Oft nur lebensnotwendige Eingriffe

Wegen Corona viele OPs verschoben: So sieht es aktuell in den Kliniken in Kassel aus

Wurden vor allem zu Beginn der Pandemie verschoben: Operationen an Patienten, deren Leben nicht akut bedroht war. Viele davon wurden noch im selben Jahr nachgeholt, manche sagten die Patienten aus Angst vor Ansteckung selbst ab. 
+
Wurden vor allem zu Beginn der Pandemie verschoben: Operationen an Patienten, deren Leben nicht akut bedroht war. Viele davon wurden noch im selben Jahr nachgeholt, manche sagten die Patienten aus Angst vor Ansteckung selbst ab. 

Noch immer werden in Stadt und Kreis Kassel täglich zwischen 80 und 100 Corona-Infizierte in Krankenhäusern behandelt. Das hat auch Auswirkungen auf die Behandlung anderer Patienten.

Kassel – Die Corona-Pandemie hat die Arbeit in den Krankenhäusern in Kassel stark beeinträchtigt. Während die Situation in einigen Kliniken wieder weitgehend normal ist, finden geplante Eingriffe und Sprechstunden mancherorts immer noch nur eingeschränkt statt.

Aktuelle Situation: „Hoch elektive“ Eingriffe, also solche, die zeitlich frei wählbar sind, weil die Gesundheit des Patienten nicht akut bedroht ist, werden im Marienkrankenhaus noch jetzt vereinzelt abgesagt, teilt Geschäftsführer Michael Schmidt auf Nachfrage mit. Zumindest dann, wenn eine postoperative, intensivmedizinische Versorgung zu erwarten sei. Das werde mit den Patienten „individuell geplant und besprochen“. Auch stationäre Kontrollen etwa chronisch Kranker müssten wegen fehlender Kapazitäten abgesagt werden.

Individuelle Entscheidungen hatte jedes Krankenhaus im vergangenen Jahr treffen müssen. Nachdem geplante Eingriffe nach einem im März 2020 getroffenen Beschluss der Politik verschoben werden sollten, ging es vor allem darum, Arbeitsaufwand und Personal aufeinander abzustimmen. „Ein hoher Krankenstand des medizinischen Klinikpersonals in Verbindung mit den geltenden Pflegepersonaluntergrenzen hat Leistungsverknappung erfordert“, sagt Schmidt.

„Es bestand die Sorge vor italienischen Verhältnissen“, merkt der ärztliche Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, Dr. Uwe Behrmann, in Bezug auf die politische Entscheidung an. Wesentlich sei die Vorgabe des Sozialministeriums, eine bestimmte Anzahl Betten vorzuhalten. „Eine Normalstation mit 24 Betten konnte dann nur für bis zu elf Covid-Patienten genutzt werden.“ Wohingegen man zu normalen Zeiten auch mal ein viertes Bett in ein Dreibett-Zimmer stelle, um mehr Menschen versorgen zu können.

Auch das Personal habe angepasst werden müssen. „Die personelle Situation ist im Bereich Normalstation nicht großzügig.“ Und noch heute werde „jeder Intensivpfleger, der bei uns anklopft“, sofort eingestellt. Vom Fachkräftemangel spricht auch das Klinikum Kassel – allerdings „ganz unabhängig von der gegenwärtigen Coronapandemie“, so Sprecherin Inga Eisel.

Keine spannenden Nachrichten aus der Region verpassen - einfach unseren kostenlosen Kassel-Newsletter abonnieren. Die aktuellen Corona-Fallzahlen des RKI für die Region Kassel gibt es hier.

Rückblick: Im Marienkrankenhaus wurden die meisten Eingriffe im März 2020 abgesagt: Etwa 250 seien verschoben, 210 davon bis Ende Mai nachgeholt worden. Dazu zählten Operationen an der Galle, der Schilddrüse, Wirbelsäulenoperationen und OPs in der Hals-Nasen-Ohren-Medizin. Im Elisabeth-Krankenhaus konnten weniger künstliche Gelenke eingesetzt werden und auch dort gab es Einschränkungen im HNO-Bereich. „Das hat uns wehgetan, aber wir wussten nicht, wie sich die Situation entwickeln würde“, so Behrmann. In der Onkologie hingegen seien Behandlungen und Operationen erfolgt.

Im Juni habe sich die Situation im Elisabeth-Krankenhaus wieder stabilisiert. Die Absagen seien dann aus Angst vor dem Virus von Patientenseite gekommen. Bis auf eine erneute, etwa zweiwöchige Absagewelle im Dezember, befinde man sich heute wieder im Normalbetrieb.

Marienkrankenhaus-Chef Schmidt stellt noch immer Vorbehalte der Patienten fest: „Einige entscheiden selber, nicht zu kommen. Über Gründe wie Angst oder Vorsicht können wir nur mutmaßen.“ Weil auch die Sprechstunden deutlich weniger frequentiert waren, rechnet er „mit einer hohen Dunkelziffer“. Auch Behrmann begründet etwa den Rückgang der Brustkrebserkrankungen mit der geringeren Zahl an Vorsorgeuntersuchungen.

Anders blickt das Klinikum Kassel als Maximalversorger zurück. Dort habe man während der gesamten Pandemie keine Eingriffe absagen müssen, sagt Sprecherin Nina McDonagh. Bei den Patienten nehme man ein hohes Vertrauen in die Schutzmaßnahmen wahr. Damit könne man „auch den besonders gefährdeten Patientengruppen wie Krebs- oder Nierenkranken und Patienten, die ambulant Termine wahrnehmen müssen, eine in ihrem Ablauf sichere Versorgung anbieten.“ (Anna Lischper)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.