KVG hofft auf baldige Lösung

Lautes Quietschen und Häuser wackeln: Anwohner klagen über laute Straßenbahnen

Ständiges Quietschen und laute Haltestellenansagen: Die Anwohner (von links) Barbara Bogdon, Willi Kilian, Wolfgang Bogdon, Wilfried Löwer und Antonella Epikol klagen über Straßenbahnlärm in Oberzwehren.
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Ständiges Quietschen und laute Haltestellenansagen: Die Anwohner (von links) Barbara Bogdon, Willi Kilian, Wolfgang Bogdon, Wilfried Löwer und Antonella Epikol klagen über Straßenbahnlärm in Oberzwehren.

In Kassel quietscht und wackelt es: Anwohner beschweren sich über laute Bahnen der KVG.

Kassel – An den Autolärm von der Altenbaunaer Straße hat sich Willi Kilian längst gewöhnt, aber seit einiger Zeit muss der 86-Jährige nun auch den Krach von der anderen Seite seines Hauses in Oberzwehren ertragen. Dort verläuft die Straßenbahnlinie, wo die Trams immer lauter werden, wie Kilian klagt: „In Ruhe kann man gar nicht mehr im Garten sitzen.“

Mit dieser Feststellung ist der ehemalige Fliesenleger nicht allein. Schon lange beschweren sich Anwohner der Altenbaunaer und Mattenbergstraße über in den Kurven quietschende Straßenbahnen und zu laute Ansagen. Zudem würden sich zahlreiche Fahrer nicht an die dort vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern halten.

Anderswo in der Stadt gibt es ähnliche Klagen über die Straßenbahnen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG). Bei den Anwohnern der Landgraf-Karl-Straße in Wilhelmshöhe sind quietschende Trams schon länger ein Thema. Auch der Ortsbeirat Oberzwehren hat sich bereits im November vorigen Jahres mit der Problematik beschäftigt. Bei der Sitzung vor zehn Monaten versprach ein KVG-Vertreter Abhilfe. Geändert, habe sich seitdem trotzdem nichts, stellt Ortsvorsteherin Barbara Bogdon fest, die ebenfalls direkt an der Straßenbahnlinie wohnt.

Ihr Nachbar Wilfried Löwer sagt: „Ab und zu wackeln bei uns die Grundmauern.“ Die Schmieranlagen, die laut KVG unweit der Haltestelle Altenbaunaer Straße/Europaschule und an 69 anderen Punkten in der Stadt einen Fettfilm auf die Schienen aufbringen, können das Problem seiner Ansicht nach nicht lösen.

Das ahnt man auch bei der KVG. Denn die Anlagen seien sehr wartungsintensiv und müssten häufig nachjustiert werden. Darum setzt man auf eine andere Lösung. Bundesweit würden ÖPNV-Unternehmen wegen der Geräusche ihrer Straßenbahnen im Austausch stehen und mit Universitäten zusammenarbeiten. „Die Lösung wurde jedoch, trotz zahlreicher zunächst vielversprechender Ansätze und zahlreicher getesteter Verfahren, bisher leider nicht gefunden“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Mittlerweile favorisiere man ein weiteres Modell, das gerade vorbereitet werde.

„Wir werden zu gegebener Zeit darüber informieren und bitten bis dahin um etwas Geduld“, sagt Hamdad. Ein Satz, den man in Oberzwehren so ähnlich bereits im November 2019 gehört hat. Vor der damaligen Sitzung hatte die KVG die Geschwindigkeit ihrer Straßenbahnen in der 20-km/h-Zone ausgewertet. Ergebnis: Lediglich bei fünf (Richtung Mattenberg) und acht Prozent (Richtung Stadtmitte) aller Fahrten sei eine Bahn zu schnell gewesen. Laut Hamdad kann „eine häufige Überschreitung absolut ausgeschlossen werden“.

Hoffnung können sich die Anwohner allerdings bei den Haltestellenansagen machen. In 19 der 80 Straßenbahnen sei die Lautstärke bereits gesenkt worden, die anderen sollen nach und nach folgen.

Das wird auch Wilfried Löwer freuen, der Ansagen wie „Linie 5 Richtung Mattenberg“ schon vor Eintreffen der Bahn aufsagen kann, als kenne er den gesamten Fahrplan auswendig. Er fragt sich: „Warum müssen die so laut quäken?“

Von Matthias Lohr

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