Methanisierung in großem Stil

Kasseler Institut IdE baut Biogasanlagen um

M. Hoppe-Kilpper

kassel. Nordhessen entwickelt sich immer stärker zu einer Modellregion und zum Taktgeber für erneuerbare Energien. Unter Federführung des Instituts dezentrale Energietechnologien (IdE) in Kassel sollen zwei bestehende Biogasanlagen in der Region so umgebaut werden, dass sie schnell hoch- beziehungsweise wieder heruntergefahren werden können.

Bislang ist es so, dass derartige Kraftwerke konstant Strom erzeugen, ganz gleich ob er gebraucht wird oder nicht. Künftig sollen Biogasanlagen flexibel geregelt werden. An sonnen- und windreichen Tagen, wenn genug oder sogar zu viel (Öko-)Strom im Netz ist, sollen sie gedrosselt, am Abend, wenn die Sonne nicht mehr scheint und sich der Wind gelegt hat, unter Volllast laufen.

„Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit, weil die Biologie darunter nicht leiden darf“, sagt IdE-Geschäftsführer Dr. Martin Hoppe-Kilpper. Mit im Boot: die MircobEnergy GmbH, die Biogas-Tochter des Allendorfer Heiztechnik-Herstellers Viessmann, der Energieversorger Eon Mitte sowie Windkraftspezialist Cube aus Kassel. Das Bundesumweltministerium fördert das Pilotprojekt mit 1,6 Millionen Euro. Welche Anlagen umgebaut werden, steht nach Angaben von Projektleiter Dr. John Sievers noch nicht fest.

Neben der Regelbarkeit sollen die Anlagen in die Lage versetzt werden, das Biogas zu veredeln, um es ins öffentliche Netz einspeisen zu können. Damit ließe sich der Brennstoff zwischenspeichern und in Spitzenlastzeiten, wenn also viel Strom nachgefragt wird, zurückholen, um damit Strom zu erzeugen.

John Sievers

In einem weiteren Teil des Projekts geht es ebenfalls um die Speicherung von überschüssigem Ökostrom im Zuge der sogenannten Methanisierung. Diesem elektrochemischen Prozess wollen das IdE und dessen Partnern zur industriellen Anwendung verhelfen. Dabei wird mit überschüssigem Strom Wasser in seine Bestandteile zerlegt. Der Wasserstoff wird dann mit Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu Methangas gemischt. Das kann man in Speichern lagern, ins Netz einspeisen oder als Kraftstoff für Autos verwenden.

Denn das größte Problem bei der Energiewende ist, dass Ökostrom derzeit wirtschaftlich nicht in großem Stil gespeichert werden kann, weil entsprechende Batterien unbezahlbar wären und Pumpspeicherkraftwerke nicht überall gebaut werden können.

Das Kasseler Fraunhofer-Institut Iwes arbeitet an einem ähnlichen Projekt. Laut Sievers haben die Forscherkollegen aber einen anderen technischen Ansatz.

Die IdE-Partner aus der Wirtschaft haben ein konkretes Interesse an dem ehrgeizigen Projekt. Viessmann ist ein Komplettanbieter von Biogasanlagen und will sie regelbar machen. Eon Mitte will überschüssigen Strom speichern, weil der ansonsten nicht nur ungenutzt verpufft, sondern mitunter auch die Netzstabilität gefährdet.

Von José Pinto

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