Kasseler Multihalle: Die Verantwortlichen schweigen

Kassel. Das Aus für die Kassel Huskies im Profi-Eishockey ist seit über einer Woche besiegelt. Doch seither schweigen die Verantwortlichen zu den Folgen für die Pläne, in Bettenhausen eine Nordhessen-Arena zu errichten.

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Der Bad Hersfelder Investor Dennis Rossing, der auf dem Salzmann-Gelände eine Multifunktionshalle bauen wollte, verweist auf Gespräche mit der Stadt im Laufe dieser Woche.  Er werde „alles tun, was wirtschaftlich vertretbar ist“, versicherte Rossing am Montag. Eine klare Aussage, ob und wie es mit den Multihallen-Plänen weitergehen soll, blieb er schuldig.

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Jörg Steinbach über das gescheiterte Projekt Multihalle

Länger als drei Jahre wird an dem 80-Millionen-Euro-Projekt gearbeitet. Auf dem Gelände des Industriedenkmals sollte eine Veranstaltungshalle für bis zu 10 000 Besucher entstehen. Eine solche Halle, in der Stars große Konzerte geben könnten, wäre für die weitere Entwicklung der Region interessant. Gleichzeitig könnte das seit vielen Jahren vom Verfall bedrohte, letzte bedeutende Industriedenkmal in der Stadt für die Zukunft gesichert werden. Das Projekt ist zudem für die städtebauliche Entwicklung Bettenhausens von gehöriger Bedeutung.

Bundesweit funktioniert keine Arena ohne Sponsorengeld oder öffentliche Zuschüsse. Weil die Stadt hoch verschuldet ist, kommt sie als Arena-Betreiberin nicht selbst in Frage. Und in der Region fehlt ein Großsponsor, der bereit wäre, jedes Jahr Millionen-Zuschüsse in den Hallenbetrieb zu stecken.

Deshalb sollte die Kasseler Multihalle mehrere Standbeine bekommen. Die Huskies waren als einer der Hauptnutzer vorgesehen, die Handballer der MT Melsungen sollten als weitere Erstliga-Mannschaft zur zweiten Säule werden. Die Stadt wollte die Pläne, die eine Sicherung des Industriedenkmals bedeuten, mit elf Millionen Euro fördern. Zusätzlich sollten langfristig bis zu 6000 Quadratmeter Bürofläche für ein technisches Rathaus in der Salzmann-Arena angemietet werden. Mit diesen Mieteinnahmen hätte Rossing ebenso kalkulieren können wie mit vielen ersparten Millionen durch Denkmalschutz-Abschreibungen, für die es dem Vernehmen nach in Wiesbaden bereits grünes Licht gab. Zudem wollte sich VW für mehrere Millionen langfristig die Namensrechte an der Arena sichern.

Die Planung der Kasseler Multihalle im Wandel der Zeit

Multihalle
Januar 2007: Der geplante Standort der Mulithalle war damals noch die Giesewiesen. © HNA
Multihalle
Januar 2007: Die geplante Multihalle bei Tag - damals noch als Volkswagen-Arena konzipiert. © HNA
Multihalle
Januar 2007: Die geplante Multihalle bei Nacht - damals noch als Volkswagen-Arena konzipiert. © HNA
Multihalle
August 2007: Die Pläne zur Volkswagen-Arena auf den Giesewiesen werden verworfen. Auf dem Salzmann-Gelände in der Sandershäuser Straße soll nun eine neue Halle errichtet werden. © HNA
Multihalle, Kassel, Salzmann
März 2008: Die alten Gebäude auf dem Salzmann-Gelände sollen für neue Gebäudeteile der Multifunktionshalle weichen. © Andreas Fischer
Multihalle, Kassel, Salzmann
März 2008: Die alten Gebäude auf dem Salzmann-Gelände sollen für neue Gebäudeteile der Multifunktionshalle weichen. © Andreas Fischer
Abriss Gebäude, Salzmann, Multihalle
Januar 2009: Beginn der Abriss-Arbeiten auf dem Salzmann-Gelände. © Andreas Fischer
Abriss Gebäude, Salzmann-Gelände
Januar 2009: Beginn der Abrissarbeiten auf dem Salzmann-Gelände. © Andreas Fischer
Multihalle
Januar 2010: Huskies-Eigner Dennis Rossing wil auf dem Salzmann-Gelände eine Multifunktionshalle bauen. © HNA
 Mulithalle
Januar 2010: Luftbild vom Salzmann-Gelände. © Jochen Herzog
Multihalle
Januar 2010: Luftbild vom Salzmann-Gelände. © Jochen Herzog
Multihalle
März 2010: Hans-Uwe Schultze (Schultze + Schultze Architekten) vor seinen Plänen für die Multihalle mit der Zusage von VW. © Jochen Herzog
Multihalle
März 2010: Hans-Uwe Schultze (Schulze und Schultze Architekten) vor seinen Plänen für die Multihalle mit der Zusage von VW. © Jochen Herzog
Multihalle
März 2010: Multihalle, Ansicht von Westen, links Sandershäuser Straße © Grafik: Schultze + Schulze Architekten
Multihalle
März 2010: Multihalle, Ansicht von Osten, Agathofstraße © Grafik: Schultze + Schulze Architekten
Multihalle
Juli 2010: Die neue Geschäftsstelle der Kassel Huskies ist in der Kulturfabrik Salzmann. © Lothar Koch
Multihalle
Juli 2010: Die neue Geschäftsstelle der Kassel Huskies ist in der Kulturfabrik Salzmann. © Lothar Koch
Multihalle
Juli 2010: Die neue Geschäftsstelle der Kassel Huskies ist in der Kulturfabrik Salzmann. © Lothar Koch
Multihalle
August 2010: Luftbild vom Salzmann-Gelände. © Jochen Herzog
Multihalle
August 2010: Multihalle im Regen © Jochen Herzog
Multihalle
August 2010: Die Multihalle © Jochen Herzog
Multihalle
August 2010: Schieflage der Multihalle © Jochen Herzog
Multihalle
August 2010: Multihalle © Jochen Herzog

Doch all dies hat offenbar nicht gereicht, die 80-Millionen-Investition zu stemmen und das Arena-Projekt wirtschaftlich zu machen. Wenn Investor Dennis Rossing nichts verdienen kann oder sogar noch Geld drauflegen muss, wird er die Halle nicht bauen.

Unklar ist auch, ob eine kleine Lösung auf dem Salzmann-Gelände entstehen könnte. Die denkmalgeschützen Gebäude könnten in ein Bürozentrum für das technische Rathaus und weitere Dienstleister verwandelt werden.

Von Jörg Steinbach

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