Bau-Innung und Steuerzahlerbund kritisieren

Öffentliche Bauprojekte: Verteuerung hat System

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Flughafen Kassel-Calden

Kassel. Ob Staatstheater-Sanierung, Uni-Campus, Auebad oder der Flughafen Calden: Fast immer werden öffentliche Bauprojekte teurer als zunächst geplant. Der Bund der Steuerzahler erkennt dahinter ein System:

So sagte Präsident Karl Heinz Däke kürzlich: „Häufig werden die Baukosten im Planungsstadium bewusst niedrig gehalten, um die erforderliche politische Zustimmung zu erhalten. Wenn das Projekt einmal begonnen hat, wissen Auftragnehmer, dass dann auftauchende Zusatzkosten oder politische Sonderwünsche auch finanziert werden.“

Beim Kasseler Theater konnte man beobachten, wie dies funktioniert: Weil das Ausweich-Spielzelt auf dem Friedrichsplatz wegen der documenta 2007 dringend wegmusste, hätte niemand einen Baustopp riskiert, um die Kostenfrage neu zu ordnen. Am Ende wurde das Vorhaben um 70 Prozent teurer als geplant.

Auch Thilko Gerke, Chef der Baufirma Rennert und Obermeister der Bau-Innung Kassel, kennt den Mechanismus: „Vor allem bei Projekten, die politisch gewollt sind, wird die Kostenschätzung gern an der Untergrenze angesetzt“, sagt er.

Dass sich Baukosten in gewissem Umfang verteuern, sei normal. Gerade bei Bestandsbauten, die im Publikumsbetrieb seien, könne man vorab „nicht jede Wand aufmachen“, um sanierungsbedürftige Details zu finden.

Großprojekte mit langem Planungsverlauf

Zudem würden in den Ausbaugewerken die Kosten binnen weniger Jahre seit Planungsbeginn „durchaus im zweistelligen Bereich“ steigen. Bei Neubauten hingegen, so Gerke, sei es weniger zu verstehen, wenn Kosten erheblich aus dem Rahmen fielen – es sei denn, es handele sich um wirkliche Großprojekte mit langem Planungsvorlauf, bei dem zunächst „jeder Bürger und jeder Molch gefragt“ werden müsse.

Gerke sagte, wenn ein gewerblicher Investor vor einer ähnlichen Kostensteigerung wie im Fall des Staatstheaters stünde, „wäre der mit seinen Finanzierungsmitteln am Ende und müsste aufhören“.

Andererseits würden private Bauherren beharrlich nachverhandeln, wenn es teurer werde. Die öffentliche Hand sei dagegen wenig flexibel und für Auftragnehmer berechenbarer.

Von Axel Schwarz

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