herausgerissen, die Statik verstärkt sowie Rampen, Hublift und Gasbrennwert-Therme eingebaut. Die Baukosten schätzen sie auf 1500 Euro pro Quadratmeter.

„Wir waren damals naiv und blauäugig. Aber es war der richtige Schritt“, betonen die Eigentümer. In einem kleinen und abgelegenen Neubau wären sie nie allein zurechtgekommen. Katja John ist von dem jetzt sogar mit einem Preis ausgezeichneten Um- und Ausbau (siehe Hintergrund) ihrer Gebrauchtimmobilie überzeugt. „Es lohnt, sich auf so etwas einzulassen.“

Trotz des folgenschweren Unfalls und der finanziellen Belastung seien sie stets zuversichtlich geblieben. „Wir haben mit diesem Haus Glück im Unglück gehabt“, sagt Manfred John. hintergrund

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