Regierungspräsidium kündigt stärkere Kontrollen bei Gewerbetreibenden an - Hohe Strafen drohen

Offensive gegen Geldwäsche

Kassel. Das Kasseler Regierungspräsidium (RP) wird im nächsten Jahr eine Offensive zur Bekämpfung von Geldwäsche starten. Im Blickfeld dabei sind nicht nur Banken, sondern auch viele Gewerbetreibende wie Auto- und Immobilienhändler.

Denn sie sind verpflichtet, mögliche Geldwäsche-Geschäfte ihrer Kunden zu melden. Ob und wie sie das tun, will das Regierungspräsidium durch Kontrollen herausfinden. Wer gegen die Meldepflicht vermuteter krummer Geschäfte verstößt, dem droht eine Geldbuße bis zu 100 000 Euro.

Wie viel Geld in Kassel und Nordhessen gewaschen wird, weiß niemand. Es gibt nur weltweite Schätzungen, wonach die Geldwäsche ein Volumen von 1500 Milliarden US-Dollar (1160 Mrd. Euro) haben soll. Das entspräche fünf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

In Hessen werden Geldwäscher vom Landeskriminalamt bekämpft. Auch das LKA hat keine Zahlen, wie viel Geld gewaschen wird. Die Zahl der Verdachtsmeldungen - hauptsächlich kommen sie von Banken - wächst aber ständig: 2003 erreichten das Landeskriminalamt 857 Meldungen, die über einen Geldwäsche-Verdacht berichteten. 2009 waren es 1190, im letzten Jahr 1655. In diesem Jahr wird die 2000er-Grenze wohl überschritten werden, sagte Frank Zimmermann, Geldwäsche-Experte beim LKA, gestern bei einer Info-Veranstaltung im Regierungspräsidium.

Aufmerksam sein

Gewerbetreibende sollten, so der Appell von RP und Landeskriminalamt, aufmerksam sein, wenn Kunden mit viel Bargeld Geschäfte machen wollen. Wenn etwa ein 19-Jähriger einen Sportwagen für 100 000 Euro oder mehr bar bezahlen will, herrscht höchste Verdachtsstufe. Es könnte sich um einen Strohmann handeln, der mit Schwarzgeld ein Auto kauft, um es dann wieder gegen gutes, „weißes Geld“ zu verkaufen.

Bei jedem Bargeldgeschäft über 15 000 Euro ist der Gewerbetreibende verpflichtet, seinen Kunden zu identifizieren (Ausweis zeigen lassen) und dies zu protokollieren. Wer einen Verdacht hat, dass es sich um einen Strohmann handeln könnte, der Geld waschen will, sollte Polizei oder Staatsanwalt informieren.

Geldwäsche im großen Stil funktioniert nach dem Prinzip Einschleusen, Verschleiern, Anlegen. Geld, das mit kriminellen Machenschaften (Prostitution, Menschen- und Drogenhandel, Waffenschmuggel) erworben wurde, wird bar auf ein Konto, in eine Lebensversicherung oder einen Fonds eingezahlt. Anschließend wird das Geld mehrfach transferiert, vorzugsweise über Länder wie die British Virgin Islands, in denen es keine Bankenkontrolle gibt. Ist das Geld so gewaschen, kehrt es irgendwann zurück, als legale Anlage in Aktien, Firmen oder Anleihen. Das Wort Geldwäsche stammt aus der Ära des bekanntesten Gangsters der USA, Al Capone. Der hatte das Geld aus seinen kriminellen Aktivitäten in Waschsalons angelegt, um daraus legales Geld zu machen.

Von Frank Thonicke

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