Immobilie sorgt seit Jahren für Ärger

Nachbarn über zwangsgeräumtes Haus: „Schandfleck von Oberzwehren“

Kassel. „Wir hatten hier schon furchtbar viel Ärger“, sagt eine Frau, die im alten Ortskern von Oberzwehren lebt. Damit meint sie das marode Haus, das am Mittwoch zwangsgeräumt wurde.

Seit Jahren gebe es Probleme mit dem baufälligen Fachwerkhaus, das die Polizei jetzt am Mittwochabend evakuierte.

„Das ist der Schandfleck von Oberzwehren.“ Wie lange darin die 51 Bulgaren und Rumänen, die am Mittwoch von der Polizei herausgeholt wurden, schon lebten, ist bis jetzt unklar. Offiziell steht das Haus leer. Doch hatten es sich bis Mittwoch 51 Männer, Frauen und Kinder illegal zur Unterkunft gemacht.

Aber beim Blick von außen ist kaum vorstellbar, dass darin überhaupt ein menschenwürdiges Wohnen möglich ist. Dachfenster haben keine Scheiben, es regnet hinein. Große Risse zeugen davon, wie baufällig das Gebäude ist, in dem sich laut Nachbarn vor langer Zeit einmal eine Bäckerei befunden haben soll.

In den vergangenen fünf Jahren habe es geschätzte vier Eigentümerwechsel gegeben, sagt eine Nachbarin. Besonders schlimm sei es vor etwa einem Jahr gewesen. Müll habe sich auf dem Grundstück und im Haus bis teils unter die Decken gestapelt. Zeitweise seien Ratten ein- und ausgegangen. Durch einen Hagelschaden, der schon Jahre zurückliege, ist die Fassade beschädigt. Immer wieder würden gerade bei starkem Wind Teile der Fassade herunterstürzen. „Das ist lebensgefährlich“, sagt eine Nachbarin.

Vor einigen Wochen habe die städtische Bauaufsicht das Haus gesperrt und auch gesichert, sagte Rathaussprecherin Petra Bohnenkamp. Außerdem sei eine Nutzungsuntersagung verhängt worden. Das könne aber nicht verhindern, dass sich Menschen trotzdem illegal Zutritt verschafften. Mehrere Mitarbeiter der Stadt seien seit der Zwangsräumung im Einsatz, auch um den Status der Evakuierten zu klären.

Autos mit bulgarischen und rumänischen Kennzeichen seien im Quartier immer wieder aufgefallen, so ein Nachbar. Teils hätten darin auch Menschen übernachtet.

Einige Nachbarn berichten, dass Banden dieses und andere Häuser in Kassel als Stützpunkte genutzt hätten, um Frauen, Männer und Kinder zum organisierten Betteln in umliegende Städte zu bringen. Polizeisprecher Torsten Werner sagte, dass es darüber keine Erkenntnisse gebe.

Hintergrund:

Immer mehr Südosteuropäer in Kassel

Geradezu sprunghaft angestiegen ist die Zahl der Bulgaren und Rumänen, die in den vergangenen fünf Jahren nach Kassel gekommen sind. Nach Angaben, die der Magistrat kürzlich im Schulausschuss der Stadtverordnetenversammlung auf eine Anfrage der CDU machte, sei die Anzahl um das Dreifache gestiegen. Lebten 2009 noch 534 Bulgaren in Kassel, waren es Ende 2013 schon 1407. Auf niedrigerem Niveau, aber stärker ist die Zahl der Rumänen gestiegen. 2009 waren es 188, fünf Jahre später 569. Verhältnismäßig stark wächst der Anteil der Kinder unter den Bulgaren. Ende 2013 lag er bei 13,2 Prozent, 2009 waren es 9,9 Prozent. (clm)

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