Fallstudien zur Geschichte

Sammelband zum Henschel-Jubiläum: Ohne die Firma keine Uni

Universitäts-Standort Holländischer Platz: Die Aufnahme aus dem Jahr 1967 zeigt das Verwaltungsgebäude von Henschel mit dem charakteristischen Henschel-Stern. Das Gebäude gibt es noch und ist heute Teil der Uni. Foto: privat / nh

Kassel. Die Geschichte der Firma Henschel und der Kasseler Universität ist eng miteinander verbunden. Auf dem heutigen Uni-Gelände am Holländischen Platz befindet sich mit dem Gießhaus sogar die Keimzelle des Unternehmens. Auch daran erinnert ein Sammelband, der jetzt erschienen ist.

Herausgegeben hat ihn der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jürgen Nautz. Er hat zum 200. Jahrestag der Firmengründung durch Carl Henschel im Juni 1810 Fachleute aus verschiedenen Disziplinen an der Kasseler Universität zusammengebracht. Die überarbeiteten Vorträge sind jetzt in den Schriften zur hessischen Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte erschienen. Der Titel: „Henschel und Kassel - Fallstudien zur Geschichte des Unternehmens und der Familie Henschel.“

Nahezu jede Familie, die länger in Kassel lebe, habe einen Bezug zu Henschel, sagt Nautz zur Motivation für die Veröffentlichung. Die soll ein Einstieg dafür sein, die Geschichte der Firma Henschel stärker als bisher in den Fokus zu rücken. Im Gegensatz zu anderen deutschen Großunternehmen wie zum Beispiel Krupp ist die noch längst nicht umfassend dokumentiert.

Ausnahmen sind einzelne Aspekte wie zum Beispiel die Rolle der Unternehmerin und Mäzenin Sophie Henschel (1841 bis 1915). Ohne diese außergewöhnliche Frau gäbe es zum Beispiel das Rot-Kreuz-Krankenhaus in Kassel nicht. Die Historikerin Ortrud Wörner-Heil hat ein Kapitel in dem Buch zu Sophie Henschel geschrieben.

Die Beschäftigung von ausländischen Zwangsarbeitern beleuchtet Dietfrid Krause-Vilmar, die enorme Rüstungsproduktion an Panzern, Lokomotiven und Flugzeugen ist Schwerpunkt des Beitrags von Thomas Vollmer. Grafiken dokumentieren, dass selbst nach schweren Beschädigungen der Werkshallen in den letzten Kriegsmonaten weiter produziert wurde.

Die Unternehmensgeschichte bis zum Zweiten Weltkrieg (Jens Flemming), die Bedeutung der Ingenieure für den Erfolg des Unternehmens (Albrecht Hoffmann), die Biografie von Oscar R. Henschel (Alfred Gottwald) sind weitere Themen. Von den Teilnahmen der Firma Henschel bei Weltausstellungen (Nadine Freund) bis zu den Aktivitäten des ehrenamtlich betriebenen Henschel-Museums (Helmut Weich und Peter Zander) reichen die Beiträge.

Jürgen Nautz (Hrsg.), Henschel und Kassel, 232 Seiten, 24,90 Euro. Im Buchhandel erhältlich.

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