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#offenfuervielfalt: Heimische Firmen protestieren für Toleranz und gegen Rechtsruck

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Von: Nicole Schippers

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Zeichen gegen Ausgrenzung: Das Wechselschild der Kasseler Witschaftsinitiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ © Screenshot: HNA

Der Rechtsruck in der Gesellschaft macht heimischen Firmen Sorgen. Für sie wird es schwieriger, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Auch deshalb setzen sie nun ein Zeichen für Toleranz.

Neben den Initiatoren um Wintershall, die Hübner GmbH, die Schaltbau Bode Gruppe, die K+S Aktiengesellschaft und die Kasseler Sparkasse engagieren sich inzwischen weitere Unternehmen: Die Gesundheit Nordhessen Holding GmbH, die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) und die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) sind ebenso mit an Bord wie die Wirtschaftjunioren Kassel, die MT Melsungen und die HNA.

Gegründet hatte sich die Initiative vor gut vier Wochen als ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Man könne die Ereignisse der vergangenen Monate, bei denen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder ihres Einsatzes für Demokratie und Vielfalt angegriffen wurden, nicht tolerieren, teilten die beteiligten Unternehmen damals mit. „Uns macht große Sorge, dass populistische Gruppen Feindseligkeit schüren und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Jeder Form von Hass, Rassismus, Beleidigung und Gewalt treten wir mit Entschiedenheit entgegen“, bekräftigte jetzt der Vorstandsvorsitzende von Wintershall, Mario Mehren, erneut. 

Kernidee der Initiative ist der Versand eines Türschilds, wie man es aus dem Einzelhandel zum Anzeigen von Öffnungs- und Schließzeiten kennt. Auf der Vorderseite trägt es die Aufschrift „Offen für Vielfalt“, auf der Rückseite „Geschlossen gegen Ausgrenzung“. Mehr als 1000 Einzelbestellungen sind laut der Initiative für das Wechselschild bereits eingegangen. „Und wir erhalten laufend Neubestellungen“, sagt Wintershall-Sprecher Michael Sasse. 

Neben den Wechselschildern, mit denen alles begann, will die Initiative ihr Engagement nun ausweiten. Plakate in den KVG-Straßenbahnen und Großplakate im öffentlichen Raum hängen bereits seit vergangener Woche. Zudem wurden laut Pressemitteilung Unternehmen, Kulturschaffende, Verbände und Sozialpartner in Stadt und Region angeschrieben und ihnen Wechselschilder geschickt.

Auf der neuen Internetseite unter www.offenfuervielfalt.de können sich Interessenten über die Kampagne informieren. Auch in den sozialen Medien ist die Initiative vertreten. Unter dem Hashtag #offenfuervielfalt können persönliche Fotos mit dem „Offen für Vielfalt“-Schuld geteilt werden. Ab Anfang Dezember sollen bei teilnehmenden Gastronomen kostenlose Postkarten, sogenannte CityCards, ausliegen.

„Vielfalt ist unserer Stärke. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind so verschieden wie die Berufe, die sie bei uns ausüben. Sie sind entscheidend für den Erfolg unserer Unternehmen“, kommentiert Wintershall-Vorstand Mario Mehren die Kampagne. Der international tätige Erdgas- und Erdölproduzent beschäftigt Mitarbeiter aus mehr als 50 Nationen.

Auch die anderen Kooperatiospartner leben Vielfalt in ihren Betrieben. „Als Unternehmen mit Beschäftigten aus 69 Nationen ist Vielfalt bei uns gelebter Alltag“, sagt etwa Beate Sippel von der Gesundheit Nordhessen (GNH). Bei Hübner arbeiten weltweit Mitarbeiter aus über 30 Nationen. Menschen unterschiedlichster Nationalitäten beschäftigen auch die Kasseler Sparkasse und K+S.

Neuester Unterstützer der Kampagne ist die MT Melsungen. Ihr Bundesligateam setze sich aus Spielern unterschiedlichster Nationalitäten zusammen, sagt Vorstand Axel Geerken. „Von jeher steht der Sport für Offenheit, Toleranz und Integration“, betont er. „Gelebte Weltoffenheit ist für uns selbstverständlich, und wir treten dafür aus Überzeugung ein.“ Auch die Museumslandschaft Hessen Kassel sieht Offenheit und Toleranz als Teil ihres Auftrags: Ebenso vielfältig wie die zahlreichen Kunst- und Kulturschätze ihrer Sammlungen seien auch ihre Besucher aus allen Teilen der Welt, so MHK-Direktor Martin Eberle.

Service: Bürger und Geschäftsleute aus Kassel, die sich an der Initiative beteiligen möchten, können Türschilder kostenlos bei der HNA unter Telefon 0561/203-1476 oder per E-Mail an offenfuervielfalt@gmail.com anfordern.

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