Warnstreik am Donnerstag: Darauf müssen sich die Kasseler einstellen

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Rücken nicht aus: Die Bus- und Straßenbahnfahrer der Kasseler Verkehrsgesellschaft streiken am Donnerstag. Das Foto stammt von einem Streik vor drei Jahren.

Kassel. Keine Trams, keine Müllabfuhr, kaum fahrende Busse: Der Öffentliche Dienst will am morgigen Donnerstag Stärke in den laufenden Tarifverhandlungen demonstrieren. Das hat erhebliche Auswirkungen für die Menschen in Kassel und Umgebung. Wir zeigen, wo es haken wird.

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Morgen ist Streik: Keine Trams, keine Müllabfuhr, kaum Busse

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di will Stärke demonstrieren. Sie hat ihre nordhessischen Mitglieder im öffentlichen Dienst zu einem Warnstreik aufgerufen. Allein bei der Stadtverwaltung Kassel arbeiten 1900 Mitarbeiter – noch einmal so viele bei den Kasseler Verkehrs- und Versorgungsbetrieben (KVV). Entsprechend groß können die Auswirkungen des morgigen Warnstreiks sein.

Aktualisiert um 14.35 Uhr

Damit will Ver.di den Forderungen für den nächsten Tarifvertrag im öffentlichen Dienst Nachdruck verleihen: 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro verlangen Ver.di, Beamtenbund und Tarifunion (DBB) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Bürger könnten vor verschlossenen Türen stehen

Die Tarifverhandlungen haben erst am Donnerstag begonnen. Nachdem die Arbeitgeber die Gewerkschaftsforderungen als „vollkommen abwegig“ ablehnten, reagiert Ver.di nun mit Warnstreiks.

Die Stadtverwaltung Kassel will sich bemühen, dass der Betrieb trotz des Streiks wie gewohnt weiterläuft, sagt Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Nur der Schalter des Kundenservice im Foyer des Rathauses wird definitiv nicht besetzt sein.

Alle übrigen Stellen sollen über einen Notdienst besetzt sein. Es könne aber zu langen Wartezeiten kommen, zum Beispiel beim Einwohnerservice oder in der Zulassungsstelle. Schweinsbergs Rat: „Wer kann, sollte seinen Behördengang auf einen anderen Tag verschieben.“

Trotz aller Vorbereitungen könne nicht ausgeschlossen werden, dass Stellen letztlich doch nicht besetzt seien. „Es kann sein, dass Bürger im Einzelfall vor verschlossenen Türen stehen“, sagt Schweinsberg. Intern werde die Stadtverwaltung ein Nottelefon einrichten. Wenn in einer Schule oder einer Kita die Heizung ausfällt, könne ein Hausmeister erreicht werden.

Kommunen bereiten sich mit Notfallplänen vor

Die Kommunen im Altkreis Kassel haben Notfallpläne in den Schubladen. Die meisten gehen zwar davon aus, dass sie nicht zum Einsatz kommen. Nur in Baunatal ist schon jetzt klar, dass die Ver.di-Mitglieder in den Ausstand treten werden. Die Verwaltung will dann kurzfristig den vorhandenen Notfallplan umsetzen. Von den fünf Kindertagesstätten in Fuldatal sind morgen nur die in Ihringshausen und Simmershausen mit je einer Gruppe geöffnet. Die Eltern werden über Aushang informiert.

Die Streikenden wollen mit Kundgebungen und Demonstrationen auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Sie treffen sich um 7 Uhr am Busdepot an der Sandershäuser Straße und am Klinikum sowie um 8 Uhr bei den Städtischen Werken am Königstor. Von ihren Treffpunkten ziehen sie ab 8.45 Uhr in Richtung Innenstadt. Dadurch wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Die Hauptkundgebung mit Ver.di-Funktionären findet dann ab 10 Uhr vor dem Rathaus statt. Danach werden die Streikenden gemeinsam über den Ständeplatz zum Kulturbahnhof ziehen.

So soll der Streik konkret aussehen:

Busse und Bahnen

Während des Streiks werden am Donnerstag im gesamten Stadtgebiet sowie auf den Strecken nach Baunatal, Vellmar und durch das Lossetal wohl weder die Trams noch die blauen Busse der KVG fahren. Somit entfallen sämtliche Fahrten der Linien 1 bis 29. Die Linien 38 und 39 werden unregelmäßig bedient, auch auf der Linie 37 kann es zu Ausfällen kommen.
Das Kundenzentrum in der Kurfürstengalerie bleibt geschlossen. Die KVG empfiehlt ihren Kunden, auf regionale Verbindungen umzusteigen:
• Von Ihringshausen und Niedervellmar mit der Bahnlinie R1 bis Hauptbahnhof.
• Von Obervellmar und Vellmar-Osterberg mit RT3 oder RT4 bis Hauptbahnhof.
• Von Jungfernkopf und Harleshausen mit RT3 oder RT4 bis Hauptbahnhof oder mit Bus 41 in Richtung Bahnhof Wilhelmshöhe. Ab Harleshausen fahren Busse der Linie 110 in die Innenstadt.
• Vom Brasselsberg mit dem Bus 51 oder 52 zum Bahnhof Wilhelmshöhe oder in die Innenstadt.
• Von Baunatal mit Bus 51 bis Bahnhof Wilhelmshöhe.
• Ab Bahnhof Wilhelmshöhe mit dem Regionalzug, der RT5 und RT9 oder den Buslinien 52, 1300 und 500 in Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof.
• Im Lossetal gibt es kaum Alternativen. Von Kaufungen fährt der Bus 34 bis Escherode und von dort Bus 32 bis Hauptbahnhof. www.kvg.de

Kitas

Der geplante Warnstreik wird auch erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb der städtischen Kindertagesstätten haben. 18 der 30 Kitas bleiben am Donnerstag geschlossen. Die übrigen zwölf Kitas bieten einen Notdienst an. Welche Kita welche Kinder übernimmt, sei den Eltern am Mittwoch über ein Schreiben mitgeteilt worden, sagte der Pressesprecher der Stadt, Hans-Jürgen Schweinsberg. Die 45 Kindertagesstätten von privaten Trägern werden von dem Streik nicht beeinträchtigt. Ursprünglich hatte die Stadt angekündigt, alle Kitas blieben mit einer Notdienstbesetzung geöffnet. Am Mittwochmorgen habe sich aber nun herausgestellt, dass mehr Mitarbeiterinnen als erwartet an dem Warnstreik teilnehmen, sagte Schweinsberg. Deshalb müssten zwei Drittel der städtischen Kitas schließen.

Folgende Kitas haben am Donnerstag geöffnet und bieten einen Notdienst an: Kita Bettenhausen, Kita Dr.-Hermann-Haarmann-Haus, Kita Forstbachweg, Kita Harleshausen I, Kita Harleshausen II, Kita Niederzwehren, Kita Brückenhof, Kita Mattenberg, Kita Ahnabreite, Kita Zierenberger Straße, Kita Kinderhaus Waldau, Hort Auefeldschule.

Diese Kitas sind am Donnerstag geschlossen: Kita Eichwald, Kita Brasselsberg, Kita Bossental, Kita Fasanenhof, Kita Lindenberg, Kita Wolfhager Straße, Kita Jungfernkopf, Kita Kirchditmold, Kita Struthbachweg I, Kita Nordshausen, Kita Oberzwehren, Kita Philippinenhof, Kita Rothenditmold, Kita Kinderhaus Landaustraße, Kita Menzelstraße, Kita Waldau II, Kita Sara-Nußbaum-Haus, Kita Hasenhecke.

Müllabfuhr

Der Betrieb der Stadtreiniger wird den ganzen Tag über vollständig bestreikt. Die Straßen werden nicht gereinigt, und alle Einrichtungen bleiben geschlossen, auch die beiden Recyclinghöfe an der Königinhofstraße und der Dittershäuser Straße.
Auch die Müllabfuhr wird am Donnerstag nicht unterwegs sein. Weder Restmüll noch Altpapier, Gelbe Säcke, Sperrmüll oder Bioabfall werden abgeholt. Die Abfuhr verschiebt sich deshalb in dieser Woche um einen Tag, erklärte die Sprecherin der Stadtreiniger, Birgit Knebel. Die Touren vom Donnerstag werden am Freitag bedient, die Abfuhr vom Freitag findet am Samstag statt. www.stadtreiniger.de

Klinikum & Co.

Von dem ganztägigen Warnstreik sind auch die Unternehmen der Gesundheit Nordhessen betroffen. Dazu gehören in Kassel das Klinikum, die Seniorenwohnanlagen Kassel, das Reha-Zentrum und die Servicegesellschaft Ökomed.
Außerdem werden Streikauswirkungen in den Kreiskliniken in Wolfhagen, Hofgeismar und Helmarshausen sowie dem Krankenhaus Bad Arolsen spürbar sein.
Trotz des Streiks würden laufende Therapien fortgeführt, auch die Kreißsäle seien regulär mit Hebammen besetzt, sagt Sprecherin Gisa Stämm. Die Unternehmensleitung sei bemüht, die Beeinträchtigungen für Patienten so gering wie möglich zu halten.

Und sonst noch:

Wegen des Streiks bei den Städtischen Werken bleiben das Stadtbad Mitte und das Hallenbad Süd am Donnerstag geschlossen. Ebenfalls geschlossen bleiben das Zahlungszentrum der Städtischen Werke im Königstor sowie das Kundenzentrum in der Kurfürstengalerie – nicht betroffen sind die angegliederten Kundenschalter von HNA und Netcom. Der telefonische Kundenservice der Städtischen Werke wird nicht erreichbar sein.
Aufrecht erhalten bleibt ein Notdienst für Bereiche, die versorgungs- und sicherheitsrelevant sind. So gibt es Notbesetzungen in den Kraftwerken der Kasseler Fernwärme GmbH sowie der Leitwarte der Städtischen Werke.

Von Bastian Ludwig und Marcus Janz

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