Kasseler Institut will Anlagen regelbar machen – Allendorf, Philippsthal und Jühnde sind dabei

Aus Ökostrom soll Biogas werden

Vorzeigedorf in Sachen Bioenergie: Jühnde im Kreis Göttingen ist bundesweit Vorreiter bei der Nutzung alternativer Energien. Es macht beim IdE-Projekt mit. Archivfoto: Schröter

kassel. Ein bundesweit einzigartiges Projekt zur individuellen Regelung von Biogasanlagen verschiedener Bauarten unter Federführung des Kasseler Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE) nimmt langsam Gestalt an. Die Demonstrationsanlagen sind ausgewählt: Untersucht werden eine Biogasanlage der Viessmann-Tochter MicrobEnergy GmbH in Allendorf (Kreis Waldeck-Frankenberg), ein Blockheizkraftwerk des Regionalversorgers EAM in Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg) sowie die Bioenergie-Anlage im Bioenergiedorf Jühnde (Kreis Göttingen), das zugleich Partner des auf drei Jahre angelegten Projekts ist. Es heißt „Biopower2Gas“ – zu deutsch: Biokraft zu Gas“ und wird vom Bundesumweltministerium mit 1,6 Millionen Euro gefördert.

Ziel des Projekts ist es, Biogasanlagen regelbar zu machen, sprich bei Bedarf herauf- oder herunterfahren zu können. Denn im Zuge der Energiewende nehmen derartige Strom-, Gas- und Wärmelieferanten eine zentrale Rolle ein. Künftig sollen Biogasanlagen gedrosselt werden, wenn viel Solar- und Windstrom im Netz ist, beziehungsweise in sonnen- und windarmen Phasen sowie in Spitzenlastzeiten am Morgen, Mittag und Abend hochgefahren werden. Was sich einfach anhört, ist aber sehr kompliziert: Denn die sensible Biologie darf beim Herauf- und Herunterfahren nicht leiden. Und genau das muss untersucht und getestet werden. Gleichzeitig geht es in dem Vorhaben von IdE, MicrobEnergy, EAM, dem Bioenergiedorf Jühnde und dem Kasseler Windkraftprojektierer Cube darum, das Biogas zu veredeln, damit es etwa ins öffentliche Netz eingespeist beziehungsweise gelagert werden kann, um bei Spitzenlast zu verstromen. Technologisch noch anspruchsvoller ist jener Teil des Projekts, bei dem der Speicherung überschüssigen Ökostroms in großem Stil zur industriellen Anwendungsreife verholfen werden soll.

Das Zauberwort heißt hierbei Methanisierung. Dabei wird in einem elektrochemischen Prozess mithilfe von Zu-viel-Strom Wasser in seine Bestanteile zerlegt. Den Wasserstoff mischt man dann mit Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Dabei entsteht Methangas, das ins Netz eingespeist, gespeichert oder als Kraftstoff für Gasautos verwendet werden kann. Diese nach einem französischen Chemiker auch Sabatier-Prozess genannte Technologie ist eine der wenigen Möglichkeiten, Strom in großen Mengen zu speichern. Die Alternative Batterien ist viel zu teuer und Standorte für Pumpspeicherkraftwerke sind hierzulande Mangelware.

Ungenutzter Ökostrom verpufft nicht nur ungenutzt, sondern kann auch die Leitungen derart verstopfen, dass die Stromnetze im Extremfall zusammenbrechen.

Von José Pinto

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