Kasseler Firma Cube-Engineering untersucht Windverhältnisse in Ostafrika

Ökostrom für Kenia

Anemometer und Datenlogger: Mit modernster Technik wird Stefan Chuns Firma Cube-Engineering die Windverhältnisse in Kenia untersuchen. Foto: Stieler

Kassel. „Die Verhältnisse sind ideal, es ist eine der windreichsten Regionen der Welt“, sagt Stefan Chun. So schwärmt der Kasseler Unternehmer von Nordkenia. Dort und im Rest des afrikanischen Landes wird Chun mit seiner Firma Cube-Engineering in den nächsten zwölf Monaten die Windverhältnisse genau untersuchen. Der Staat Kenia muss die Energieversorgung des Landes ausbauen und setzt dabei in großem Stil auf Windkraft. Bis zu 1000 Megawatt sind in einem ersten Schritt geplant. Bislang hat Kenia eine Kraftwerksleistung von insgesamt gerade einmal 1300 Megawatt. Cube-Engineering hat nun die Aufgabe, einen Windatlas zu erstellen, um die besten Standorte für Windkrafträder zu finden.

An 33 Orten des Landes werden in den kommenden Wochen Messmasten errichtet, erklärt Chun. „Wir werden in der Breite untersuchen, ob die Verhältnisse wirklich so außerordentlich gut sind.“ Auch für Libyen haben die Kasseler Windfachleute einen solchen Atlas erstellt.

Bislang gibt es in Kenia bereits einige Windkrafträder, etwa nahe der Hauptstadt Nairobi. Doch die Standorte seien eher willkürlich ausgewählt, sagt Chun. In Zukunft solle das nach einer Strategie geschehen, die auf harten Zahlen basiert. Und diese Zahlen sehen bislang gut aus. Die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten liegen in Kenia bei zehn Metern pro Sekunde. In deutschen Mittelgebirgen sind sie nur halb so hoch.

Wind weht kontinuierlich

Vor allem wehe der Wind kontinuierlich, sagt Stefan Chun. Da liege der Vorteil der Wind- gegenüber der Solarenergie, auf die viele andere afrikanische Staaten setzen. Und Windenergie sei preiswerter, weil keine Speichertechnik benötigt wird, sagt der Firmenchef. Der Wind wehe auch nachts, wenn der Strom gebraucht wird. Im November soll der erste Mast aufgestellt werden. „Die Masten lassen wir in Kenia produzieren“, sagt Chun, um der Wirtschaft einen Impuls zu geben. Die Technik, die in 40 Metern Höhe den Wind messen wird, aber kommt aus Deutschland. Windfahnen und so genannte Anemometer messen Windrichtung und -geschwindigkeit. Mit Solarenergie versorgte Messgeräte ermöglichen die Fernabfrage der Ergebnisse. Sie können von den Kasseler Experten online abgerufen werden.

Zugleich werden kenianische Ingenieure zu Windexperten ausgebildet. Das sei Teil des Vertrages mit dem kenianischen Energieministerium, sagt Chun. Die Afrikaner wollen künftig ähnliche Projekte selbst betreuen können.

Bis sich aber in den ostafrikanischen Bergen die neuen Windräder drehen, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. Die Messmasten sollen vorerst zwölf Monate lang Daten liefern.

Wahrscheinlich werde danach an weiteren Stationen gemessen, sagt Chun. Zudem müsse zu den Windrädern auch erst noch ein leistungsfähiges Stromnetz in Kenia aufgebaut werden.

Von Dennis Stieler

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