Markthallen-Konferenz: Alle anderen haben jeden Werktag geöffnet

An zweieinhalb Tagen pro Woche gibt’s Frisches im Marstall: In der Kasseler Markthalle kauft Kundin Andrea Schade (rechts) bei Obst- und Gemüsehändlerin Alina Graw ein. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Frische Ideen für die Zukunft der Kasseler Markthalle gab es am Montag bei einer Konferenz im IHK-Haus der Wirtschaft, bei der Markthallenbetreiber aus ganz Deutschland sowie aus Dänemark und den Niederlanden ihre Erfahrungen austauschten.

Dabei wurde deutlich: Bei der Außendarstellung, beim Thema Öffnungszeiten und bei der Gewinnung neuer Marktbeschicker kann die Händlergemeinschaft im Marstall von vielen Ideen der Kollegen aus anderen Städten profitieren.

So nimmt Europas modernste Markthalle, die im Herbst in Rotterdam eröffnet wird, ihren Händlern das Problem ab, geeignetes Verkaufspersonal zu finden: Die Betriebsgesellschaft dort rekrutiert und schult selbst Verkäufer und bietet diese im Paket mit der Standmiete an. Betreiber aus Stuttgart und Dresden stellten vor, wie man durch Führungen, Kurse und Kulinarik-Events die Kundschaft vom Supermarkt in die Hallen locken kann. Und mancherorts können sich mehrere Anbieter einen Marktstand teilen, wenn sich Miete und Betrieb für den Einzelnen nicht lohnen.

Die Tagung mit 35 Teilnehmern hat nach Angaben des Kasseler Hallen-Geschäftsführers Andreas Mannsbarth gezeigt, „dass Markthallen kein Auslaufmodell sind“ und durchaus Chancen hätten, sich gegen immer länger geöffnete Supermärkte sowie den Online-Handel zu behaupten. Der Erlebnischarakter einer Fülle frischer, regionaler Produkte müsse aber angemessen herausgestellt und vermittelt werden. Außerdem, so sagte ein Vertreter der Frankfurter Kleinmarkthalle: Die zentrale innerstädische Lage der Hallen sei „ein ganz starker Vorteil“.

Allerdings wurde auch klar, dass der Kasseler Marstall unter allen Teilnehmern die kürzesten Öffnungszeiten hat – donnerstags, freitags und den halben Samstag, statt wie bei den Kollegen an allen Werktagen. Dieses immer wieder debattierte Thema lasse sich allenfalls mittelfristig ändern, sagte Mannsbarth. Der Hintergrund sei, dass etwa 70 Prozent der Anbieter in Kassel ihre Produkte selbst erzeugen – und dafür brauchten sie einen Teil der Woche Zeit. In anderen deutschen Hallen werde das Gros der Marktbeschicker von reinen Händlern gestellt – für die sei es weit weniger ein Problem, die ganze Woche über geöffnet zu haben.

Kein gangbarer Weg wäre es der Diskussion zufolge, wenn jeder seinen Stand individuell dann aufmachte, wann es ihm passt. Dann würde ein verödeter Eindruck in weiten Teilen der Halle die Kundschaft verprellen. Mannsbarth plädierte dafür, über bauliche Veränderungen nachzudenken, wenn in drei Jahren der Pachtvertrag zwischen Stadt und Markthallen-Betriebs-GmbH zur Neuverhandlung fällig wird. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir zwei Etagen haben“, sagte er.

Ein Weg könne sein, nur die obere Fläche die ganze Woche über zu öffnen und dort einzelne neue Stände zu schaffen, an denen Fleisch oder Fisch verkauft werden kann. Die untere Etage würde dann in der zweiten Wochenhälfte zusätzlich geöffnet und von Erzeugern bespielt, die wie bisher nur tageweise kommen, skizzierte der Markthallen-Geschäftsführer.

Von Axel Schwarz

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