Alten- und Pflegeheime informierten Familien über ihre kulturell abgestimmten Angebote

Offene Türen für Muslime

Pflege: Muslime informierten sich im Philipp-Scheidemann-Haus über Pflegemöglichkeiten. Foto:  Konrad

KASSEL. Für viele muslimische Familien ist es nicht selbstverständlich, pflegebedürftige Angehörige in fremde Obhut zu geben. Gibt es dort jemanden, der die Sprache spricht und versteht? Wie wird beim Essen, bei der Pflege oder auch bei der Sterbebegleitung auf die eigenen kulturellen und religiösen Werte Rücksicht genommen? Gibt es Möglichkeiten, seinen Glauben auszuüben?

Die Unsicherheit darüber verhindert laut Professor Klaus F. Geiger vom türkischen Selbsthilfeverein Emekder häufig die Anmeldung in entsprechenden Einrichtungen. Dabei haben sich Alten- und Pflegeheime wie auch ambulante Pflegedienste bereits auf die Bedürfnisse muslimischer Menschen eingestellt.

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Emekder, des Seniorenbeirats sowie des Ausländerbeirats der Stadt Kassel informierten Kasseler Alten- und Pflegeheime im Kasseler Philipp-Scheidemann-Haus jetzt über ihre Angebote. Laut Thomas Utz etwa, Leiter der Residenz Ambiente Kassel, gibt es einen großen Bedarf an Angeboten für muslimische Menschen, auf den sich die Einrichtung nicht nur in puncto Sprache eingestellt habe.

So stehe muslimischen Bewohnern eine eigene Küche zur Verfügung, und es werde auf deren spezielle Bedürfnisse Rücksicht genommen. Zwei türkische Bewohnerinnen leben dort momentan. Zudem werden im Sommer viele türkische Menschen in der Kurzzeitpflege betreut. Auch im Awo-Pflegeheim am Gesundheitszentrum Kassel gibt es beispielsweise entsprechende Angebote. „Wir legen sehr viel Wert auf einen kultursensiblen Zugang zu muslimischen alten Menschen“, sagte Leiterin Marianne Schönemann.

Die Muslime wünschten sich innerhalb der Einrichtungen einen separaten Bereich für muslimische Wohngruppen, ohne sich jedoch von den anderen Heimbewohnern abgrenzen zu wollen.

Voraussetzung dafür sind für die Einrichtungen aber verbindliche Anmeldungen, um entsprechend wirtschaftlich planen zu können. Bisher organisieren viele Muslime die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger noch innerhalb des Familienverbandes. Das wird künftig kaum möglich sein, die Großfamilie wird laut Vahiddin Oguz von Emekder immer seltener. Viele muslimische Familien haben sich der deutschen Lebensweise angepasst, viele muslimische Frauen sind mittlerweile berufstätig.

Den steigenden Pflegebedarf für ausländische Menschen bestätigt auch Wahdat Achundsada, Geschäftsführer der MHP Mobile Alten- und Krankenpflege. Der Dienst hat sich auf die ambulante Pflege von Menschen unterschiedlicher Kulturen spezialisiert und betreut derzeit mehr als 100 Patienten - von Juden über Muslime bis hin zu Buddhisten.

Die 50 Mitarbeiter sind auf die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der Patienten spezialisiert. „Nach anfänglichen Vorbehalten genießen wir inzwischen großes Vertrauen“, sagt Achundsada. Zehn bis 15 neue Patienten kommen jeden Monat hinzu.

Von Mirko Konrad

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