Urteil: Allianz-Versicherung muss für Schaden der Familie Johanson aufkommen

Öl-Unfall: Kläger im Recht

Erleichterung: Lars und Alexandra Johanson aus Nordshausen gestern kurz nach der Urteilsverkündung im Kasseler Landgericht. Foto: Ludwig

Nordshausen. Lars und Alexandra Johanson sind erleichtert. „Siehst du, es hat sich gelohnt, durchzuhalten“, flüstert Lars Johanson seiner Frau ins Ohr. Kurz zuvor hatte der Richter das Urteil verkündet, nach dem die Allianz-Versicherung für die Sanierung ihres bei einem Öl-Unfall kontaminierten Grundstückes voll aufkommen muss.

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Jahrelanger Streit nach Öl-Unfall

Die Nordshäuser haben lange auf diesen Tag gewartet. Begonnen hatte die jahrelange Auseinandersetzung mit Rechtsanwälten und Gutachtern nach einem Tankunfall im Oktober 2008. Damals waren beim Befüllen eines Tanks in einem benachbarten Haus 1400 Liter Heizöl in den Boden versickert.

Einer der Hauptgeschädigten des Unfalls ist die Familie Johanson, die ihr Haus nicht mehr bewohnen kann und seitdem in einem Nachbarhaus zur Miete lebt. „Es ist schon seltsam jeden Tag sein Haus zu sehen und nicht hineingehen zu können“, sagt Alexandra Johanson.

Weil die Versicherung nicht bereit war, den Schaden von Johanson in vollem Umfang zu übernehmen, verklagte der Nordshäuser die Allianz im September 2009. Ein Geldangebot seitens des Versicherungskonzerns in Höhe von 65.000 Euro habe er abgelehnt. „Ich bin nicht blöd. Wenn ich das Angebot akzeptiert hätte, wäre ich für alle Folgeschäden des Unfalls in der Verantwortung gewesen“, sagt der Hausbesitzer.

Vorher erst saniert

Wasser und Öl: An mehreren Stellen hat die Bodenplatte im Keller des Hauses von Lars Johanson Löcher. Daraus wird seit Monaten nicht nur Wasser, sondern auch nach wie vor Öl abgepumpt. Seitdem kann Johanson den Keller nicht nutzen.

Der Wunsch der Eheleute ist es, irgendwann wieder in ihr Haus einziehen zu können, in das sie kurz vor dem Öl-Unfall viel Arbeit in die Sanierung gesteckt hatten. Was diesen Wunsch angeht, ist sich Lars Johanson aber nicht so sicher. Er vermutet, dass der Boden ausgetauscht und sein Haus dafür abgerissen werden muss. „Die Bebauung ist dort sehr eng.“

Wie aufwändig die Sanierung werde und wieviel Öl noch im Boden ist, müssten erst weitere Untersuchungen zeigen. Nach dem Unfall war in seiner Garage lediglich ein Ölabscheider installiert worden, der das Grundwasser unter seinem Haus reinigt. „Eine echte Sanierung hat es nie gegeben.“

Lars und Alexandra Johanson gehen davon aus, dass die Allianz gegen das Urteil in Berufung gehen wird. Dann könne sich das Verfahren nochmal Monate hinziehen. „Die haben bislang immer verzögert. Viele andere Kläger wären in dieser Zeit ganz sicher eingeknickt. Wir nicht.“

Die Allianz kann noch keine Auskunft geben, ob sie in Berufung gehen wird. „Noch liegt uns das Urteil und die Begründung nicht vor. Erst auf dessen Basis werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen“, sagt Allianz-Sprecherin Sabine Schaffrath.

Von Bastian Ludwig

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